Öl bleibt un­ter Druck

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - NITESH SHAH,

Die Be­mü­hun­gen der Opec, das An­ge­bot zu dros­seln, fruch­ten nicht

Nach­dem die Or­ga­ni­sa­ti­on erd­öl­ex­por­tie­ren­der Län­der (Opec) an Auf­fahrt ent­schie­den hat­te, ihr Pro­gramm zur Kür­zung der För­der­men­gen um wei­te­re neun Mo­na­te zu ver­län­gern, hat der Öl­preis in der fol­gen­den Wo­che um 4,5% nach­ge­ge­ben. Die Ent­täu­schung rühr­te da­her, dass es dem Kar­tell nicht ge­lang, die För­der­men­ge noch stär­ker zu dros­seln, ob­wohl es zu­vor be­haup­tet hat­te, dass man «al­les tun wird, was es braucht», um die glo­ba­len Vor­rä­te auf ein tie­fe­res Ni­veau zu re­du­zie­ren. Am Frei­tag kos­tet ein Fass der Sor­te Brent 49.45 $, der Preis des US-Erd­öls WIT fiel auf 47.20 $ pro Fass.

Bei wei­ter­hin schwa­cher glo­ba­ler Nach­fra­ge und kon­ti­nu­ier­lich stei­gen­den För­der­men­gen in den USA, Ka­na­da und Bra­si­li­en blei­ben die glo­ba­len Öl­vor­rä­te auf er­höh­tem Ni­veau. Die Be­stre­bun­gen der Opec, die OECD-Öl­vor­rä­te auf den Fünf-Jah­res-Durch­schnitt zu sen­ken, wer­den wei­ter­hin durch das Wachs­tum der US-Schie­fe­röl­pro­duk­ti­on un­ter­gra­ben.

Das von Sau­di-Ara­bi­en an­ge­führ­te Kar­tell ver­sucht die Prei­se zu stüt­zen, nach­dem 2014 sein Ex­pe­ri­ment, Markt­an­tei­le zu ver­tei­di­gen, schei­ter­te und in der Fol­ge der Öl­preis zu­sam­men­fiel, was der Wirt­schaft zahl­rei­cher Opec-Mit- glieds­län­der Scha­den zu­füg­te. Sau­di-Ara­bi­en will ei­nen Teil sei­ner staat­li­chen Öl­ge­sell­schaft, Sau­di Aram­co, an die Bör­se brin­gen, um sei­ne Staats­kas­sen zu stär­ken. Dies ist der Haupt­grund da­für, wes­halb Sau­di-Ara­bi­en ei­nen Öl­preis von über 50 $ pro Bar­rel an­strebt. Weil hö­he­re Prei­se die Er­trä­ge si­chern, ha­ben auch an­de­re Mit­glie­der ih­re Pro­duk­ti­on zu­rück­ge­fah­ren.

Zwi­schen 2012 und 2016 wa­ren die Erd­öl­ver­käu­fe der Opec-Län­der ge­mäss Da­ten der US-Ener­gie­be­hör­de EIA um über 60% ge­sun­ken. Die Er­ho­lung der Erd­öl­prei­se im letz­ten Jahr dürf­te beim Kar­tell 2017 zu ei­nem An­stieg der Erd­öl­ein­nah­men um 24% füh­ren. Das ist al­ler­dings im­mer noch über 50% we­ni­ger als auf dem Hö­he­punkt im Jahr 2012.

Bei den ak­tu­el­len Prei­sen ist mit ei­nem Wachs­tum der US-Pro­duk­ti­on zu rech­nen. Die För­der­an­la­gen sind we­sent­lich ef­fi­zi­en­ter als frü­her. Die För­der­men­ge in den USA be­wegt sich na­he an der Re­kord­mar­ke von 2014, als auf dem Hö­he­punkt noch fast dop­pelt so vie­le An­la­gen in Be­trieb wa­ren. Die aus­dau­ern­den und flin­ken US-Pro­du­zen­ten dürf­ten die Be­mü­hun­gen der Opec, das glo­ba­le Erd­öl­an­ge­bot zu dros­seln, wei­ter­hin un­ter­gra­ben. Oh­ne tie­fe­re Pro- duk­ti­ons­schnit­te ist zu er­war­ten, dass die Prei­se wei­ter sin­ken wer­den, mög­li­cher­wei­se un­ter 50 $ pro Bar­rel.

Ver­mut­lich wird die Opec ih­re ei­ge­ne Ver­ein­ba­rung nach und nach we­ni­ger steng ein­hal­ten, wie dies in der Ver­gan­gen­heit als Mus­ter zu er­ken­nen war. Sau­di-Ara­bi­en hät­te bei ei­nem Schei­tern des Ab­kom­mens am meis­ten zu ver­lie­ren. Die an­de­ren Mit­glie­der dürf­ten des­halb zu Tritt­brett­fah­rern der sau­di­schen Be­mü­hun­gen wer­den, die Pro­duk­ti­on im Zaum zu hal­ten. So­bald sie aber hin­ter­fra­gen, was nach dem sau­di­schen Aram­co-IPO pas­sie­ren wird, ist zu be­zwei­feln, dass der So­li­da­ri­täts­ge­dan­ke so stark ist, wie nach aussen dar­ge­stellt.

Russ­land, das gröss­te Nich­tOpec-Mit­glied, das sich am Ab­kom­men be­tei­ligt, be­haup­tet, die För­de­rung mehr als nö­tig re­du­ziert zu ha­ben. Dies wi­der­spricht aber den Da­ten in den Opec-Mo­nats­be­rich­ten. Wenn die Ein­hal­tung der ge­mein­sa­men Ver­ein­ba­rung auf den Prüf­stand ge­stellt wird, dürf­ten die Prei­se schwä­cher wer­den. Es ist wei­ter­hin da­von aus­zu­ge­hen, dass die Roh­öl­prei­se zwi­schen 40 und 55 $ pro Fass blei­ben wer­den.

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