Griff in den Bau­kas­ten

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - THORS­TEN VET­TER,

Die Ak­ti­en­märk­te mar­kie­ren im­mer neue Rekorde. Ei­gent­lich ein sehr gu­tes Um­feld für Un­ter­neh­men, die Wandelanleihen be­ge­ben wol­len. Ein ho­her Ak­ti­en­kurs, ver­bun­den mit ei­ner or­dent­li­chen Prä­mie, re­du­ziert das Ri­si­ko der Emit­ten­ten, dass ge­wan­delt und so die Ak­ti­en­zahl ver­wäs­sert wird. Aber was pas­siert der­zeit?

Nichts, zu­min­dest nicht all­zu viel – der Neu­emis­si­ons­ka­len­der ist leer­ge­fegt. Das gilt be­son­ders für den eu­ro­päi­schen Markt; da­bei er­klim­men die be­deu­ten­den Ak­ti­en­in­di­zes im­mer neue Höchst­stän­de. War­um mag der­zeit nie­mand Wandelanleihen be­ge­ben?

Der Kurs­an­stieg in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ver­lief gänz­lich un­spek­ta­ku­lär – Schritt für Schritt. Das be­deu­tet nichts an­de­res, als dass die Vo­la­ti­li­tät an den Märk­ten sehr nied­rig ist und da­mit auch die Op­ti­ons­prei­se. Und hier liegt das Pro­blem der Emit­ten­ten: Ei­ne Wan­del­an­lei­he zu plat­zie­ren, heisst aus ih­rer Sicht im­mer auch, die Vo­la­ti­li­tät der un­ter­lie­gen­den Ak­ti­en zu mo­ne­ta­ri­sie­ren. An­ders aus­ge­drückt: Je hö­her die Vo­la­ti­li­tät, um­so grös­ser ist der Wert der in der Wan­del­an­lei­he ein­ge­bau­ten Op­ti­on und da­mit der Ab­schlag beim Cou­pon, al­so um­so günsti- ger die Re­fi­nan­zie­rungs­mög­lich­keit für den Schuld­ner. In ei­ner Pha­se his­to­risch nied­ri­ger Vo­la­ti­li­tät ist der Un­ter­schied zu ei­ner nor­ma­len Ob­li­ga­ti­on schlicht zu klein, als dass ein Un­ter­neh­men statt ei­nes ge­wöhn­li­chen Un­ter­neh­mens­bonds lie­ber ei­nen Wand­ler be­ge­ben wür­de.

Der In­ves­tor sieht das gänz­lich an­ders. Die Pha­se nied­ri­ger Vo­la­ti­li­tät (beim S&P 500 ist sie so nied­rig wie zu­letzt 1995) wür­de er am liebs­ten nut­zen, um Wandelanleihen zu kau­fen. Nied­ri­ge Vo­la­ti­li­tät ist aus sei­ner Sicht ver­lo­ckend, weil die Op­tio­nen so güns­tig sind. Aber wel­che Wandelanleihen soll er kau­fen, wenn kei­ne neu­en be­ge­ben wer­den?

Ne­ben dem Se­kun­där­markt könn­ten In­ves­to­ren in den ei­ge­nen «Bau­kas­ten» schau­en. Mit ei­ner lang­lau­fen­den Call-Op­ti­on und ei­ner nor­ma­len Ob­li­ga­ti­on las­sen sich in­ter­es­san­te Wandelanleihen nach­bau­en. Hier hat der In­ves­tor ei­ne gu­te Mög­lich­keit, neue, viel­ver­spre­chen­de Ti­tel ins Port­fo­lio auf­zu­neh­men. An­le­gerk­rea­ti­vi­tät ist al­so mehr denn je ge­fragt. Es kann sich loh­nen.

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