Zu­ver­sicht für EM-Cor­po­ra­tes

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - CLAU­DIA VON WALD­KIRCH,

Das Jahr be­gann viel­ver­spre­chend. Von Ja­nu­ar bis En­de Mai ver­zeich­nen Un­ter­neh­mens­an­lei­hen (Cor­po­ra­tes) aus Schwel­len­län­dern in Hart­wäh­rung al­ler Bo­ni­täts­stu­fen (Durch­schnitts­ra­ting BBB–) ei­ne Per­for­mance von 3,8% (ab­ge­si­chert in Fran­ken). Die glo­ba­le Per­for­mance-Land­kar­te sieht gut aus und ba­siert auf gu­ten wirt­schaft­li­chen Da­ten. Die po­li­ti­sche Sei­te steu­ert zwar im­mer wie­der neue ne­ga­ti­ve Schlag­zei­len und Skan­da­le bei. Aber mitt­ler­wei­le hat sich der Markt ziem­lich gut dar­an ge­wöhnt, ver­daut der­ar­ti­ge Schlag­zei­len recht schnell und geht rou­ti­niert zum Ta­ges­ge­schäft über. Den jüngs­ten gros­sen Tu­mult steu­er­te dies­mal Bra­si­li­en bei.

Der durch die Amts­ent­he­bung (Im­peach­ment) von Dil­ma Rousseff im ver­gan­ge­nen Jahr zum neu­en Staats­prä­si­den­ten auf­ge­stie­ge­ne Mi­chel Te­mer ist durch den Fleisch­kon­zern JBS selbst in den Kor­rup­ti­ons­sumpf ge­ra­ten. Ei­nen Tag nach Be­kannt­wer­den der Vorwürfe ge­gen Te­mer fie­len zehn­jäh­ri­ge bra­si­lia­ni­sche Un­ter­neh­mens­an­lei­hen wie bei­spiels­wei­se Pe­tro­bras um bis zu 4%. In den Fol­ge­ta­gen konn­te aber über die Hälf­te der ne­ga­ti- ven Ent­wick­lung wie­der wett­ge­macht wer­den. An­de­re An­lei­hen von Un­ter­neh­men, die ei­nen gros­sen Teil ih­res Um­sat­zes im Ex­port er­wirt­schaf­ten, ha­ben we­nig re­agiert oder die Ver­lus­te be­reits voll­stän­dig kom­pen­siert. Die nächs­ten Ta­ge soll­ten zei­gen, wie es po­li­tisch in Bra­si­li­en wei­ter­geht: ob Te­mer selbst zu­rück­tritt, was er bis­her klar ver­neint hat, ob sich ein zwei­tes Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ab­zeich­net oder ob sich die po­li­ti­schen Par­tei­en doch bis zu den of­fi­zi­el­len Wah­len im nächs­ten Jahr zu­sam­men­rau­fen, um die wich­ti­gen Re­for­men, die Te­mer auf den Weg ge­bracht hat, fort­zu­set­zen. Es ist un­be­strit­ten, dass un­ter Prä­si­dent Te­mer vie­le wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen wur­den, die sich po­si­tiv für das Land aus­wir­ken. Es sind aber wei­te­re wich­ti­ge Re­for­men not­wen­dig, da­mit Bra­si­li­en nach­hal­tig aus der Kri­se fin­det. Die po­li­tisch Ver­ant­wort­li­chen soll­ten sich klar da­zu be­ken­nen. Es wä­re schäd­lich, wenn sie den ein­ge­schla­ge­nen Re­form­weg ver­lies­sen. Im­mer­hin sind die Markt­teil­neh­mer in der Ten­denz po­si­tiv ge­stimmt, denn der An­la­ge­klas­se der Schwel­len­län­der-Cor­po­ra­tes flies­sen wei­ter Mit­tel zu.

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