Wachs­tum über­all

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - AND­REW HARMSTONE,

Nach dem Fed soll­ten auch EZB und Bank von Ja­pan jetzt um­den­ken.

Die wich­tigs­ten Wirt­schafts­blö­cke der Welt – USA, Eu­ro­pa, Ja­pan – pro­fi­tie­ren seit 2008 von tie­fen Zin­sen und ei­ner Aus­wei­tung ih­rer Geld­men­ge, dem Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing (QE). En­de 2014 hat die USNo­ten­bank (Fed) ihr QE zu­rück­ge­fah­ren. Eu­ro­pa und Ja­pan könn­ten bald fol­gen. Ein gu­ter Mo­ment al­so, den Zu­stand die­ser Volks­wirt­schaf­ten zu be­trach­ten. Die Ana­ly­se fällt güns­tig aus: Al­ler drei Re­gio­nen wach­sen re­al – die USA und Ja­pan ha­ben qua­si Voll­be­schäf­ti­gung, mit Ar­beits­lo­sen­ra­ten von jetzt nur noch 4,3% (USA )und 2,8% ( Ja­pan).

Im Ver­gleich da­zu wirkt die Quo­te von 8% in der Eu­ro­zo­ne re­la­tiv hoch, ist aber his­to­risch tief. Wei­te­re Un­ter­stüt­zung er­hält die US-Wirt­schaft auch von den die­se Wo­che ver­öf­fent­lich­ten sai­so­nal ad­jus­tier­ten Zah­len, die für April ei­nen An­stieg von 0,4% bei den Aus­ga­ben der pri­va­ten Haus­hal­te zei­gen. Die QE-Mass­nah­men in Eu­ro­pa und Ja­pan sti­mu­lie­ren die Nach­fra­ge nach Gü­tern und Di­ens­ten, wäh­rend die Zin­sen tief blei­ben – ins­ge­samt ein gu­tes Um­feld für ri­si­ko­rei­che­re An­la­gen.

Zei­chen des Ver­trau­ens

Auch schei­nen die In­ves­to­ren die Be­reit­schaft des Fed, die Zin­sen zu er­hö­hen, als ein wei­te­res Zei­chen da­für zu deu­ten, dass die Zen­tral­bank der wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on traut. Be­trach­tet man den Zei­t­raum von Ja­nu­ar 2010 bis März 2017, so ha­ben sich die Märk­te je­weils am bes­ten ent­wi­ckelt, wenn die Re­al­zin­sen im Ein­klang mit den sich er­hö­hen­den In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen stie­gen. Zins­er­hö­hun­gen wir­ken al­so nicht stö­rend, wenn sie schritt­wei­se und si­tua­ti­ons­ge­recht statt­fin­den.

Von zen­tra­ler Be­deu­tung ist der künf­ti­ge Kurs der QE-Pro­gram­me in Eu­ro­pa und Ja­pan. Auf­grund der bes­se­ren wirt­schaft­li­chen Si- tua­ti­on so­wie dem Aus­gang der fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wah­len steht zu er­war­ten, dass Ma­rio Draghi an der EZB-Sit­zung vom 8. Ju­ni Hin­wei­se gibt, wie er die künf­ti­gen Zins- und QE-Po­li­tik zu ge­stal­ten ge­denkt. An­ge­sichts der sich bes­sern­den Kon­junk­tur wird es auch für die Bank von Ja­pan im­mer schwie­ri­ger, ihr ag­gres­si­ves QE zu recht­fer­ti­gen.

Bei der Be­trach­tung der Schwel­len­län­der fällt auf, mit welch ri­go­ro­sen Mass­nah­men die chi­ne­si­schen Be­hör­den ge­gen so­ge­nann­te Zom­bie-Fir­men vor­gin­gen bzw. die­se in Kon­kurs ge­hen lies­sen. Da­von be­trof­fen wa­ren auch Fi­nanz­pro­duk­te mit über­zo­ge­nen He­beln. Das hat ei­ni­ge In­ves­to­ren auf­ge­schreckt, je­doch sind die ge- ziel­ten Mass­nah­men über­wie­gend po­si­tiv zu se­hen, auch wenn sie die Märk­te vor­über­ge­hend be­las­ten könn­ten. Chi­nas Wirt­schaft dürf­te wei­ter wach­sen.

Kopf an Kopf?

Seit der Wahl von Em­ma­nu­el Ma­cron ha­ben eu­ro­päi­sche Ak­ti­en stark zu­ge­legt. Die In­ves­to­ren schei­nen die sich ver­bes­sern­de Wirt­schaft, die po­si­ti­ven Ge­winn­aus­sich­ten und die re­la­tiv at­trak­ti­ven Be­wer­tun­gen zu wür­di­gen. Schon ver­schiebt sich die Auf­merk­sam­keit nach Grossbritannien, wo am 8. Ju­ni ein neu­es Par­la­ment ge­wählt wird. The­re­sa May hat­te die­se Wah­len im April an­ge­kün­digt, mit der Ab­sicht, durch ei­ne star­ke Mehr­heit im Par­la­ment ih­re Br­ex­it-Ver­hand­lungs­po­si­ti­on zu stär­ken. Tat­säch­lich wie­sen ihr da­mals Um­fra­gen ei­nen kom­for­ta­blen Vor­sprung ge­gen­über der Op­po­si­ti­on zu. Ei­ne Wo­che vor der Wahl sieht es je­doch eher nach ei­nem Kopf-an-Kopf-Ren­nen aus, was sich auch auf die Vo­la­ti­li­tät des Pfun­des aus­ge­wirkt hat.

Für Ent­täu­schung sorg­te die­se Wo­che auch die Ent­schei­dung von US-Prä­si­dent Trump, das Kli­ma­ab­kom­men von Pa­ris zu kün­di­gen. Die Kon­se­quen­zen wer­den si­cher erst län­ger­fris­tig spür­bar sein und durch wei­te­re Fak­to­ren be­ein­flusst wer­den. So ist seit 2010 glo­bal ei­ne lang­sa­me Ent­kopp­lung der CO2-Emis­sio­nen vom BIPWachs­tum fest­zu­stel­len. Grund dürf­te sein, dass im­mer mehr fos­si­le Brenn­stof­fe durch er­neu­er­ba­re Ener­gi­en er­setzt wer­den, die zu­neh­mend güns­ti­ger zur Ver­fü­gung ste­hen. Die­ser Trend dürf­te sich noch ver­stär­ken, vor al­lem wenn die Nach­fra­ge nach sau­be­rer Ener­gie öko­no­misch mo­ti­viert ist und nicht durch po­li­ti­sche Sti­mu­li ge­trie­ben wird.

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