Der Kon­junk­tur­zy­klus

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Wachs­tums­zy­klen be­schäf­ti­gen die Mensch­heit schon lan­ge. Be­reits in der Bi­bel, im ers­ten Buch Mo­se, ist die Re­de von sie­ben fet­ten und sie­ben ma­ge­ren Kü­hen, von Jo­seph ge­deu­tet als sie­ben gu­te und sie­ben schlech­te Ern­te­jah­re. Sol­che wie­der­keh­ren­den Mus­ter prä­gen nicht nur die Land­wirt­schaft, auch die Kon­junk­tur un­ter­liegt mehr oder min­der re­gel­mäs­si­gen Wel­len­be­we­gun­gen.

Der Kon­junk­tur­zy­klus lässt sich grob in vier Pha­sen un­ter­tei­len: Zu­erst kommt die Er­ho­lung, wenn sich die Wirt­schaft lang­sam von der letz­ten Kri­se er­holt. Die Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten sind nur ge­ring aus­ge­las­tet, die Zin­sen sind nied­rig, die Ar­beits­lo­sig­keit ist hoch – doch die An­zei­chen ei­ner Er­ho­lung meh­ren sich. Noch liegt das Wachs­tum un­ter dem lang­fris­ti­gen Po­ten­zi­al, das bei nor­ma­ler Aus­las­tung der Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten er­reicht wird. Mit zu­neh­men­der Dau­er der po­si­ti­ven Dy­na­mik nä­hert sich die Wirt­schaft der Ex­pan­si­ons­pha­se. Das Po­ten­zi­al­wachs­tum wird über­trof­fen, die Kon­junk­tur boomt. Es herrscht Voll­be­schäf­ti­gung, die Un­ter­neh­men be­kun­den zu­neh­mend Mü­he, ge­eig­ne­te Ar­beits­kräf­te zu fin­den. Löh­ne und Gü­ter­prei­se stei­gen – die In­fla­ti­on mel­det sich zu­rück.

Um ei­ne ge­fähr­li­che Über­hit­zung zu ver­mei­den, be­ginnt die No­ten­bank bei zu­neh­men­der Ex­pan­si­on die Leit­zin­sen zu er­hö­hen. Hö­he­re Zin­sen ver­teu­ern Kre­di­te und Hy­po­the­ken, was die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung bremst. Das Wachs­tum geht zu­rück, liegt aber im­mer noch über dem lang­fris­ti­gen Trend. Die Ab­küh­lung setzt ein. In der dar­auf­fol­gen­den Pha­se kommt es zum Ab­schwung. Der Preis­druck in der Wirt­schaft geht zu­rück, die Ar­beits­lo­sig­keit nimmt zu. Droht ein stär­ke­rer Kon­junk­tur­rück­gang, folgt ei­ne Re­zes­si­on. Dar­auf re­agie­ren die No­ten­ban­ken mit ag­gres­si­ven Zins­sen­kun­gen, um den Kon­sum und die In­ves­ti­tio­nen wie­der an­zu­kur­beln.

Im Schnitt dau­ert ein ab­ge­schlos­se­ner Kon­junk­tur­zy­klus et­wa vier bis acht Jah­re – die Spann­brei­te ist je­doch be­trächt­lich. Mass­nah­men von Re­gie­run­gen oder No­ten­ban­ken, aber auch Na­tur­ka­ta­stro­phen oder Krie­ge kön­nen den Ver­lauf nach­hal­tig be­ein­flus­sen. Doch nicht nur in der Dau­er, auch in der In­ten­si­tät kön­nen sich die Zy­klen stark un­ter­schei­den. So dau­ert die glo­ba­le Er­ho­lung seit der Fi­nanz­kri­se 2008/09 zwar mitt­ler­wei­le ziem­lich lang, ist aber bis­lang eher schwach aus­ge­fal­len. In den USA ist die pri­va­te For­schungs­stel­le Na­tio­nal Bu­reau of Eco­no­mic Re­se­arch da­für zu­stän­dig, den Kon­junk­tur­zy­klus zu be­stim­men. Ihr zu­fol­ge hat in den USA im Ju­ni 2009 die Er­ho­lung ein­ge­setzt. Die Schweiz kennt kein ver­gleich­ba­res Gre­mi­um.

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