Öl­prei­se un­ter Druck

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LASALLE BROKERAGE,

An den Ener­gie­märk­ten ist der Op­ti­mis­mus be­reits wie­der ver­flo­gen.

Die in­ter­na­tio­na­len Wa­ren­märk­te sind der­zeit von we­nig Eu­pho­rie ge­prägt. Mit Aus­nah­me ein­zel­ner Pro­duk­te bleibt die Stim­mung ge­drückt. An den Ener­gie­märk­ten ist der Op­ti­mis­mus, der die Öl­prei­se nach dem Ent­scheid der Opec un­ter­stützt hat­te, die ge­kürz­ten För­der­quo­ten um wei­te­re neun Mo­na­te bei­zu­be­hal­ten, be­reits wie­der ver­flo­gen. Der Fass­preis für Roh­öl der Nord­see­sor­te Brent ist seit En­de Mai fast 10% ab­ge­stürzt und no­tier­te vor dem Wo­che­n­en­de wie­der kurz­zei­tig un­ter 49 $ pro Fass (159 Li­ter). Auch die Öl­pro­duk­te ha­ben sich wie­der mar­kant ver­bil­ligt. Eu­ro­päi­sches Gas­öl, das noch vor we­ni­gen Ta­gen zu 485 $ pro Ton­ne ge­han­delt wur­de, ist heu­te mehr als 50 $ pro Ton­ne bil­li­ger.

Die Ent­schei­dung der gros­sen Nach­bar­staa­ten, die di­plo­ma­ti­schen Be­zie­hun­gen zum klei­nen Öl­staat Ka­tar auf­zu­he­ben, war für die Öl­prei­se we­nig un­ter­stüt­zend. Zum ei­nen gilt Ka­tar mit ei­ner Ta­ges­för­de­rung von gut 600 000 Fass als nicht ge­ra­de be­deu­ten­des Opec-Land. An­de­rer­seits be­fürch­ten Ana­lys­ten, dass da­mit die Ge­schlos­sen­heit der am För­der­ab­kom­men be­tei­lig­ten Opec- und Nicht-Opec Län­der ins Wan­ken ge­rät. Die Tat­sa­che, dass trotz Opec-Ver­ein­ba­rung vor­erst kei­ne An­glei­chung von An­ge­bot und Nach­fra­ge zu er­ken­nen ist und in USA der Schie­fe­röl­aus­stoss ste­tig wächst, trübt die Preis­aus­sich­ten.

Aber nicht nur die Öl­märk­te lei­den un­ter der po­li­ti­schen Un­si­cher­heit. Der Rück­zug der Re­gie­rung Trump vom Pa­ri­ser Kli­ma­ab­kom­men und der we­nig di­plo­ma­ti­sche Stil des neu­en US-Prä­si­den­ten ver­un­si­chern die An­le­ger. Die US-Wäh­rung steht un­ter Druck, und auch die Wert­schrif­ten­märk­te ver­lie­ren an Mo­men­tum. Da­von be­trof­fen sind auch die In­dus­trie­me­tal­le, die auf brei­ter Front Wo­chen­ver­lus­te auf­wei­sen.

We­ni­ger ein­heit­lich ist der Kurs­ver­lauf bei den Ge­nuss­mit­teln. Wäh­rend sich bei Zu­cker­fu­tures der dra­ma­ti­sche Preis­zer­fall wei­ter fort­setzt, ver­moch­ten sich die Ka­kao­prei­se zu er­ho­len. New Yor­ker Fu­tures auf Roh­zu­cker ha­ben in den letz­ten zwei Wo­chen 16% an Wert ein­ge­büsst. Der Kurs­ver­lust der letz­ten drei Mo­na­te be­trägt gar 30%. Roh­zu­cker ist mit we­ni­ger als 14 US-Cent pro Pfund so bil­lig wie zu­letzt im ers­ten Quar­tal 2016. Weiss­zu­cker, des­sen Fu­tures an der Lon­do­ner ICE ge­han­delt wer­den, kos­ten noch gut 400 $ pro Ton­ne, nach­dem im Fe­bru­ar noch mehr als 560 $ pro Ton­ne ge­löst wor­den wa­ren. Grosse Ern­ten in Bra­si­li­en und gu­te Aus­sich­ten in Eu­ro­pa sind für den Preis­zer­fall ver­ant­wort­lich. Die­ser wur­de zu­letzt durch Po­si­ti­ons­li­qui­da­tio­nen der gros­sen Hedge Funds ver­stärkt. Aus heu­ti­ger Sicht ist Zu­cker stark über­ver­kauft, so­dass es wohl nur we­nig kurs­stüt­zen­de Fak­to­ren braucht, um ei­ne tech­ni­sche Kor­rek­tur aus­zu­lö­sen. Als gu­tes Bei­spiel da­für dient Ka­kao, wo eben­falls nach ei­ner lan­gen Bais­se ei­ne ein­drück­li­che Er­ho­lung zu be­ob­ach­ten sind.

Die Ge­trei­de- und Öl­saa­ten­märk­te sind wei­ter rück­läu­fig. Die Mais­aus­saat ist in den USA na­he­zu ab­ge­schlos­sen und der An­bau­fort­schritt von So­ja liegt mit 83% leicht über dem Fünf­jah­res­durch­schnitt. Die süd­ame­ri­ka­ni­schen Mais- und So­ja­ern­ten wer­den wei­ter nach oben re­vi­diert, und die wich­ti­gen Wei­zen­an­bau­ge­bie­te Eu­ro­pas, die zu­letzt un­ter Nie­der­schlags­man­gel lit­ten, wur­den in den letz­ten Ta­gen durch Re­gen be­güns­tigt. Am US-Fu­tures-Markt bau­en Hedge Funds ih­re Leer­ver­käu­fe wei­ter aus. Bei all die­sen ne­ga­ti­ven Fak­to­ren darf nicht ver­ges­sen wer­den, dass die wich­ti­gen Wachs­tums­pha­sen der neu­en Ern­ten noch be­vor­ste­hen. Un­güns­ti­ges Wet­ter könn­te das Bild schlag­ar­tig än­dern.

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