Pal­la­di­um­preis holt auf

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - CARS­TEN FRITSCH,

Preis­dif­fe­renz zwi­schen Pal­la­di­um und Pla­tin ist so nied­rig wie 2002.

Nor­ma­ler­wei­se kor­re­lie­ren die Prei­se von Pla­tin und Pal­la­di­um eng we­gen der häu­fig ge­mein­sam an­fal­len­den Pro­duk­ti­on und der Ver­wen­dung bei­der Edel­me­tal­le in Au­to­ka­ta­ly­sa­to­ren. Nicht je­doch in die­sem Jahr. Die Prei­se be­we­gen sich statt­des­sen un­ge­wöhn­lich häu­fig ent­ge­gen­ge­setzt. Der Pal­la­di­um­preis stieg am Don­ners­tag um bis zu 6% und er­reich­te mit mehr als 900 $ je Fein­un­ze das höchs­te Ni­veau seit sech­zehn Jah­ren. Seit Jah­res­be­ginn liegt Pal­la­di­um gut 30% im Plus. Pla­tin hat sich im sel­ben Zei­t­raum da­ge­gen nur um 5% ver­teu­ert. Die Preis­dif­fe­renz zwi­schen Pla­tin und Pal­la­di­um ist auf we­ni­ger als 40 $ je Fein­un­ze ge­schrumpft und ist da­mit so nied­rig wie zu­letzt An­fang 2002.

Die di­ver­gie­ren­de Preis­ent­wick­lung von Pla­tin und Pal­la­di­um lässt sich mit den un­ter­schied­li­chen Pro­gno­sen für die je­wei­li­gen Markt­bi­lan­zen er­klä­ren. Der welt­gröss­te Plat­in­ver­ar­bei­ter John­son Mat­t­hey mit Sitz in Gross­bri­tan­ni­en er­war­tet für 2017 in Pal­la­di­um ein be­trächt­li­ches An­ge­bots­de­fi­zit von 792 000 Un­zen. Der Pla­tin­markt soll da­ge­gen zum ers­ten Mal seit sechs Jah­ren wie­der ei­nen glo­ba­len An­ge­bots­über­schuss auf­wei­sen, der mit 302 000 Un­zen zu­dem dürf­te.

Die Ein­schät­zun­gen zu Pla­tin und Pal­la­di­um un­ter­schei­den sich vor al­lem in der er­war­te­ten Ent­wick­lung der Nach­fra­ge aus der Au­to­mo­bil­in­dus­trie. Sie wird bei Pla­tin ne­ga­tiv, bei Pal­la­di­um da­ge­gen po­si­tiv ein­ge­schätzt. John­son Mat­t­hey ver­weist auf die schritt­wei­se Ein­füh­rung neu­er Ab­gas­nor­men in Eu­ro­pa, die mit ei­nem ge­rin­ge­ren Pla­t­in­be­darf in Ka­ta­ly­sa­to­ren bei Die­sel­per­so­nen­wa­gen ein­her­geht. Zu­dem wer­den in Eu­ro­pa we­gen der Ve­r­un­si­che­rung über mög­li­che Fahr­ver­bo­te in In­nen­städ­ten und we­gen der ge­sun­ke­nen Kraft­stoff­prei­se, die das Ver­kaufs­ar­gu­ment der hö­he­ren Kraft­stoff­ef­fi­zi­enz un­ter­gra­ben, re­la­tiv we­ni­ger Die­sel­au­tos ver­kauft. Der An­teil der Die­sel­fahr­zeu­ge an den Neu­zu­las­sun­gen rutsch­te von Spit­zen­wer­ten von mehr als 55% im Jahr 2011 zu­letzt un­ter 50%.

An­ders als bei Pla­tin ha­ben die ak­tu­el­len Ab­gas­nor­men in Eu­ro­pa kei­ne dämp­fen­den Aus­wir­kun­gen auf den Pal­la­di­um­be­darf in Ka­ta­ly­sa­to­ren. Die be­vor­ste­hen­den neu­en Ab­gas­vor­schrif­ten dürf­ten laut John­son Mat­t­hey so­gar zu ei­nem hö­he­ren Pal­la­di­um­be­darf füh­ren. Den­noch trü­ben sich auch die Nach­fra­ge­aus­sich­ten für Pal­la- recht gross aus­fal­len di­um ein. Denn die zu­letzt rück­läu­fi­gen Ver­kaufs­zah­len in den bei­den wich­tigs­ten Au­to­ab­satz­märk­ten USA und China deu­ten auf ei­ne Ab­küh­lung der Nach­fra­ge nach Au­tos hin. In den USA war der Ab­satz­boom in den letz­ten Jah­ren stark kre­dit­ge­trie­ben, was nun bei hö­he­rer Ver­schul­dung und stei­gen­den Zin­sen für Ge­gen­wind sorgt. In China wirkt sich die Re­du­zie­rung der Steu­er­an­rei­ze zum Kauf von Au­tos jetzt of­fen­bar doch auf die Ab­satz­zah­len aus. Aus­ser­halb der Au­to­in­dus­trie gibt es kaum ei­ne Bran­che, die die Nach­fra­ge­schwä­che nach den Me­tal­len ab­fe­dern könn­te.

Dass An­le­ger in Scha­ren in bör­sen­ge­han­del­te Fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) zu­rück­keh­ren, ist kaum vor­stell­bar, wenn sie schon beim ge­gen­wär­ti­gen Preis­an­stieg und trotz des pro­gnos­ti­zier­ten ho­hen An­ge­bots­de­fi­zits auf der Ver­käu­fer­sei­te stan­den. Zwar könn­te von der In­vest­ment­nach­fra­ge den­noch ein po­si­ti­ver Im­puls aus­ge­hen, al­ler­dings nur, weil sie nicht mehr ganz so ne­ga­tiv aus­fal­len dürf­te wie im ver­gan­ge­nen Jahr. Der star­ke Preis­an­stieg in Pal­la­di­um wird sich da­her vor­aus­sicht­lich als über­trie­ben her­aus­stel­len.

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