Kreuz

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Das ist das neu auf­ge­bau­te Ber­li­ner Stadt­schloss, ei­ne At­trap­pe, die Hum­bold­tfo­rum heis­sen und der Kunst als Heim­statt die­nen wird (die Ho­hen­zol­lern ha­ben kei­ne An­sprü­che mehr). Fehlt nur noch der krö­nen­de Ab­schluss: das Kreuz auf der Kup­pel. Man­che wol­len aber kei­nes – wo sich doch

Deutsch­land ge­ra­de eben, end­lich, von sei­ner Her­kunft, sei­nen Wur­zeln, sei­ner Kul­tur lö­se, er­lö­se. Es han­delt sich, wohl­ver­stan­den, nicht et­wa um ein Ha­ken­kreuz, das für­wahr ex­or­ziert ge­hör­te, son­dern um ein christ­li­ches. So ei­nes wie auf dem Bun­des­haus zu Bern. Aus al­pi­ner Aus­sen­sicht be­frem­det es, dass der­lei ernst­haft An­lass bie­ten kann für Schü­be po­li­ti­scher Kor­rekt­heit, auch be­kannt als «Mor­bus 68». Das Pro­blem der Wil­hel­mi­ni­den war ja we­ni­ger ihr Evan­ge­li­sa- ti­ons­ei­fer als ih­re Welt­mach­tal­lü­ren; ab und zu ein Blick auf das Sym­bol von Gol­ga­tha auf dem Haus­dach hät­te ge­ra­de nicht ge­scha­det. 1950 liess die DDR-Re­gie­rung die Res­te des aus­ge­brann­ten Stadt­schlos­ses be­sei­ti­gen, spä­ter ent­stand dort, ge­ziert mit Ham­mer und Zir­kel, der «Pa­last der Re­pu­blik». Die­ser Glas­kas­ten, As­best ent­hal­tend, wur­de im ver­ein­ten Deutsch­land ent­sorgt; nun wächst da­selbst das Hum­boldt-Ka­s­tell her­an. Es ist ein Kreuz mit die­ser Im­mo­bi­lie.

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