Chan­ce

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

Von «Eu­ro­pho­rie» ist we­nig zu spü­ren. Von Eu­ro­pho­bie noch we­ni­ger. In den Kern­län­dern der Eu­ro­päi­schen Uni­on und so­mit der Eu­ro­zo­ne gibt es, zu­min­dest, kei­ne Mehr­hei­ten ge­gen das In­te­gra­ti­ons­pro­jekt ins­ge­samt und die Ein­heits­wäh­rung im Be­son­de­ren.

Em­ma­nu­el Ma­cron hat sich im Wahl­kampf un­miss­ver­ständ­lich als «Eu­ro­pä­er» prä­sen­tiert und klar ge­won­nen. In Deutsch­land wird im Sep­tem­ber wohl Kanz­le­rin Mer­kel sie­gen; ihr Ge­gen­kan­di­dat Schulz wä­re min­des­tens so eu­ro­pa­freund­lich, und die eu­ro­pa­skep­ti­sche AfD dürf­te pro­zen­tu­al ein­stel­lig ab­schnei­den. In Ita­li­en ha­ben die «Gril­li­ni» in den Kom­mu­nal­wah­len schlecht ab­ge­schnit­ten – spä­tes­tens im nächs­ten Früh­jahr wird na­tio­nal ge­wählt. In Ös­ter­reich ist es im Ok­to­ber so weit: Die ÖVP un­ter Jung­star Se­bas­ti­an Kurz liegt in den Mei­nungs­um­fra­gen vor der rech­ten FPÖ von Heinz-Chris­ti­an Stra­che. Al­les in But­ter al­so? Bes­ten­falls dann, wenn die Spit­zen­po­li­ti­ker die Kon­struk­ti­ons­feh­ler des Eu­ros be­he­ben. Ein tü­cki­sches Ge­schäft. Deutsch­land hat mit Grund Hem­mun­gen, mit Frank­reich und den an­de­ren la­tei­ni­schen Län­dern ei­nen «Grand Bar­gain» ein­zu­ge­hen: Ber­lin will, zu Recht, nicht für man­gel­haf­te Haus­halts­dis­zi­plin an­de­rer haf­ten. Dar­um die küh­le Re­ak­ti­on auf fran­zö­si­sche Ide­en wie EU-Bud­get und -Fi­nanz­mi­nis­ter.

Des­halb muss Prä­si­dent Ma­cron den ers­ten Zug ma­chen: zu Hau­se über­zeu­gen­de Re­for­men durch­set­zen, um ge­gen­über dem Kanz­ler­amt ver­hand­lungs­fä­hig zu wer­den. Da­nach müss­ten die Deut­schen ein durch­dach­tes Ent­ge­gen­kom­men zei­gen. Und: Soll­ten grös­se­re Eu­roRe­for­men ge­lin­gen, wä­re es rat­sam, sie de­mo­kra­tisch so­li­de zu un­ter­mau­ern. Die Chan­ce da­zu be­steht of­fen­kun­dig. Es mag zwar we­ni­ger stra­pa­zi­ös sein, am der­zeit halb­wegs ru­hi­gen Sta­tus quo fest­zu­hal­ten, doch auf die Dau­er ist das ge­fähr­lich.

Res­sort­lei­ter zum The­ma Eu­ro- Re­form

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