Gold glänzt auch 2017

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WOLF­GANG VON HESSLING

Sin­ken­de An­lei­hen­ren­di­ten be­güns­ti­gen hö­he­ren Gold­preis.

Der Gold­preis steht auch die­ses Jahr im Fo­kus des An­le­ger­inter­es­ses, nach­dem die In­ves­to­ren be­reits 2016 ei­nen recht wil­den Ritt durch­ma­chen muss­ten. Das gel­be Me­tall konn­te bis No­vem­ber 2016 in ei­nem Um­feld sin­ken­der Zin­sen und po­li­ti­scher Un­si­cher­heit zeit­wei­se um bis zu 30% auf über 1350 $/Un­ze zu­le­gen, be­vor der Aus­gang der US-Wahl den Gold­an­le­gern ein teu­res Jah­res­en­de be­scher­te. Im Zug der an­fäng­li­chen Eu­pho­rie über Trumps an­ge­dach­tes Sti­mu­lus- und Steu­er­sen­kungs­pro­gramm gab Gold auf­grund stei­gen­der Zin­sen und des er­star­ken­den Dol­lars ei­nen Gross­teil der Ge­win­ne ab und schloss En­de 2016 bei 1125 $. Kurz nach­dem der Gold­preis die­ses Zwi­schen­tief zum Jah­res­wech­sel er­reicht hat­te, mach­te sich ins­be­son­de­re an den für Gold mass­geb­li­chen Zins- und Wäh­rungs­märk­ten je­doch Er­nüch­te­rung breit. Da die po­li­ti­sche Un­si­cher­heit um die US-Re­gie­rung und de­ren Fä­hig­keit zur Um­set­zung ih­rer Vor­ha­ben ste­tig zu­nahm, ga­ben die Ren­di­ten von zehn­jäh­ri­gen US-Staats­an­lei­hen von ih­rem Hoch bei 2,6% fast ei­nen hal­ben Pro­zent­punkt auf 2,1% nach, und der Dol­lar­index, der den Wert des Dol­lars ge­gen­über ei­nem Wäh­rungs­korb misst, fiel et­wa 5%. Das ver­half dem Gold­preis in der ers­ten Jah­res­hälf­te zu ei­nem kräf­ti­gen An­stieg von 13% auf knapp un­ter 1300 $, be­vor er im Ver­lauf der ver­gan­ge­nen zwei Wo­chen auf ein Ni­veau von 1255 $ kon­so­li­dier­te.

Ein we­sent­li­cher Trei­ber der Gold­preis­schwä­che En­de 2016 wa­ren die über­zo­ge­nen Wachs­tums- und Zins­er­war­tun­gen im Nach­gang der US-Wahl. Die US­Re­gie­rung steht we­gen des Vor­wurfs rus­si­scher Ein­mi­schung in die Wah­len so­wie Kor­rup­ti­on un­ter Druck, was das po­li­ti­sche Ka­pi­tal des Prä­si­den­ten und sei­ne Fä­hig­keit schmä­lert, die not­wen­di­ge par­tei­über­grei­fen­de Un­ter­stüt­zung für die Um­set­zung um­fang­rei­cher Re­form­pro­jek­te zu er­hal­ten. Die ent­täu­schen­de Er­folgs­quo­te der Trump’schen Vor­ha­ben zeigt deut­lich, dass die US-Po­li­tik das an­sons­ten so­li­de Wirt­schafts­wachs­tum wohl nur be­grenzt be­feu­ern wird. Da­mit schei­nen die eu­pho­ri­schen Wachs­tums- und Zins­er­war­tun­gen zu­nächst vom Tisch zu sein, was das Ab­wärts­ri­si­ko für den Gold­preis der­zeit be­grenzt.

Trotz der be­acht­li­chen Gold­ral­ly seit Jah­res­be­ginn ist der Aus­blick auch für die zwei­te Jah­res­hälf­te durch­aus er­freu­lich. Ob- wohl die US-No­ten­bank zwar kon­ti­nu­ier­lich auf ih­rem Zins­er­hö­hungs­pfad vor­an­schrei­tet, soll­te dies den Gold­preis nicht son­der­lich be­las­ten, da die­ser Pfad wohl we­ni­ger steil sein wird als En­de 2016 noch an­ge­nom­men. Trotz der Fed-Zins­er­hö­hung bleibt die glo­ba­le Geld­po­li­tik im­mer noch ex­trem ex­pan­siv, was das Zins­ni­veau nach un­ten drückt, aber gleich­zei­tig die In­fla­ti­on an­kur­belt. Die Aus­sicht auf sta­gnie­ren­de oder so­gar leicht fal­len­de Re­al­ren­di­ten bie­tet ein idea­les Um­feld für stei­gen­de Gold­prei­se, da da­mit die Op­por­tu­ni­täts­kos­ten für das Hal­ten von Gold­po­si­tio­nen sin­ken. Zu­dem soll­te auch das er­höh­te geo­po­li­ti­sche Ri­si­ko die Gold­nach­fra­ge be­feu­ern. Durch das ak­ti­ve und im­pul­si­ve Vor­ge­hen der neu­en US-Re­gie­rung in den glo­ba­len Kon­flikt­her­den Sy­ri­en und Nord­ko­rea ist das Ri­si­ko ei­ner Es­ka­la­ti­on deut­lich ge­stie­gen, wo­von Gold als «si­che­rer Ha­fen» pro­fi­tie­ren dürf­te. Zu­dem soll­te Gold ne­ben dem po­si­ti­ven Aus­blick für sei­ne Preis­ent­wick­lung auch auf­grund sei­ner her­vor­ra­gen­den Ei­gen­schaf­ten im Rah­men der Port­fo­li­o­di­ver­si­fi­ka­ti­on ge­fragt blei­ben.

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