He­te­ro­ge­ne Geld­po­li­tik

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALESSANDRO FEZZI,

Das Fed er­höht – SNB, BoJ und (auch noch) die BoE hal­ten Kurs.

Nach dem drit­ten Zins­schritt im lau­fen­den Zy­klus hat die US-No­ten­bank (Fed) klar­ge­stellt, dass sie trotz ei­ni­ger ent­täu­schen­der Kon­junk­tur­si­gna­le in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit ge­willt sei, die Nor­ma­li­sie­rung ih­rer Geld­po­li­tik wei­ter vor­an­zu­trei­ben. Die No­ten­bank­spit­ze blickt op­ti­mis­ti­sche­ren Kon­junk­tur­ent­wick­lun­gen ent­ge­gen und könn­te da­her die Leit­zin­sen im Lau­fe die­ses Jah­res noch min­des­tens ein­mal er­hö­hen.

«Schritt­wei­se Er­hö­hun­gen» der Zin­sen sei­en wei­ter­hin er­for­der­lich, gibt das Fed zu ver­ste­hen. Un­klar bleibt, in­wie­weit die von US-Prä­si­dent Do­nald Trump in Aus­sicht ge­stell­ten Kon­junk­tur­in­ves­ti­tio­nen und Steu­er­re­form den Kurs des Fed be­ein­flus­sen wür­den. Der Dol­lar hat von der jüngs­ten Aus­wei­tung der Zins­span­ne nicht nach­hal­tig pro­fi­tiert. An den Ak­ti­en­bör­sen ist der Ton an­ge­sichts po­li­ti­scher Ri­si­ken ( Trump, Br­ex­it, Nord­ko­rea oder Ka­tar) zu­rück­hal­tend ge­blie­ben.

An der Wall­s­treet stan­den ver­gan­ge­ne Wo­che be­son­ders die Tech­no­lo­gie­ti­tel im Fo­kus, die sich vom Kurs­sturz in der Vor­wo­che nur ge­ring­fü­gig er­ho­len konn­ten. Hin­ter­grund des Ein­bruchs: Gold­man Sachs hat­te da­vor ge­warnt, dass ei­ni­ge Tech-Schwer­ge­wich­te in­zwi­schen über­be­wer­tet sei­en, was zu Ge­winn­mit­nah­men führ­te.

Un­ver­än­dert ex­pan­siv

Ja­pans No­ten­bank (BoJ) hielt wie er­war­tet an ih­rer Po­li­tik des lo­cke­ren Gel­des fest. Gleich­zei­tig si­gna­li­sier­te sie ihr Ver­trau­en in die zu­neh­men­de wirt­schaft­li­che Er­ho­lung, so­wohl in Ja­pan als auch glo­bal. Auch die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) be­liess ih­re Geld­po­li­tik un­ver­än­dert ex­pan­siv.

Den Fran­ken be­ur­teilt die Na­tio­nal­bank nach wie vor als deut­lich über­be­wer­tet. Sie bleibt bei Be­darf am Devisenmarkt ak­tiv. Wie die BoJ geht auch die SNB in ih­rem Ba­sis­sze­na­rio für die Welt­wirt­schaft da­von aus, dass sich die güns­ti­ge Kon­junk­tur­ent­wick­lung fort­setzt. Die­se vor­sich­tig op­ti­mis­ti­sche Hoff­nung sei je­doch auch wei­ter­hin von be­deu­ten­den Ab­wärts­ri­si­ken be­trof­fen. Das sei auf po­li­ti­sche Un­si­cher­hei­ten so­wie struk­tu­rel­le Pro­ble­me in ver­schie­de­nen In­dus­trie­län­dern zu­rück­zu­füh­ren.

Die Bank von En­g­land (BoE) hält zwar wei­ter­hin an ih­rer ex­pan­si­ven geld­po­li­ti­schen Aus­rich­tung fest. Es meh­ren sich je­doch Stim­men in der Zen­tral­bank­spit­ze, die ei­ne bal­di­ge Zins­wen­de be­für­wor­ten. So fiel der Ent­scheid, die Leit­zin­sen vor­erst un­ver­än­dert auf Re­kord­tief zu hal­ten, mit ei­ner knap­pen Mehr­heit von fünf zu drei Stim­men. Die von No­ten­bank­chef Mark Car­ney an­ge­führ­te Mehr­heit be­grün­de­te ih­ren Ent­scheid mit der Un­si­cher­heit über die Wachs­tums­aus­sich­ten der bri­ti­schen Wirt­schaft nach der Wahl­schlap­pe von Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May und den be­gin­nen­den Br­ex­it-Ver­hand­lun­gen.

Ge­duld lässt nach

Die «Fal­ken» be­ton­ten je­doch, dass die Ge­duld mit Be­zug auf ei­ne Zins­wen­de an­ge­sichts ei­ner an­zie­hen­den In­fla­ti­on nach­las­se. Im Mai er­reich­te die bri­ti­sche Teue­rung mit 2,9% Zu­wachs im Jah­res­ver­gleich den höchs­ten Stand seit Mit­te 2013.

Ei­ni­ge Rats­mit­glie­der warn­ten, dass die In­fla­ti­on im Herbst be­reits die Schwel­le von 3% über­schrei­ten könn­te. Das Pfund pro­fi­tier­te kurz­fris­tig von der hö­he­ren Wahr­schein­lich­keit stei­gen­der Zin­sen und konn­te sich vom Kurs­sturz nach dem über­ra­schen­den Wahl­aus­gang am 9. Ju­ni wie­der et­was er­ho­len.

Ein deut­li­cher Rück­gang der In­fla­ti­ons­ra­ten in den drei grössten Eu­rolän­dern könn­te den Druck auf die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) ver­rin­gern, ih­ren ex­trem ex­pan­si­ven geld­po­li­ti­schen Kurs bald zu be­en­den. Vor al­lem EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi hat­te mehr­fach be­tont, es sei noch zu früh, um die Zins­wen­de ein­zu­läu­ten.

Be­trug in der Eu­ro­zo­ne die In­fla­ti­on im Mai noch 1,4% ver­gli­chen mit 1,9% im April, so blieb die Kern­teu­e­rung mit 0,9% wei­ter­hin mo­de­rat. In Deutsch­land fiel die Wach­tums­ra­te der Ver­brau­cher­prei­se auf den nied­rigs­ten Stand seit No­vem­ber 2016. Auch in Frank­reich und Ita­li­en hat sich die In­fla­ti­on im ver­gan­ge­nen Mo­nat klar ab­ge­schwächt.

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