Öl­baisse setzt sich fort

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WAL­TER SCHNEI­DER

Brent­preis fällt un­ter 47$. Gros­se Preis­aus­schlä­ge am Agrar­markt.

Die Ent­wick­lung der Roh­stoff­kur­se ver­lief in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ner­vös und un­ein­heit­lich. Wäh­rend die Agrar­märk­te von Wet­ter­pro­gno­sen ge­trie­ben wer­den, hält die Bais­se an den Erd­öl­märk­ten an.

Die ne­ga­ti­ve Stim­mung setzt sich bei Roh­öl beid­seits des At­lan­tiks fort. Fu­tures auf Nord­see­öl der Sor­te Brent sind mit No­tie­run­gen von we­ni­ger als 47 $/Fass so bil­lig wie zu­letzt im No­vem­ber, be­vor die Or­ga­ni­sa­ti­on erd­öl­ex­por­tie­ren­der Staa­ten (Opec) För­der­be­schrän­kun­gen in Kraft setz­te. Auch ame­ri­ka­ni­sches Öl der Sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te ( WTI) han­delt mit Kur­sen um 44 $/Fass auf ei­nem Mehr­mo­nat­s­tief. Der An­ge­bots­über­hang, der für die Preis­schwä­che ver­ant­wort­lich ist, stammt zum ei­nen von den gros­sen La­ger­be­stän­den aus der Zeit vor dem Opec-För­der­ab­kom­men und zum an­de­ren aus Nord­ame­ri­ka, wo die Zahl ak­ti­ver Bohr­stel­len wei­ter­hin wächst. Kommt hin­zu, dass die sin­ken­den Öl­prei­se vie­le spe­ku­la­ti­ve An­le­ger in Be­dräng­nis brin­gen. Ge­mäss jüngs­tem Be­richt der Bör­sen­auf­sicht CFTC ha­ben die Hedge Funds zu­letzt im gros­sen Stil Po­si­tio­nen li­qui­diert. Zu­sam­men mit den Aus­sa­gen des sau­di­schen Öl­mi­nis­ters Kha­lid al-Fa­lih, der noch im­mer an die er­folg­rei­che Um­set­zung des För­der­ab­kom­mens glaubt, aber gleich­zei­tig Ge­duld for­dert, könn­te das am Öl­markt dem­nächst für ei­ne Ge­gen­be­we­gung sor­gen.

Gros­se Preis­aus­schlä­ge sind mo­men­tan an den Agrar­märk­ten zu be­ob­ach­ten. Bei Ge­trei­de ste­hen da­bei die Wet­ter­pro­gno­sen im Vor­der­grund. Wäh­rend sich Mais und So­ja in den USA eher durch­schnitt­lich ent­wi­ckeln und die Fu­tures­no­tie­run­gen nach dem schnel­len An­stieg von En­de Mai mo­men­tan kon­so­li­die­ren, sieht die Si­tua­ti­on bei Wei­zen un­güns­ti­ger aus. Der für ho­hen Pro­t­e­in­ge­halt be­kann­te ame­ri­ka­ni­sche Som­mer­wei­zen lei­det un­ter Tro­cken­heit und auch der Zu­stand des Win­ter­wei­zens lässt in den USA zu wün­schen üb­rig. Dies sorgt am Markt für Ner­vo­si­tät. In Chi­ca­go leg­ten die Wei­zen-Fu­tures im Wo­chen­ver­gleich rund 7% zu und sind so teu­er wie zu­letzt vor Jah­res­frist. Noch ein­drück­li­cher ist die Kurs­ent­wick­lung bei Som­mer­wei­zen. Des­sen Fu­tures, die an der vo­lu­men­schwä­che­ren Ter­min­bör­se Min­nea­po­lis ko­tiert sind, sind seit En­de Mai über 20% ge­stie­gen. Spe­ku­la­ti­ve In­ves­to­ren sind an den US-Terminbörsen in der ver­gan­ge­nen Wo­che als Käu­fer auf­ge­tre­ten und ha­ben ih­re Short- po­si­tio­nen mar­kant re­du­ziert. Auch Eu­ro­pa lei­det bei Wei­zen in wich­ti­gen Re­gio­nen un­ter sub­op­ti­ma­len Be­din­gun­gen. In We­stund Sü­d­eu­ro­pa herrscht ei­ne Hit­ze­wel­le und in Russ­land ver­zö­gert sich die Weizen­ern­te we­gen star­ker Nie­der­schlä­ge im Früh­jahr. All dies wirkt sich auch auf die Kurs­ent­wick­lung an der Ter­min­bör­se Ma­tif aus. Mahl­wei­zen­fu­tures sind mit 180 €/Ton­ne so teu­er wie zu­letzt im No­vem­ber 2015 und auch Mais hat sich in den ver­gan­ge­nen Wo­chen mar­kant ver­teu­ert. Der Han­del geht da­von aus, dass die Ge­trei­de- und Öl­saa­ten­prei­se wei­ter­hin ei­ne Wet­ter­ri­si­ko­prä­mie be­inhal­ten wer­den, die sich je nach Pro­gno­se schnell in bei­de Rich­tun­gen ver­än­dern kann.

Bei Ka­kao kam es zu­letzt zu ei­nem Preis­ein­bruch. Aus­ge­löst durch Mel­dun­gen aus Gha­na, wo­nach die Er­trä­ge deut­lich über den Er­war­tun­gen lie­gen, sind die Ka­kao­prei­se seit ver­gan­ge­ner Wo­che mehr als 8% ge­fal­len. Von der Tat­sa­che, dass gleich­zei­tig im wich­tigs­ten Pro­du­zen­ten­land El­fen­bein­küs­te star­ke Nie­der­schlä­ge die Ka­kao­qua­li­tät schä­di­gen, wur­de am Markt vor­erst we­nig Kennt­nis ge­nom­men.

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