Gu­ter Start dank Ma­cron

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - PHIL­IPP SCHÖTTLER,

Vor al­lem IT-Wer­te er­ho­len sich, der Ener­gie­sek­tor bleibt schwach.

Der deut­li­che Wahl­sieg von Em­ma­nu­el Ma­crons Par­tei bei den Par­la­ments­wah­len in Frank­reich nährt die Hoff­nung auf drin­gend be­nö­tig­te Re­for­men und be­scher­te den Ak­ti­en­märk­ten ei­nen gu­ten Wo­chen­start. Der fran­zö­si­sche CAC40 stieg seit Mon­tag um 0,8%, der Eu­ro­s­to­xx 50 leg­te 0,7% zu und der SMI ge­wann 0,8%. Auch die Zins­märk­te re­agier­ten auf das ge­sun­ke­ne po­li­ti­sche Ri­si­ko in der Re­gi­on. Der Ren­di­te­auf­schlag zehn­jäh­ri­ger fran­zö­si­scher Staats­an­lei­hen über deut­schen Bun­des­ob­li­ga­tio­nen schrumpf­te zu­letzt auf den tiefs­ten Stand seit No­vem­ber 2016. Die Ren­di­ten lie­gen der­zeit bei 0,6% und 0,3%.

An an­de­rer Front geht das po­li­ti­sche Tau­zie­hen ge­ra­de erst los: Am Mon­tag be­gan­nen of­fi­zi­ell die Br­ex­it-Ver­hand­lun­gen in Brüs­sel. Eher «pro-eu­ro­päi­sche» Wah­l­er­geb­nis­se so­wohl in Frank­reich als auch in Gross­bri­tan­ni­en ha­ben zu­letzt die Ver­hand­lungs­po­si­ti­on der Eu­ro­pä­er ge­stärkt. Ent­spre­chend gross scheint das Selbst­ver­trau­en der EU-Ver­tre­ter.

Schwa­ches Pfund

Das bri­ti­sche Pfund zeig­te sich zu Wo­chen­be­ginn dann auch eher schwach und ver­lor 1,2% ge­gen­über dem Dol­lar. Al­ler­dings wer­den sich die Ver­hand­lun­gen über min­des­tens zwei Jah­re hin­zie­hen – ei­ne klei­ne Ewig­keit für die Fi­nanz­märk­te.

In den USA zeig­ten sich zum Wo­chen­start vor al­lem IT-Wer­te stark und er­hol­ten sich vom Schwä­che­an­fall der letz­ten Wo­chen. Seit Mon­tag klet­ter­te der Tech­no­lo­gie-In­dex Nas­daq um 1,2%. Der brei­te­re S&P 500 leg­te 0,5% zu.

Be­tei­li­gun­gen an eher klei­nen Tech­no­lo­gie- und Me­di­en­fir­men blei­ben sehr be­gehrt, wie das Bei­spiel von Vice Me­dia ein­drucks­voll un­ter­streicht. Das Un- ter­neh­men ist spe­zia­li­siert auf On­li­ne-In­hal­te und Fern­seh­sen­dun­gen für ein jun­ges Pu­bli­kum und hat in den letz­ten Jah­ren pro­mi­nen­te In­ves­to­ren an­ge­lockt. So hal­ten et­wa Walt Dis­ney und 21st Cen­tu­ry Fox An­tei­le an dem Un­ter­neh­men. Die­se Wo­che hat sich der Pri­va­te-Equi­ty-Spe­zia­list TPG mit 450 Mio. $ an Vice be­tei­ligt. Der Fir­men­wert hat sich da­mit in den ver­gan­ge­nen drei Mo­na­ten auf 5,7 Mrd. $ ver­dop­pelt.

8% für 100 Jah­re

Vor 50 Jah­ren er­schien in Ar­gen­ti­ni­en ein Buch, das sei­nem ko­lum­bia­ni­schen Au­tor zu Welt­ruhm ver­hel­fen soll­te: «Hun­dert Jah­re Ein­sam­keit» von Ga­b­ri­el Gar­cía Már­quez. Ein hal­bes Jahr­hun­dert spä­ter ver­sucht sich das Land an ei­nem an­de­ren «Gross­pro­jekt»: Am Mon­tag brach­te Ar­gen­ti­ni­en ei­ne Dol­lar-An­lei­he mit 100-jäh­ri­ger Lauf­zeit an den Markt.

Vie­le An­le­ger freu­ten sich über das über­ra­schen­de An­ge­bot. Ar­gen­ti­ni­en war erst 2016 an den Ka­pi­tal­markt zu­rück­ge­kehrt, nach­dem man sich mit den letz­ten Gläu­bi­gern der Staats­plei­te von 2001 ge­ei­nigt hat­te. 2,75 Mrd. $ wur­den jetzt ein­ge­sam­melt – die Nach­fra­ge war al­ler­dings drei­mal so hoch. Der Cou­pon der 2117 fäl­li­gen An­lei­he liegt bei 71⁄ 8%. Bei ei­nem Aus­ga­be­preis von 90% liegt die Ren­di­te bei knapp 8%.

Auch in Chi­na zeig­te sich zu­letzt ein er­star­ken­der Op­ti­mis­mus der An­le­ger ge­gen­über Schwel­len­län­dern. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen spe­ku­lier­ten In­ves­to­ren dar­auf, dass der In­dex-An­bie­ter MSCI die lo­ka­len chi­ne­si­schen A-Ak­ti­en in sei­ne glo­ba­len In­di­zes auf­neh­men wür­de. Mehr als 3 Mrd. $ pump­ten aus­län­di­sche An­le­ger seit Mai in den Markt.

Auch ja­pa­ni­sche Wer­te star­te­ten gut in die Wo­che. Das Plus von 1,4% des Nik­kei war vor al­lem der er­neu­ten Yen­schwä­che zu ver­dan­ken, nach­dem die ja­pa­ni­sche Zen­tral­bank ih­re Geld­po­li­tik am Frei­tag un­ver­än­dert lo­cker be­liess.

Im Ge­gen­satz zur gu­ten Ak­ti­en­markt­ent­wick­lung setz­te der Öl­preis in den ver­gan­ge­nen Ta­gen sei­ne Tal­fahrt fort. Seit Wo­chen­be­ginn sank der Preis um fast 4% auf den tiefs­ten Stand seit über ei­nem Jahr. Vor al­lem die ra­san­te Zu­nah­me an Öl­boh­run­gen in den USA be­las­te­te. Seit 22 Wo­chen steigt die­se Zahl un­un­ter­bro­chen und lässt An­le­ger ei­nen an­hal­ten­den An­ge­bots­über­schuss be­fürch­ten. We­nig über­ra­schend ge­hör­te der Ener­gie­sek­tor am Di­ens­tag zu den schwächs­ten Ak­ti­en­sek­to­ren (–2,2% in den USA).

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