Mil­lio­nen­stra­fe für Hans Zieg­ler

Finanz und Wirtschaft - - N IM GROSSEN INTERVIEW - MD

Die Fin­ma hat in ei­nem Un­ter­su­chungs­ver­fah­ren ge­gen ei­ne Ein­zel­per­son In­si­der­ver­ge­hen fest­ge­stellt. Ge­mäss ei­ner Mit­tei­lung von Frei­tag ha­be der ehe­ma­li­ge Ver­wal­tungs­rat ver­schie­de­ner be­kann­ter Schwei­zer In­dus­trie­un­ter­neh­men zwi­schen 2013 und 2016 wie­der­holt und sys­te­ma­tisch In­si­der­infor­ma­tio­nen aus­ge­nutzt, um auf Kurs­ge­win­ne oder -ver­lus­te zu spe­ku­lie­ren. Als Stra­fe zieht die Be­hör­de un­recht­mäs­sig er­ziel­te Ge­win­ne von 1,4 Mio. Fr. ein.

Die Fin­ma nennt den Na­men der Person nicht. Wie «Fi­nanz und Wirt­schaft» je­doch aus ei­ner glaub­wür­di­gen Qu­el­le er­fah­ren hat, muss es sich da­bei um den 65-jäh­ri­gen frü­he­ren Pro­fi-Ver­wal­tungs­rat Hans Zieg­ler han­deln. Die Un­ter­su­chung ge­gen Zieg­ler war En­de No­vem­ber 2016 pu­blik ge­wor­den, als die Fin­ma den Sach­ver­halt der Bun­des­an­walt­schaft an­ge­zeigt hat­te. Hans Zieg­ler war in sei­ner Kar­rie­re als Ver­wal­tungs­rat und Sa­nie­rer in der Schweiz un­ter an­de­ren in den Auf­sichts­gre­mi­en von Vö­ge­le, Swiss­log, OC Oer­li­kon, Schmolz+Bi­cken­bach, El­ma, Com­plet-e und Sch­lat­ter tä­tig. Sein er­folg­lo­ser Ver­such, die Er­bG­rup­pe zu sa­nie­ren, mach­te ihn 2003 lan­des­weit be­kannt.

Sei­ne letz­ten VR-Mandate in der Schweiz hielt er bei OC Oer­li­kon und Schmolz+Bi­cken­bach. Aus die­sen schied Zieg­ler En­de No­vem­ber 2016 per so­fort aus, als die Un­ter­su­chung ge­gen ihn be­kannt wur­de. Auch den Auf­sichts­rat des deut­schen Ro­bo­ter­her­stel­lers Ku­ka, dem Mut­ter­haus von Swiss­log, ver­liess er An­fang De­zem­ber.

Er ha­be ge­mäss der Mel­dung der Fin­ma wie­der­holt die von den Un­ter­neh­men de­fi­nier­ten Han­dels­sperr­pe­ri­oden miss­ach­tet und ha­be es un­ter­las­sen, Ma­nage­ment-Trans­ak­tio­nen zu mel­den. Die In­si­der­käu­fe sei­en je­weils vor der Be­kannt­ga­be von Über­nah­men und po­si­ti­ven Ge­schäfts­er­geb­nis­sen, vor wich­ti­gen stra­te­gi­schen Ent­schei­den und auch vor Ver­käu­fen von Un­ter­neh­mens­tei­len ge­tä­tigt wor­den – dies, um spä­ter Ge­win­ne zu rea­li­sie­ren. Die Un­ter­su­chung der Fin­ma ha­be zu­dem zahl­rei­che Hin­wei­se ge­lie­fert, wo­nach er auch un­recht­mäs­sig In­si­der­infor­ma­tio­nen, die ihm aus sei­nem be­ruf­li­chen Netz­werk zu­ge­tra­gen wur­den, für be­trächt­li­che ei­ge­ne In­ves­ti­tio­nen aus­nutz­te.

Die Fin­ma stellt fest, dass er in elf Ein­zel­fäl­len bei sechs ver­schie­de­nen Ti­teln wie­der­holt und sys­te­ma­tisch ge­gen das auf­sichts­recht­li­che Ver­bot ver­stos­sen ha­be, In­si­der­infor­ma­tio­nen zu nut­zen. Um wel­che Un­ter­neh­men es sich ge­nau han­del­te, gibt die Be­hör­de nicht be­kannt.

Zieg­ler hat am Frei­tag An­fra­gen von «Fi­nanz und Wirt­schaft» für ei­ne Stel­lung­nah­me nicht be­ant­wor­tet.

In­si­der­han­del, ein Straf­de­likt, ist in Art. 154 des Bun­des­ge­set­zes über die Fi­nanz­markt­in­fra­struk­tu­ren und das Markt­ver­hal­ten im Ef­fek­ten- und De­ri­va­te­han­del (Fin­fraG) ge­re­gelt. Das Ge­setz sieht für In­si­der­ver­ge­hen Frei­heits­stra­fen von bis zu fünf Jah­ren oder Geld­bus­sen vor. Das Straf­ver­fah­ren der Bun­des­an­walt­schaft läuft noch. Soll­te es nach Ab­schluss des Straf­ver­fah­rens zu Ge­winn­ein­zie­hun­gen kom­men, ge­hen die­se vor. In ei­nem an­de­ren Ver­fah­ren hat die Fin­ma zu­dem den Fall ei­ner klei­nen Ef­fek­ten­händ­le­rin auf­ge­deckt, die wie­der­holt und sys­te­ma­tisch Markt­ma­ni­pu­la­ti­on be­trie­ben hat. Die aus drei Händ­lern be­ste­hen­de Ge­sell­schaft ha­be zwi­schen 2011 und 2015 den Bör­sen­kurs von zahl­rei­chen Schwei­zer Blue-Chip-Ak­ti­en ma­ni­pu­liert, in­dem sie ei­ne Viel­zahl von gros­sen Auf­trä­gen im Or­der­buch er­fasst ha­be.

Die Ein­ga­be der Auf­trä­ge dien­te bloss da­zu, den An­schein von Markt­ak­ti­vi­tät zu er­we­cken und die Kur­se zu ver­zer­ren. Das ha­be die Ge­sell­schaft aus­ge­nutzt, um mit De­ri­va­ten an den Kurs­be­we­gun­gen zu par­ti­zi­pie­ren. Da­nach sei­en die Auf­trä­ge je­weils wie­der ge­löscht wor­den.

Die Ge­sell­schaft wur­de be­reits 2015 auf Ge­heiss der Fin­ma li­qui­diert. Ge­gen die Ver­ant­wort­li­chen hat die Fin­ma nun Be­rufs- und Tä­tig­keits­ver­bo­te von vier bis acht Jah­ren ver­hängt. Nach der Li­qui­da­ti­on der Ge­sell­schaft wer­den un­recht­mäs­sig er­ziel­te Ge­win­ne ein­ge­zo­gen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.