No­var­tis über­rascht mit Herz­prä­pa­rat

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Die Ak­ti­en von No­var­tis sind nach den Ti­teln von Ro­che der­zeit nur zwei­te Wahl. Den Phar­ma­kon­zern pla­gen di­ver­se, zum Teil haus­ge­mach­te Pro­ble­me. Das Ma­nage­ment steht un­ter Druck zu lie­fern. Ab 2018 wer­de das Un­ter­neh­men dank neu­er Pro­duk­te in ei­ne neue, lang an­hal­ten­de Wachs­tum­s­ära tre­ten, sagt CEO Joe Ji­me­nez des­halb bei je­der Ge­le­gen­heit. Die Bas­ler dürf­ten am Don­ners­tag mit Ge­nuss pu­bli­ziert ha­ben, dass man in ei­ner zu­las­sungs­re­le­van­ten kli­ni­schen Stu­die be­wei­sen konn­te, dass das be­reits ge­gen die Stoff­wech­sel­krank­heit CAPS und ge­gen Gicht zu­ge­las­se­ne Mit­tel Ila­ris auch bei Herz­pa­ti­en­ten wir­ke.

Das be­deu­tet: Pa­ti­en­ten, die be­reits ei­nen Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall er­lit­ten ha­ben, ei­ne Ar­te­ri­en­ver­kal­kung in­fol­ge ei­ner Ent­zün­dung ha­ben und das ent­zün­dungs­hem­men­de Ila­ris in Kom­bi­na­ti­on mit dem bis­he­ri­gen Be­hand­lungs­stan­dard neh­men, ha­ben ein ge­rin­ge­res Ri­si­ko, er­neut ei­nen In­farkt oder Schlag­an­fall zu er­lei­den.

Mil­li­ar­den­po­ten­zi­al

Die Mel­dung kam über­ra­schend. Ana­lys­ten ga­ben Ila­ris bis­lang ei­ne ge­rin­ge Er­folgs­wahr­schein­lich­keit bei Herz­pa­ti­en­ten. Nur ei­ne Chan­ce von 10 bis 30% ge­stan­den sie dem Mit­tel zu. Bis­lang ge­lang es kei­nem Un­ter­neh­men, mit ei­nem ent­zün­dungs­hem­men­den Prä­pa­rat das Herz­in­farkt- oder Schlag­an­fall­ri­si­ko zu sen­ken. Die Ak­ti­en no­tie­ren im Wo­chen­ver­gleich rund 6% hö­her.

Das Po­ten­zi­al von Ila­ris im kar­dio­vas­ku­lä­ren Be­reich ist gross. No­var­tis sprach En­de Mai an ih­rem In­ves­to­ren­tag von 4 Mio. Pa­ti­en­ten, die für Ila­ris bei Er­folg in­fra­ge kom­men. Gleich­zei­tig prä­sen­tier­te sie das Prä­pa­rat auf ei­ner Lis­te von Wirk­stof­fen, die al­le zu Spit­zen­zei­ten po­ten­zi­ell mehr als 1 Mrd. $ Um­satz er­zie­len wer­den. Die Schät­zun­gen der Ana­lys­ten rei­chen von 1 Mrd. $ bis zum Vier­fa­chen die­ses Be­trags.

Die Dis­kre­panz in den Er­war­tun­gen liegt dar­an, dass die De­tail­da­ten noch nicht be­kannt sind. No­var­tis gab bis­lang nur be­kannt, dass Ila­ris wirkt. Wie stark sich das Ri­si­ko ver­min­dert, ei­nen neu­er­li­chen Herz­in­farkt oder Schlag­an­fall zu er­lei­den, wird der Phar­ma­kon­zern erst spä­ter – «an ei­nem kom­men­den Ärz­te­kon­gress» – be­kannt ge­ben. Ge­mäss den Ana­lys­ten des Bro­kers Be­ren­berg wur­de die Stu­die je­doch so auf­ge­setzt, dass ei­ne Re­duk­ti­on um 20% mög­lich ist. Sie hal­ten das für ein an­spruchs­vol­les Ziel.

Ein Wer­muts­trop­fen

Ein­zi­ger Wer­muts­trop­fen: Die Ana­lys­ten fra­gen sich, ob Ärz­te Ila­ris ih­ren Pa­ti­en­ten auch wirk­lich ver­schrei­ben wer­den. Da die Be­trof­fe­nen ei­ne durch Ent­zün­dun­gen ver­ur­sach­te Ar­te­ri­en­ver­kal­kung ha­ben müs­sen, müs­sen das die Prak­ti­ker zu­erst ein­mal fest­stel­len. Das ist je­doch nicht ganz tri­vi­al. Zu­dem sind den Kar­dio­lo­gen The­ra­pi­en, die auf Tests zur Eva­lu­ie­rung von Ent­zün­dun­gen ba­sie­ren, bis­lang fern.

No­var­tis sind mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis von 17 für 2017 be­wer­tet und lie­gen leicht über dem Bran­chen­schnitt. Je­doch sind die Er­war­tun­gen we­gen der jüngs­ten Ent­täu­schun­gen tief. Das birgt Raum für po­si­ti­ve Über­ra­schun­gen. Zu­dem dürf­te das Schlimms­te hin­ter dem Kon­zern lie­gen, wie das ers­te Quar­tal ge­zeigt hat.

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