Der Ab­spal­ter

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - HEL­MUT HETZEL

«Wird Frans van Hou­ten in ei­nem Jahr noch CEO von Phi­lips sein?» Die­se Fra­ge stellt die nie­der­län­di­sche Zei­tung «Al­ge­me­en Dag­b­lad», nach­dem die USGe­sell­schaft Third Point den nie­der­län­di­schen Tra­di­ti­ons­kon­zern ins Vi­sier ge­nom­men ha­ben soll. Doch Frans van Hou­ten re­agier­te bis­her nicht auf die an­geb­li­chen Ge­lüs­te, die der In­ves­tor rund um den Ge­sund­heits- und Elek­tro­nik­kon­zern ha­ben soll.

Statt­des­sen wur­de van Hou­ten selbst ak­tiv – in den USA. Dort kauf­te er ge­ra­de die Electri­cal Geo­de­sics für 33 Mio. €, die Ge­hirn­scan­ner für die Neu­ro­lo­gie her­stellt. Die Über­nah­me passt in das Pro­gramm «Glo­bal Ac­ce­le­ra­te», das François Adria­nus van Hou­ten – Ruf­na­me Frans – nach sei­nem An­tritt als CEO 2011 ein­ge­lei­tet hat. Der Kauf macht aber auch deut­lich, dass sich Phi­lips noch stär­ker als bis­her auf den Sek­tor me­di­zi­ni­sche Ge­rä­te und Sys­te­me fo­kus­sie­ren will, wo die Nie­der­län­der ne­ben Sie­mens und Ge­ne­ral Electric zu den drei welt­weit füh­ren­den An­bie­tern ge­hö­ren. Der Phi­lips-Mann mit Herz und Nie­ren hat nach sei­nem Stu­di­um des «Bu­si­ness Ma­nage­ment» an der Uni­ver­si­tät Rot­ter­dam 1986 im Phi­lips-Be­reich Ver­kauf und Mar­ke­ting sei­ne Kar­rie­re be­gon­nen. Seit­dem hat er vie­le Wei­chen völ­lig neu ge­stellt. Die wich­tigs­te Tat war wohl die Ab­spal­tung der Phi­lips Lichts­par­te, der Keim­zel­le des Un­ter­neh­mens. Der Bör­sen­gang 2016 war ein vol­ler Er­folg. Phi­lips hält noch 41%, will den An­teil aber wei­ter ab­bau­en.

Zwei wei­te­re wich­ti­ge Her­aus­for­de­run­gen kenn­zeich­nen die im­po­san­te Kar­rie­re des ver­hei­ra­te­ten und vier­fa­chen Fa­mi­li­en­va­ters. Zwi­schen 2004 und 2009 wur­de un­ter sei­ner Lei­tung die Phi­lips-Halb­lei­ter­spar­te ver­selb­stän­digt. Sie fir­miert als NXP Se­mi­con­duc­tors – Qual­comm ar­bei­tet der­zeit an ei­ner Über­nah­me – und war für van Hou­ten wohl der Pro­be­lauf für die Ver­selb­stän­di­gung von Phi­lips Light­ing. Wäh­rend der 31 Jah­re, in de­nen er nun für Phi­lips ar­bei­tet, mach­te er nur ei­nen ein­zi­gen Ab­ste­cher. Der führ­te ihn in die Fi­nanz­welt, wo er 2009/2010 die Auf­spal­tung des nie­der­län­di­schen Fi­nanz­kon­zerns ING über­nahm. So ver­wun­dert es nicht, wenn Third Point von Da­ni­el Lo­eb van Hou­ten da­zu be­we­gen will, ei­ne wei­te­re Ab­spal­tung zu rea­li­sie­ren – das Ge­schäft mit elek­tro­ni­schen Kon­sum­gü­tern. Soll­te die Toch­ter, die 1,7 Mrd. € um­setzt und Pro­duk­te vom Ra­sie­rer bis zu Kaf­fee­ma­schi­nen an­bie­tet, ver­kauft wer­den, wür­de Phi­lips zum rei­nen An­bie­ter von Ge­sund­heits­tech­no­lo­gie. Mög­li­cher­wei­se lei­tet Frans van Hou­ten den Ver­kauf tat­säch­lich ein. Er, der aus ei­ner ech­ten Phi­lips-Fa­mi­lie kommt – sein Va­ter ar­bei­te­te für den Kon­zern und sein äl­te­rer Bru­der Henk lei­tet die Phi­lips-Re­se­arch-Ab­tei­lung –, hät­te dann ei­ne völ­lig neue Phi­lips ge­schaf­fen.

Ganz los lässt van Hou­ten die eins­ti­gen Phi­lips-Töch­ter aber nicht. Zu­sam­men mit NXP und der frü­her eben­falls zu Phi­lips ge­hö­ren­den ASML grün­de­te van Hou­ten den «Brain­port», so et­was wie das High-Tech-Herz der Nie­der­lan­de. Van Hou­ten gilt als des­sen «God­fa­ther». In sei­ner Frei­zeit schlägt das Herz des Phi­lips-Man­nes für das Se­geln, das Ski-Fah­ren, ger­ne auch in der Schweiz, das Jog­gen, das Gärt­nern und die Kunst. Das bie­tet Ent­span­nung für das Ma­na­ger­le­ben, für das er zu­letzt mit 4,7 Mio. € ent­lohnt wur­de.

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