Por­tu­gal-An­lei­hen stra­fen Bond­bä­ren Lü­gen

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Por­tu­gie­si­sche Staats­an­lei­hen, so­ge­nann­te Ob­ri­ga­ções do Te­sou­ro (OT), ha­ben ei­ne be­weg­te Ver­gan­gen­heit. Wäh­rend der Eu­ro­schul­den­kri­se 2010 bis 2012 brach ihr Wert ein. Die Ren­di­ten der zehn­jäh­ri­gen Pa­pie­re klet­ter­ten über 12%. Die Ra­ting­agen­tu­ren senk­ten die Kre­dit­wür­dig­keit Por­tu­gals von AA auf Ram­schni­veau. Der Aus­ver­kauf war selbst mit dem 78 Mrd. € schwe­ren in­ter­na­tio­na­len Hilfs­pa­ket nicht zu brem­sen. Erst das Ver­spre­chen von EZB-Chef Ma­rio Draghi, al­les Nö­ti­ge zur Ret­tung des Eu­ros zu tun, ver­moch­te die Ab­wärts­spi­ra­le zu durch­bre­chen. Es folg­te ei­ne drei­jäh­ri­ge eu­ro­päi­sche An­lei­hen­hausse. An­fang 2015 fie­len die Lang­frist­zin­sen Por­tu­gals auf ein All­zeit­tief von 1,5%. Die Ner­vo­si­tät kehr­te zu­rück, als nach den Wah­len En­de 2015 die neue Links­re­gie­rung vom Aus­te­ri­täts­kurs ab­wich und an den Wirt­schafts­re­for­men der Vor­gän­ger­re­gie­rung rüt­tel­te. Im Zu­ge der Chi­na­pa­nik An­fang 2016 schos­sen auch die por­tu­gie­si­schen Ri­si­ko­auf­schlä­ge hoch. EU-Kom­mis­si­on und IWF rüg­ten Por­tu­gals man­geln­de Haus­halt­dis­zi­plin. Doch dann kam die Wen­de. Die­ses Jahr ge­hö­ren Por­tu­gal-An­lei­hen zu den Über­flie­gern am Bondmarkt. Wer im Fe­bru­ar zehn­jäh­ri­ge Ob­li­ga­tio­nen ge­kauft hat, er­ziel­te ei­ne Kurs­stei­ge­rung von 13% – nicht schlecht für Staats­an­lei­hen, die ei­gent­lich eher den Ruf ha­ben, ei­ne lang­wei­li­ge An­la­ge­klas­se zu sein. Die Ren­di­te ist von 4,2 un­ter 3% ge­fal­len. Grund für die gros­se Nach­fra­ge nach por­tu­gie­si­schen An­lei­hen sind über­ra­schend gu­te Kon­junk­tur- und De­fi­zit­zah­len so­wie die Aus­sicht auf ei­ne Her­auf­stu­fung durch die Ra­ting­agen­tu­ren.

Ei­ne Fra­ge treibt An­lei­hen­be­sit­zer um: Was pas­siert, wenn die EZB das An­lei­hen­kauf­pro­gramm zu­rück­fährt oder ganz ein­stellt? Stei­gen dann die Ren­di­ten? Laut ei­ner Analyse von Bar­clays be­steht kein Grund, ein sol­ches Ta­pe­ring, al­so die Re­duk­ti­on der An­lei­hen­käu­fe, zu fürch­ten. Denn für die Län­der der Eu­ro­pe­ri­phe­rie hat es längst be­gon­nen. Die EZB kauft seit gut ei­nem Jahr we­ni­ger An­lei­hen, als der Ka­pi­tal­schlüs­sel vor­sieht, da sie die von ihr vor­ge­ge­be­ne Ober­gren­ze be­reits er­reicht hat. Den por­tu­gie­si­schen An­lei­hen hat das nicht ge­scha­det.

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