Schwei­zer Un­ter­neh­men schwim­men im

Mehr als ein Drit­tel der ko­tier­ten Ge­sell­schaf­ten hat ei­ne Net­to­li­qui­di­tät in der Bi­lanz. War­um in­ves­tie­ren sie nicht mehr, ak­qui­rie­ren oder schü

Finanz und Wirtschaft - - UNT - ARNO SCHMOCKER

Für Jo­han Ru­pert sind über 5 Mrd. € Bar­mit­tel in der Bi­lanz kei­ne Last: «Ich ha­be in mei­nem Le­ben zu vie­le Ka­ta­stro­phen gesehen. Die Cashre­ser­ven sind un­se­re Fe­s­tung», er­klär­te der Mehr­heits­eig­ner und Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent von Ri­che­mont in ei­nem sei­ner äusserst ra­ren In­ter­views im Früh­ling in die­sem Blatt. Der Lu­xus­gü­ter­her­stel­ler ist kein Ein­zel­fall. 40% der an der Schwei­zer Börse SIX ko­tier­ten Ge­sell­schaf­ten ver­fü­gen über Net­to­li­qui­di­tät – et­li­che über sehr viel.

Kein Zwei­fel: Ei­ne ro­bus­te fi­nan­zi­el­le Ver­fas­sung hilft Un­ter­neh­men, Markt­schwä­chen durch­zu­ste­hen, stets die not­wen­di­gen In­ves­ti­tio­nen zu tä­ti­gen und die Stra­te­gie nach Plan um­zu­set­zen. Kehr­sei­te der Me­dail­le ist, dass das Po­ten­zi­al, die Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te zu er­hö­hen, nicht ge­nutzt wird. Zu­dem ren­tie­ren die Mit­tel in Zei­ten re­kord­tie­fer Zin­sen nicht, sie lie­gen brach. Teil­wei­se fal­len so­gar Ne­ga­tiv­zin­sen an (vgl. Text­kas­ten).

Soll­ten die Un­ter­neh­men nicht mehr in­ves­tie­ren, aus­schüt­ten oder ak­qui­rie­ren? 90 der über 220 Ge­sell­schaf­ten, de­ren Va­lo­ren an der Börse ge­han­delt wer­den, wie­sen En­de 2016 Net­to­bar­mit­tel auf (Cash und kurz­lau­fen­de, ein­fach zu ver­äus­sern­de Wert­pa­pie­re, mi­nus kurz­fris­ti­ge Ver­bind­lich­kei­ten).

Ka­pi­tal in Hül­le und Fül­le

Bei et­li­chen Un­ter­neh­men ma­chen die Net­to­bar­mit­tel über 20% der Bi­lanz­sum­me aus (vgl. gros­se Ta­bel­le). Ei­gen­ka­pi­tal­quo­ten von 50 bis über 80% spie­geln feu­da­le Fi­nanz­ver­hält­nis­se. Vor al­lem seit 2009, als Um­satz und Ge­winn weg­bra­chen, ha­ben die Ge­sell­schaf­ten Re­ser­ven auf­ge­baut, um sich ge­gen ähn­li­che Un­bill zu wapp­nen. Mitt­ler­wei­le al­ler­dings sind ei­ni­ge Bi­lan­zen gar «in­ef­fi­zi­ent» ge­wor­den. Und in vie­len Fäl­len er­reicht die Di­vi­den­den­ren­di­te we­ni­ger als 2%. «Fi­nanz und Wirt­schaft» hat ei­ne Rei­he von Fi­nanz­chefs über ih­re Fi­nanz­po­li­tik be­fragt.

Fast die Hälf­te der Bi­lanz­sum­me macht die Net­to­li­qui­di­tät bei Me­tall Zug, Kar­dex und APG aus. Da­ni­el Keist, Fi­nanz­chef von Me­tall Zug, er­in­nert dar­an, dass das Un­ter­neh­men in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren zwei Mal ei­ne Son­der­di­vi­den­de aus­ge­zahlt hat. Vor drei Jah­ren hat es zu­dem an­ge­kün­digt, die Ge­winn­aus­schüt­tungs­quo­te von 20 bis 30% auf 20 bis 40% zu er­hö­hen.

Keist er­gänzt: «Ge­gen ei­ne wei­te­re Er­hö­hung spricht un­se­re Am­bi­ti­on, in or­ga­ni­sches und ex­ter­nes Wachs­tum zu in­ves­tie­ren.» Ex­ter­nes Wachs­tum kön­ne Er­gän­zungs­ak­qui­si­tio­nen in den be­ste­hen­den drei Ge­schäfts­be­rei­chen oder den Auf­bau ei­nes vier­ten Stand­beins be­deu­ten. Ein Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm steht laut dem Fi­nanz­chef hin­ge­gen nicht auf der Agenda, auch weil es die Han­del­bar­keit der Ti­tel ein­schrän­ke.

Un­ab­hän­gig von Ban­ken

Der La­ger­lo­gis­ti­ker Kar­dex, 2011 in Exis­tenz­nö­ten, ist un­ter­des­sen schul­den­frei. Fi­nanz­chef Tho­mas Reist bleibt mit Blick auf die Ver­gan­gen­heit vor­sich­tig: «Wir wol­len von den Ban­ken un­ab­hän­gig blei­ben. Um dies si­cher­zu­stel­len, brau­chen wir 25 bis 30 Mio. €.» Die Ge­sell­schaft sucht zu­dem nach klei­ne­ren Über­nah­me­ob­jek­ten, die das Ge­schäft er­gän­zen. Der Markt kon­so­li­die­re sich, Mög­lich­kei­ten sei­en vor­han­den, doch gin­gen die Preis­vor­stel­lun­gen aus­ein­an­der. Kar­dex schüt­tet be­reits 75% des Ge­winns aus. Mehr kä­me für Reist nur in Fra­ge, «wenn die Ge­sell­schaft wirk­lich nichts fin­det, um das Geld sinnvoll zu re­inves­tie­ren».

Die Net­to­li­qui­di­tät von Conz­ze­ta ist über vie­le Jah­re mit zu­rück­be­hal­te­nen Ge­win­nen, dem Ver­kauf von Im­mo­bi­li­en und der De­ves­ti­ti­on von Ge­schäfts­be­rei­chen auf­ge­baut wor­den. Nach dem Ab­gang von Pa­tron Ja­cob Schmid­hei­ny und dem An­tritt von VR-Prä­si­dent Ernst Bärts­chi (ehem. Si­ka) ist die Ge­sell­schaft of­fen­si­ver ge­wor­den. Sie hat klar kommun­ziert, die Mit­tel zum gros­sen Teil für Über­nah­men ein­zu­set­zen. Wachs­tum wird vor al­lem in Asi­en und Nord­ame­ri­ka an­ge­strebt. Fi­nanz­chef Kas­par Kel­ter­born be­kräf­tigt aber: «Zeit- lich un­ter Druck set­zen las­sen wir uns nicht.» In der Aus­schüt­tung ist Conz­ze­ta gross­zü­gi­ger ge­wor­den: 2016 wur­de der An­teil am Ge­winn auf 30 bis 50% er­höht.

Auch Rie­ter be­zahlt mehr Di­vi­den­de als frü­her, min­des­tens 40% des Ge­winns. Für 2016 wa­ren es 53%. Das Un­ter­neh­men strebt an, «wie­der­keh­rend ei­ne at­trak­ti­ve Di­vi­den­de zu be­zah­len». Der Tex­til­ma­schi­nen­kon­zern hat seit 2012, nach dem Ein­stieg der In­dus­tri­el­len Micha­el Pie­per (Fran­ke) und Pe­ter Sp­uh­ler (Stad­ler Rail), re­gel­mäs­sig ei­nen statt­li­chen frei­en Cash­flow er­wirt­schaf­tet und die Bi­lanz­re­la­tio­nen er­heb­lich ver­bes­sert.

Ak­qui­si­ti­ons­wil­lig

Ein Re­ser­ve­pols­ter ist sinnvoll in ei­nem über­aus zy­kli­schen Ge­schäft wie Tex­til­ma­schi­nen, in dem der Auf­trags­ein­gang bis zu 50% schwan­ken kann. Laut Fi­nanz­chef Jo­ris Gr­öf­lin ste­hen ein Ak­ti­en­rück­kauf oder ei­ne ein­ma­li­ge Son­der­aus­schüt­tung nicht im Vor­der­grund. Hin­ge­gen sol­len «Op­por­tu­ni­tä­ten im ex­ter­nen Wachs­tum» wahr­ge­nom­men wer­den.

Der La­bo­rau­to­ma­ti­sie­rungs­spe­zia­list Te­can schüt­te­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren 35 bis 41% des Ge­winns aus, ei­ne im Li­fe-Sci­ence-Sek­tor eher ho­he Quo­te. Seit 2014 wur­den 125 Mio. Fr. in vier Über­nah­men in­ves­tiert. Das Un­ter­neh­men sei auch zu Grös­se­rem be­reit, das «den Ein­satz von meh­re­ren hun­dert Mil­lio­nen Fran­ken für ei­ne Trans­ak­ti­on er­for­dern wür­de», sag­te VR-Prä­si­dent Rolf Clas­son im April an der Ge­ne­ral­ver­samm­lung.

Et­li­che der Un­ter­neh­men mit viel Li­qui­di­tät sind sol­che mit ei­nem we­nig ka­pi­tal­in­ten­si­ven Ge­schäfts­mo­dell, das ei­nen ho­hen Cash­flow ge­ne­riert. Da­zu zählt Schind­ler. Die Va­lo­ren des Auf­zugs­her­stel­lers wer­fen ei­ne be­schei­de­ne Ren­di­te ab. Aber Schind­lers Ak­tio­nä­re par­ti­zi-

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