Zwei­fel an Opec-De­al

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - MICHA­EL PEYER

Der Preis­zer­fall am Öl­markt ist vor­erst ge­stoppt.

Zu Wo­chen­be­ginn sorg­te die et­was schwä­che­re US-Va­lu­ta für Un­ter­stüt­zung an den Roh­stoff­märk­ten. Der Öl­preis no­tier­te erst­mals nach fünf Wo­chen wie­der et­was fes­ter. Seit dem Opec-Tref­fen En­de Mai ist er rund 20% ein­ge­bro­chen. Am 25. Mai kos­te­te ein Fass der Nord­see­sor­te Brent noch fast 55 $, am ver­gan­ge­nen Mitt­woch mar­kier­te der Preis ein Tiefst von 44.35 $. Letzt­mals wur­den ver­gleich­ba­re Wer­te An­fang No­vem­ber 2016 er­reicht.

Die Ver­län­ge­rung des OpecDe­als um wei­te­re neun Mo­na­te ver­fehlt ih­re Wir­kung bis­lang kom­plett. Dass ge­wis­se Opec-Ver­tre­ter be­reits von der Dring­lich­keit wei­te­rer Mass­nah­men spre­chen und et­wa zu­sätz­li­che Kür­zun­gen for­dern, zeigt, in welch ver­zwick­ter La­ge sich das Kartell und sei­ne Ver­bün­de­ten be­fin­den. Sie hat­ten sich im No­vem­ber zu ei­ner För­der­kür­zung von 1,8 Mio. Fass pro Tag durch­ge­run­gen, in der An­nah­me, das wer­de den Öl­preis schon bald sta­bi­li­sie­ren. Zwar klet­ter­ten die No­tie­run­gen bis En­de Jahr knapp 20% auf fast 60 $. Da­nach brö­ckel­ten sie aber wie­der ab. En­de Mai be­schlos­sen die Öl­pro­du­zen­ten da­her, ei­ne Ex­trarun­de an­zu­hän­gen und den De­al um neun Mo­na­te zu ver­län­gern. Trotz­dem ga­ben die Prei­se wei­ter nach. So ha­ben die US-För­de­rer ih­re Pro­duk­ti­on im Sog der hö­he­ren No­tie­run­gen wie­der mar­kant aus­ge­wei­tet. Die Zahl der ak­ti­ven Öl­boh­run­gen ist mitt­ler­wei­le die 23. Wo­che in Fol­ge ge­wach­sen und be­läuft sich auf 758 – das ist der höchs­te Stand seit April 2014. Die ame­ri­ka­ni­sche Öl­pro­duk­ti­on dürf­te da­mit bald auf 9,5 Mio. Fass pro Tag stei­gen.

Für den Mo­ment hat die Ab­wärts­be­we­gung et­was an Fahrt ver­lo­ren. Am Di­ens­tag leg­te der Öl­preis den vier­ten Tag in Fol­ge zu. Brent klet­ter­te bis zum Mit­tag auf 46.47 $. Das Ver­trau­en der gros­sen Spe­ku­lan­ten in die Markt­re­gu­lie­rung der Opec-Staa­ten scheint den­noch ge­ring. Ge­mäss der Öl­bör­se ICE sind die Net­to-Lon­gPo­si­tio­nen in Brent ver­gan­ge­ne Wo­che um 19% oder 54 162 auf noch 228 995 Kon­trak­te ge­sun­ken. Da­mit sind die Net­to-Long-Po­si­ti­on nur noch halb so gross wie vor vier Mo­na­ten. Soll­te die glo­ba­le Nach­fra­ge nach Öl nicht deut­lich an­zie­hen so­wie der welt­wei­te La­ger­be­stand ab­neh­men, wird sich bald zei­gen, wie es um die viel ge­lob­te Dis­zi­plin der Opec steht. Das Kartell pro­du­zier­te im Mai wie­der mehr. So ha­ben et­wa Mit­glie­der wie Li­by­en und Ni­ge­ria, die von der Quo­te aus­ge­nom­men sind, die För­de­rung aus­ge­wei­tet.

Die Hit­ze­wel­le, die in den letz­ten Wo­chen in wei­ten Tei­len Eu­ro­pas herrsch­te, hat an den Ge­trei­de­märk­ten ih­re Spu­ren hin­ter­las­sen. So klet­ter­te der Preis für eu­ro­päi­schen Mahl­wei­zen an der Ter­min­bör­se Ma­tif seit Mo­nats­be­ginn um 9%. Ver­gan­ge­ne Wo­che no­tier­te er mit 180 € pro Ton­ne auf dem höchs­ten Stand seit elf Mo­na­ten. Seit­her hat er et­was kor­ri­giert: Am Di­ens­tag­nach­mit­tag kos­te­te der Kon­trakt noch 171 €. Ei­ne ähn­li­che Ent­wick­lung liess sich am eu­ro­päi­schen Raps­markt be­ob­ach­ten. In der Vor­wo­che klet­ter­te Raps bis auf 372 € pro Ton­ne. Das ent­spricht ei­ner Preis­stei­ge­rung von 5% seit Mo­nats­be­ginn. Zum Wo­chen­auf­takt no­tier­te Raps wie­der nied­ri­ger bei 361.25 €.

Am US-Markt für Ge­trei­de und Öl­saa­ten sorg­te der un­er­war­tet schlech­te Be­richt über den Zu­stand der Pflan­zen­kul­tu­ren (Crop Con­di­ti­on Ra­ting) für Un­ter­stüt­zung. In den kom­men­den Ta­gen wer­den ne­ben der Wet­ter­pro­gno­se für das ver­län­ger­te Wo­che­n­en­de das Mo­nats- und Quar­tals­en­de so­wie der vier­tel­jähr­li­che Be­richt des Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums USDA über den La­ger­be­stand im Fo­kus der Märk­te ste­hen.

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