GAM bie­ten Chan­cen

Finanz und Wirtschaft - - KONSUM/FINANZ - RK

GAM hat ih­ren Auf­pas­ser ver­lo­ren. Ru­dolf Boh­li hat in der Nacht auf Mitt­woch sein Ak­ti­en­pa­ket von rund 4% voll­stän­dig ab­ge­baut. Das be­stä­tig­te der Ak­ti­vist ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft».

Im Fe­bru­ar war be­kannt ge­wor­den, dass Boh­li sich in den As­set-Ma­na­ger ein­ge­kauft und Trak­tan­die­rungs­be­geh­ren für die Ge­ne­ral­ver­samm­lung ge­stellt hat: Boh­li woll­te in den Ver­wal­tungs­rat, und zwar gleich mit drei Mit­glie­dern. Sein Ziel war, die Kos­ten um 100 Mio. Fr. zu sen­ken und ein Drit­tel der Be­leg­schaft zu ent­las­sen, in­klu­si­ve CEO Alex­an­der Fried­man.

Er­reicht hat er das nicht. Sei­ne Kam­pa­gne zeig­te aber den­noch Wir­kung: Nur 7% der Ak­tio­nä­re be­wil­lig­ten dem Ma­nage­ment den Bo­nus­pool für das lau­fen­de Jahr. Das Ver­gü­tungs­sys­tem wird nun über­ar­bei­tet. Das ist Boh­li zu we­nig: Er hat­te kürz­lich noch ein Tref­fen mit dem GAM-Prä­si­dent Hugh Scott Bar­rett und sagt: Er ha­be se­hen müs­sen, dass die Am­bi­tio­nen des Ver­wal­tungs­rats nicht hoch ge­nug sei­en. «Das Ziel, bis 2019 wei­te­re 30 Mio. Fr. Kos­ten ein­zu­spa­ren, ist wei­ter­hin gül­tig», sagt ei­ne Spre­che­rin von GAM ge­gen­über der FuW.

Boh­li ent­schied, Ak­ti­en über die Bör­se zu ver­kau­fen und das rest­li­che Pa­ket nun in ei­ner Block­trans­ak­ti­on am Markt zu plat­zie­ren. «Ich ha­be ei­nen gu­ten Ge­winn ge­macht», sagt der Hed­geFund-Ma­na­ger. In der Tat: Seit dem Ein­stieg Boh­lis ha­ben GAM rund 20% avan­ciert – ge­tra­gen von der Hoff­nung, der Ak­ti­vist wür­de das Ma­nage­ment un­ter Druck set­zen, die lau­fen­de Re­struk­tu­rie­rung zu be­schleu­ni­gen.

Doch un­ab­hän­gig da­von hat sich in die­ser Zeit auch das Markt­um­feld zu­guns­ten von GAM ver­bes­sert: Die Zins­er­hö­hung der US-No­ten­bank und die An­deu­tun­gen der EZB, die Geld­po­li­tik eben­falls straf­fen zu wol­len, brin­gen dem As­set-Ma­na­ger Vor­tei­le. Ers­tens ent­wi­ckeln sich die ver­schie­de­nen Ver­mö­gens­klas­sen wie­der un­ter­schied­lich, was zu Um­schich­tun­gen führt. Zwei­tens kom­men fun­da­men­ta­le Trei­ber bes­ser zur Gel­tung, was das ak­ti­ve Se­lek­tio­nie­ren von Ein­zel­ti­teln, wie dies die GAM-Fonds­ma­na­ger tun, wie­der be­loh­nen soll­te. Drit­tens flies­sen Gel­der in eu­ro­päi­sche Ak­ti­en, was GAM zu­sätz­lich hel­fen dürf­te.

Bie­tet der Aus­stieg von Boh­li al­so ei­ne Ein­stiegs­ge­le­gen­heit für Neu­ak­tio­nä­re? Der Ver­kaufs­pro­zess sei­ner 4,73 Mio. Ak­ti­en, den Cre­dit Suis­se durch­ge­führt hat, spricht da­für: Die Gross­bank bot am Di­ens­tag kurz nach Bör­sen­schluss und oh­ne Vor­an­mel­dung in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren die Ak­ti­en zum Kauf an und hat ge­mäss In­for­ma­tio­nen von «Fi­nanz und Wirt­schaft» in­ner­halb ei­ner hal­ben St­un­de das gan­ze Pa­ket plat­ziert – zu 13.15 Fr. je Ak­tie.

Als der Aus­stieg Boh­lis öf­fent­lich be­kannt wur­de, knick­te der Ak­ti­en­kurs zwar un­ter die­sen Wert ein. Für die pro­fes­sio­nel­len An­le­ger, die neu ge­zeich­net hat­ten, war Boh­lis Ein­fluss auf GAM aber of­fen­sicht­lich nicht ent­schei­dend. Sie muss­ten ge­ahnt ha­ben, von wem das Pa­ket kam.

An­le­ger, die auf ei­ne an­hal­tend gu­te Bör­sen­stim­mung set­zen, kön­nen dies nun über GAM spie­len. Denn wenn die Bör­se läuft, lau­fen As­set-Ma­na­ger je­weils über­pro­por­tio­nal gut.

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