Das Wich­tigs­te

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN -

Auf zwei Ebe­nen. Das Port­fo­li­o­ri­si­ko be­ur­teilt al­le Po­si­tio­nen im Port­fo­lio un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Kor­re­la­tio­nen. Ein Ri­si­ko­mass ist die Vo­la­ti­li­tät, dar­un­ter ver­steht man die Schwan­kungs­brei­te des Port­fo­li­os. Das in­stru­men­ten­spe­zi­fi­sche Ri­si­ko be­ur­teilt die An­la­ge­instru­men­te ein­zeln un­ter den Aspek­ten Markt-, Kre­dit- und Li­qui­di­täts­ri­si­ko. Die neue Fi­nanz­markt­richt­li­nie Mi­fid 2 tritt 2018 in Kraft. Sie fo­kus­siert auf An­le­ger­schutz und Trans­pa­renz. Ver­steck­te Ge­büh­ren sind of­fen­zu­le­gen, Pro­duk­te­ri­si­ken und An­le­ger­pro­fi­le auf­ein­an­der ab­zu­stim­men. Mi­fid 2 um­fasst die ge­sam­te Wert­schöp­fungs­ket­te von der Pro­duk­ti­on über den Ver­trieb bis zum Han­del. Mi­fid 2 soll sie ver­hin­dern. Fi­nanz­dienst­leis­ter sind ver­pflich­tet, ih­re Kun­den zu in­for­mie­ren, ob die Be­ra­tung ab­hän­gig oder un­ab­hän­gig ist. Zum Bei­spiel im Pro­dukt­ver­trieb, wo Fi­nanz­in­sti­tu­te für das Hal­ten von Dritt­pro­duk­ten ent­schä­digt wer­den. Die­se Pra­xis der Re­tro­zes­sio­nen ist in der Schweiz für Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­man­da­te schon län­ger un­ter­sagt, das Ver­bot wird un­ter Mi­fid 2 auf al­le Bank­kun­den aus­ge­dehnt.

Ein an­de­res Bei­spiel ist das Bro­ker­ge­schäft. Dort wur­de Re­se­arch bis­lang mit den an­fal­len­den Kom­mis­sio­nen ge­kauft. Neu müs­sen die Kun­den es se­pa­rat er­wer­ben (vgl. Kas­ten). Das ist un­ge­wiss. Tra­gen die Ban­ken die Kos­ten, schmä­lert dies ih­re Mar­ge. Wer­den die Kos­ten den Kun­den wei­ter­ge­ge­ben, er­hö­hen sich die Ge­büh­ren. Der As­set-Ma­na­ger Twen­ty­Four (ei­ne Toch­ter der Von­to­bel) geht in die Of­fen­si­ve und be­kräf­tigt, die zu­sätz­li­chen Kos­ten wür­den nicht an die Kun­den wei­ter­ge­ge­ben. Nein. Mi­fid 2 ist ein Min­dest­stan­dard, der in der ge­sam­ten Eu­ro­päi­schen Uni­on gül­tig ist. Die ein­zel­nen Län­der kön­nen bei län­der­spe­zi­fi­schen An­pas­sun­gen noch re­strik­ti­ver sein. Das er­höht die Kom­ple­xi­tät für die Kun­den. «In der Pra­xis dürf­ten sich die Schwei­zer Ban­ken auf die län­der­spe­zi­fi­schen Vor­schrif­ten ih­rer Kern­märk­te fo­kus­sie­ren», sagt Do­brauz von PwC. Das hängt mit ih­ren Aus­land­ak­ti­vi­tä­ten zu­sam­men. Do­brauz sagt: «Fak­tisch wer­den sich In­sti­tu­te, die in der EU do­mi­zi­lier­te Kun­den be­treu­en, an die neue Richt­li­nie hal­ten.» Dies deckt sich mit dem Vor­ge­hen der Bank Von­to­bel, wie St­ei­ne­brun­ner er­läu­tert: «Wir pla­nen zur­zeit, die in Mi­fid 2 vor­ge­se­he­nen Ver­hal­tens­re­geln ein­heit­lich, al­so auch bei Schwei­zer Kun­den, an­zu­wen­den.» «Die tech­ni­sche Her­aus­for­de­rung für die Um­set­zung von Mi­fid 2 ist enorm», sagt Do­brauz. Das sei der Haupt­grund, wes­halb die Im­ple­men­tie­rung um ein Jahr ver­scho­ben wur­de. Ur­sprüng­lich war die Ein­füh­rung für An­fang 2017 ge­plant. Das schei­ter­te aber dar­an, dass so­wohl die Be­hör­den als auch der Fi­nanz­markt für ei­ne frü­he­re Ein­füh­rung nicht be­reit wa­ren.

Was das für ei­ne Bank be­deu­tet, er­klärt St­ei­ne­brun­ner am Bei­spiel Von­to­bel: «Fast je­des Ge­schäfts­feld der Bank ist in ir­gend­ei­ner Art von Mi­fid 2 be­trof­fen.» Das se­he man gut an den IT-Sys­te­men, bei de­nen über die Hälf­te we­gen Mi­fid 2 klei­ne­rer oder grös­se­rer Än­de­run­gen be­dür­fe. «Als Nicht-EU-Land kämpft die Schweiz bei der Um­set­zung von Mi­fid 2 mit zu­sätz­li­chen Hür­den», sagt St­ei­ne­brun­ner von Von­to­bel. «Wäh­rend eu­ro­päi­sche Ban­ken ih­re Trans­ak­ti­ons­da­ten zen­tral an ei­ne Stel­le sen­den, müs­sen Schwei­zer In­sti­tu­te ih­re Da­ten an je­de ein­zel­ne Bör­se ge­mäss de­ren in­di­vi­du­el­len An­for­de­run­gen über­mit­teln.»

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.