Obers­ter Ver­si­che­rer

Finanz und Wirtschaft - - PRAKTIKUS/PORTRÄT - T. HENGARTNER UND A. SCHMOCKER

Un­ter­be­schäf­tigt war er nie. Nun hat Rolf Dö­rig am Don­ners­tag das Prä­si­di­um des Schwei­ze­ri­schen Ver­si­che­rungs­ver­bands SVV über­nom­men. Der Sech­zig­jäh­ri­ge folgt auf Urs Ber­ger. Die­ser, Prä­si­dent der ge­nos­sen­schaft­lich struk­tu­rier­ten Mo­bi­li­ar, hat­te dem Ver­band sechs Jah­re lang vor­ge­stan­den.

Dö­rig war von 2002 bis 2008 CEO des Le­bens­ver­si­che­rers Swiss Li­fe. Seit­her agiert er als Prä­si­dent des Un­ter­neh­mens mit rund 200 Mrd. Fr. Bi­lanz­sum­me. Im sel­ben Jahr stieg der frü­he­re CS-Ban­ker mit An­walt­s­pa­tent auch auf den Prä­si­di­ums­ses­sel des Per­so­nal­ver­mitt­lers Adec­co. Er ist zu­dem Vi­ze­prä­si­dent der ko­tier­ten Dor­ma­ka­ba, ei­nes Her­stel­lers von Sys­te­men des Ge­bäu­de­zu­gangs.

Die Fül­le von Spit­zen­man­da­ten hat Dö­rig mehr­fach Kri­tik von Ak­tio­närs­dienst­leis­tern ein­ge­tra­gen, sei­ne zeit­li­che und in­tel­lek­tu­el­le Ver­füg­bar­keit könn­te in Zei­ten ei­ner Un­ter­neh­mens­kri­se be­ein­träch­tigt sein. Dö­rig nimmt die Auf­ga­ben sport­lich – et­was, was der «Be­we­gungs­mensch» auch in sei­nem frü­he­ren En­ga­ge­ment als Zen­tral­prä­si­dent des mul­tispor­ti­ven Zürcher Gras­shop­per Club de­mons­trier­te. Dö­rigs ak­tu­el­le be­ruf­li­che Her­aus­for­de­run­gen sind nicht oh­ne. Dem Ver­si­che­rungs­ver­band steht seit ei­nem hal­ben Jahr mit Tho­mas Helb­ling ein Di­rek­tor vor, der zu­vor als Vi­ze der Bun­des­kanz­lei der Eid­ge­nos­sen­schaft wirk­te. Dö­rig dürf­te dar­an ge­le­gen sein, Helb­ling zu för­dern und den Quer­ein­stei­ger im As­se­ku­ranz­ge­schäft noch ein, zwei Jah­re lang eng zu be­glei­ten.

Beim Ver­si­che­rer Swiss Li­fe hat Dö­rig mit Frank Sch­new­lin, dem frü­he­ren Ba­loi­se- und Zu­rich-Spit­zen­ma­na­ger, und dem Ex-Hel­ve­tia-Chef Ste­fan Loacker bran­chen­er­fah­re­ne Per­sön­lich­kei­ten mit an Bord. Nächs­tes Jahr muss Er­satz ge­fun­den wer­den für Vi­ze­prä­si­dent Ge­rold Büh­rer. Der frü­he­re Par­tei­prä­si­dent der FDP und Ge­org-Fi­scherFi­nanz­chef er­reicht die Al­ters­gren­ze.

Dem Kon­zern ist es all­mäh­lich ge­lun­gen, die um­strit­te­ne, von Dö­rig ein­ge­fä­del­te Ak­qui­si­ti­on des deut­schen Fi­nanz­pro­dukt­ver­triebs AWD zu ver­dau­en. Die Trans­ak­ti­on war über­teu­ert und blieb von den In­ves­to­ren lan­ge un­ver­stan­den. Erst die Ab­schrei­bung ei­nes Teils des ak­ti­vier­ten Good­wills ver­scheuch­te das Miss­trau­en. Im Zeit­ar­beits­kon­zern Adec­co steht Rolf Dö­rig ei­nem al­ters­mäs­sig und nach geo­gra­fi­scher Her­kunft gut di­ver­si­fi­zier­ten VR-Gre­mi­um vor. Der ab­rup­te Dop­pel­wech­sel von CEO und Fi­nanz­chef vor zwei Jah­ren trug dem Prä­si­den­ten zu Be­ginn in­ves­to­r­en­sei­tig hef­ti­ge Vor­wür­fe ei­ner ver­fehl­ten Per­so­nal­po­li­tik ein. In der Zwi­schen­zeit hat sich die er­neu­er­te Füh­rung be­währt. Be­sänf­tigt hat die Adec­co-Ak­tio­nä­re zu­dem, dass der Ver­wal­tungs­rat ein er­kenn­bar strik­tes Ka­pi­tal­ma­nage­ment ver­folgt und er­gän­zend zur Aus­schüt­tung ei­ner Di­vi­den­de auch den Rück­kauf ei­ge­ner Ak­ti­en be­schliesst.

Swiss Li­fe punk­tet an der Bör­se mit ei­ner Ren­ta­bi­li­täts­ori­en­tie­rung, für die an­ge­sichts der Nied­rig­zins­la­ge auf we­nig ren­ta­bles Neu­ge­schäft ver­zich­tet wird. Da­mit ein­her geht ei­ne Schrump­fung der Kon­zern­ein­nah­men, doch das wird Dö­rig nicht nach­ge­tra­gen. Sei­ne Lo­sung «We­ni­ger Um­satz, mehr Ge­winn» hat ver­fan­gen. Der Mehr­fachPrä­si­dent hat für die ge­lei­te­ten Un­ter­neh­men ei­ne Re­zep­tur ge­fun­den, die bei An­le­gern gut an­kommt.

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