Der An­fang vom En­de

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - RAI­NER GUNTERMANN,

Die Re­de von EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi in Sin­tra dürf­te als An­fang vom En­de der An­lei­hen­käu­fe in Er­in­ne­rung blei­ben. Es wä­re nicht das ers­te Mal, dass Draghi ei­nen be­deu­ten­den geld­po­li­ti­schen Kurs­wech­sel in ei­ner Re­de an­kün­digt. Man den­ke nur an sein «Wha­te­ver-it-ta­kes»-Ver­spre­chen 2012 oder sein Auf­tritt in Jack­son Ho­le 2014, mit dem er ver­bal den Weg für An­lei­he­käu­fe eb­ne­te.

Ähn­lich wie in Jack­son Ho­le än­der­te Draghi sei­ne In­fla­ti­ons­be­wer­tung. Er hob her­vor, dass der ak­tu­el­le Ab­wärts­druck auf die Ver­brau­cher­prei­se durch tem­po­rä­re Fak­to­ren do­mi­niert wird, durch die ei­ne Zen­tral­bank in der Re­gel hin­durch­schau­en kann. Gleich­zei­tig si­gna­li­sier­te er, dass ei­ni­ge Pa­ra­me­ter der Geld­po­li­tik an­ge­passt wer­den könn­ten, oh­ne je­doch die­se zu straf­fen. Dies dürf­te den Weg eb­nen, dass die EZB ab Ja­nu­ar ih­re An­lei­hen­käu­fe schritt­wei­se dros­seln kann.

All dies soll­te nicht über­ra­schen, auch wenn der Markt An­fang der Wo­che auf dem fal­schen Fuss stand. Denn die EZB wur­de nie mü­de, zu be­to­nen, wie wich­tig es ihr ist, die Hal­te­schwel­le von 33% pro Emit­tent nicht zu über­schrei­ten, um kein do­mi­nan­ter In­ves­tor zu wer­den. Wie man die Zah­len auch dreht und wen­det, rückt die­se Schwel­le nicht nur für deut­sche Staats­an­lei­hen nä­her, son­dern auch für je­ne an­de­rer Län­der. So­mit war klar, dass die EZB das Kauf­pro­gramm nicht un­be­stimmt ver­län­gern kann, auch wenn Draghi zu­letzt ver­gleichs­wei­se ent­spannt klang. Die sich bes­sern­den Wachs­tums­per­spek­ti­ven bie­ten ei­ne güns­ti­ge Ge­le­gen­heit, den Aus­stieg aus der lo­cke­ren Geld­po­li­tik ein­zu­lei­ten.

Wie weit kön­nen die Ren­di­ten nun stei­gen? Zehn­jäh­ri­ge «Bunds» dürf­ten die 0,5% tes­ten – ein Wi­der­stand, der die­ses Jahr wie­der­holt ge­hal­ten hat. Al­ler­dings ist die in­län­di­sche Wachs­tums­dy­na­mik heu­te noch bes­ser und die po­li­ti­schen Ri­si­ken sind ge­rin­ger. So­mit be­steht Ge­fahr, dass die Ren­di­ten et­was über­schies­sen. Die kon­junk­tu­rel­le Gross­wet­ter­la­ge spricht je­doch wei­ter­hin ge­gen ei­nen schar­fen An­stieg der Ren­di­ten und auch Zins­er­hö­hun­gen der EZB dürf­ten erst nach dem An­lei­hen­kauf­pro­gramm zum The­ma wer­den. Ei­ne aus­ge­präg­te Zins­wen­de im Eu­ro­raum er­war­ten wir vor­erst noch nicht.

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