Wachs­tum im Fo­kus

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - MICHA­EL MAAG,

Die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne soll­ten sich wei­ter so­li­de ent­wi­ckeln.

In­fla­ti­on oder kei­ne In­fla­ti­on, das ist die Fra­ge. Am En­de des ers­ten Halb­jah­res ste­hen des­halb ein­mal mehr Wachs­tumsund Kon­junk­tur­fra­gen im Mit­tel­punkt des An­le­ger­inter­es­ses. So gibt es gleich zu Be­ginn des drit­ten Quar­tals ei­ne Rei­he von wich­ti­gen Kon­junk­tur­da­ten wie die Be­schäf­tig­ten­zah­len des US-Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums am 7. Ju­li und die Ver­öf­fent­li­chung des Con­su­mer Pri­ce In­dex am 14. Ju­li durch das US Bu­reau of La­bor Sta­tis­tics.

Zu­dem trifft sich der Of­fen­markt­aus­schuss (FOMC) der USNo­ten­bank (Fed) am 5. Ju­li. Be­ob­ach­ter ge­hen all­ge­mein von ei­nem an­hal­tend po­si­ti­ven Trend aus. Dies gilt vor al­lem für Un­ter­neh­mens­ge­win­ne, bei de­nen auch für das zwei­te Quar­tal von ei­nem so­li­den Wachs­tum aus­ge­gan­gen wird – nach­dem be­reits im ers­ten Halb­jahr das ho­he Wachs­tum und die mo­de­ra­te In­fla­ti­on die Ak­ti­en­märk­te be­flü­gelt hat­ten.

Eu­ro­pa at­trak­ti­ver

So stieg der S&P 500 seit An­fang Jahr um 8,1%, der Eu­ro­s­to­xx 600 um 6,8% und der SPI um sat­te 11,5%. Die Be­wer­tungs­ni­veaus eu­ro­päi­scher Ak­ti­en sind ge­gen­über US-Ti­teln at­trak­ti­ver. Auch kön­nen zur­zeit kaum Grün­de aus­ge­macht wer­den, die ge­gen ei­ne Fort­set­zung des po­si­ti­ven Trends spre­chen. Auf­grund der wei­ter­hin schwa­chen In­fla­ti­on auf bei­den Sei­ten des At­lan­tiks dürf­te die Rück­füh­rung der No­ten­ban­kenLi­qui­di­tät wohl vor­sich­tig und gra­du­ell ge­sche­hen. Die Märk­te an­ti­zi­pie­ren dies be­reits. Die nächs­te US-Zins­er­hö­hung wird des­halb erst für De­zem­ber er­war­tet.

Auch das eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­wachs­tum ent­wi­ckelt sich, mit Aus­nah­me von Ita­li­en, mehr­heit­lich po­si­tiv. In Gross­bri­tan­ni­en hat sich, vor al­lem we­gen den un­ge­klär­ten Fol­gen der Br­ex­it-Ab­stim­mung so­wie dem un­ein­deu­ti- gen Wahl­aus­gang die Kon­su­men­ten­stim­mung et­was ein­ge­trübt. Da­mit ha­ben sich auch die Un­ter­neh­mens­in­ves­ti­tio­nen ver­lang­samt. Ins­ge­samt je­doch wer­den die Er­war­tun­gen für das Wachs­tum in Eu­ro­pa lau­fend nach oben kor­ri­giert, und dank des kräf­ti­gen Be­schäf­ti­gungs­wachs­tums soll­te sich die­se Er­ho­lung als nach­hal­tig er­wei­sen. Die EZB er­höh­te ih­re Pro­gno­se für die Eu­ro­zo­ne im Ju­ni um 10 Ba­sis­punk­te und er­war­tet für das rea­le BIP 2017 ein Plus von 1,9%. Die die­se Wo­che pu­bli­zier­ten Kon­su­men­ten- und Ge­schäfts­kli­ma­in­di­zes der EU-Kom­mis­si­on be­stä­ti­gen den po­si­ti­ven Trend.

So er­staunt es nicht, dass man auch von der EZB bald An­kün­di- gun­gen er­war­tet, die in Rich­tung ei­ner Re­duk­ti­on der Li­qui­di­täts­po­li­tik im Sep­tem­ber, mit ers­ten Mass­nah­men ab Ja­nu­ar und ei­ner mög­li­chen Er­hö­hung des Re­po­sat­zes in der zwei­ten Jah­res­hälf­te 2018 hin­wei­sen. Der IPO-Markt zeigt sich in sehr gu­ter Ver­fas­sung. Das welt­wei­te Emis­si­ons­vo­lu­men hat sich im ers­ten Halb­jahr ver­dop­pelt. Nach den Wah­len in Frank­reich kehr­te In­ter­es­se von US-In­ves­to­ren zu­rück.

Ren­di­ten stei­gen wei­ter

Die Ren­di­ten der deut­schen Staats­an­lei­hen ha­ben sich seit Jah­res­be­ginn um knapp 20 Ba­sis­punk­te ver­teu­ert und dürf­ten im Jah­res­ver­lauf in Er­war­tung ei­ner et­was we­ni­ger lo­cke­ren Geld­po­li­tik wei­ter stei­gen. Der Eu­ro re­agier­te nach den Äus­se­run­gen Ma­rio Drag­his zur In­fla­ti­on mit wei­te­ren Kurs­ge­win­nen und hat sich im zwei­ten Quar­tal 1,8% zum Fran­ken und 8,2% zum Dol­lar ver­teu­ert. Die­ser Trend soll­te sich auf­grund des Be­wer­tungs­ni­veaus, der sta­bi­le­ren po­li­ti­schen Si­tua­ti­on und des Kon­junk­tur­auf­schwungs der Eu­ro­zo­ne fort­set­zen.

Der Gold­preis ist ge­trie­ben von geo­po­li­ti­schen Un­si­cher­hei­ten wie der Han­dels­po­li­tik der US-Re­gie­rung, an­dau­ern­den po­li­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen so­wie der chi­ne­si­schen Wirt­schafts- und Fi­nanz­po­li­tik. Gold hat sich seit Ja­nu­ar 8% ver­teu­ert. Es dürf­te von nun an eher seit­wärts ten­die­ren.

Der Preis für Erd­öl von 45 $ je Fass wird ak­tu­ell von den ho­hen La­ger­be­stän­den, die je­doch sai­so­nal be­dingt im Jah­res­ver­lauf ab­neh­men soll­ten, und der er­war­te­ten hö­he­ren Pro­duk­ti­on 2018 nied­rig ge­hal­ten. Um dem ent­ge­gen­zu­wir­ken, be­dürf­te es ei­ner Fort­set­zung der mo­men­ta­nen Opec-För­der­quo­ten über das ge­sam­te nächs­te Jahr.

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