Aus­tern

Finanz und Wirtschaft - - MEINUNG -

In der Bel­le Epo­que wur­den sie mas­sen­wei­se ge­schlürft: Aus­tern. Doch auch die­ser Be­stand­teil des gross­bür­ger­li­chen Le­bens­stils von ehe­dem ist den meis­ten Eu­ro­pä­ern von heu­te fremd; un­ter­des­sen fin­det der Gross­teil der welt­wei­ten Aus­tern­zucht in Chi­na statt. Im­mer­hin, es gibt sie noch, die Aqua-

kul­tu­ren für den Be­darf von Eu­ro­pas Fein­schme­ckern, so wie hier im bre­to­ni­schen Can­ca­le. Aus­tern le­ben in Ge­zei­ten­zo­nen. Schon die al­ten Grie­chen mach­ten es sich zu­nut­ze, dass sich Aus­tern ger­ne an Ton­scher­ben fest­set­zen. Die Me­tho­de hier ist mo­der­ner: Tisch­ku­lit­vie­rung, ge­eig­net für fla­che Küs­ten mit brei­ter Ge­zei­ten­zo­ne. Auf Ei­sen­ge­stel­len lie­gen grob­ma­schi­ge Sä­cke, in de­nen die Aus­tern her­an­wach­sen. Sie sind bei Flut un­ter Was­ser und bei Eb­be im Tro­cke­nen. Die Sä­cke wer­den re­gel­mäs­sig ge­rüt­telt und ge­wen­det, da­mit die Aus­tern nicht zu­sam­men­wach­sen, der Al­gen­be­wuchs wird lau­fend ent­fernt. Bei Eb­be kön­nen die An­la­gen tro­cke­nen Fus­ses (oder Ra­des) be­wirt­schaf­tet wer­den. Üb­ri­gens soll der schwer­ar­bei­ten­de Schwe­re­nö­ter Gi­a­co­mo Ca­s­a­no­va täg­lich fünf­zig Aus­tern ge­schlürft ha­ben. Wis­sen­schaft­lich ist ei­ne spe­zi­fisch kräf­ti­gen­de Wir­kung zwar nicht nach­zu­wei­sen, doch für ei­nen Pla­ce­bo-Ef­fekt reicht’s al­le­mal.

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