Die In­sta­bi­li­täts­hy­po­the­se von Hy­man Mins­ky

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Hy­man Mins­ky (1919–1996) war ein USame­ri­ka­ni­scher Öko­nom, der sich in­ten­siv mit Fi­nanz­kri­sen aus­ein­an­der­setz­te. An­ders als die meis­ten Öko­no­men glaub­te er nicht an ef­fi­zi­en­te Märk­te, die auf ein Gleich­ge­wicht zu­stre­ben. Er war der Auf­fas­sung, sie be­weg­ten sich le­dig­lich von ei­nem Un­gleich­ge­wicht zum nächs­ten.

Für ihn war die Ver­schul­dung der Markt­ak­teu­re im Ver­hält­nis zu ih­ren Ein­künf­ten zen­tral. Mins­ky un­ter­schied drei Ar­ten der Fi­nan­zie­rung: die ab­ge- si­cher­te, die spe­ku­la­ti­ve und – in An­leh­nung an den Be­trü­ger Charles Pon­zi, der in den Zwan­zi­ger­jah­ren in den USA ein Schnee­ball­sys­tem be­trieb – die Pon­zi-Fi­nan­zie­rung. In der si­chers­ten Fi­nan­zie­rung reicht der Cash­flow so­wohl für die Zin­sen als auch die schritt­wei­se Schul­den­til­gung. Kann ein Un­ter­neh­men mit den Ein­nah­men nur noch die Zin­sen be­die­nen, wird es spe­ku­la­tiv. Bei der Pon­zi-Fi­nan­zie­rung sind im­mer wei­ter stei­gen­de Ver­mö­gens­wer­te – oder zu­sätz­li­che Schul­den – nö­tig, um über­haupt die Zins­last stem­men zu kön­nen. Je län­ger nun ei­ne Pe­ri­ode ver­meint­li­cher wirt­schaft­li­cher Sta­bi­li­tät an­hält, des­to ri­si­ko­freu­di­ger wer­den Un­ter­neh­men und Haus­hal­te – und des­to stär­ker ver­schul­den sie sich. Der An­teil an spe­ku­la­ti­ver und Pon­zi-Fi­nan­zie­rung nimmt zu. Die­ses Ver­hal­ten be­rei­tet den Bo­den für die nächs­te Kri­se. Nur schon ei­ne ge­rin­ge Wachs­tums­ver­lang­sa­mung lässt die Kon­kur­se an­schwel­len. So­mit führt Sta­bi­li­tät zu In­sta­bi­li­tät.

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