Wo­hin ten­die­ren Eu­ro-Ban­ken?

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS CORTÉS

Wäh­rend der letz­ten zwölf Mo­na­te ist der Eu­ro Sto­xx Ban­ken um 57,5% ge­stie­gen, in die­sem Jahr bis zum 30. Ju­ni um 11,4%. Die Ver­gleichs­zah­len für den Eu­ro Sto­xx 50 lau­ten 20,1 und 4,6%.

Das nennt man ei­nen po­si­ti­ven Trend re­la­ti­ver Stär­ke des Bran­chen­in­dex, wo­mit al­ler­dings ei­ne Fra­ge nicht be­ant­wor­tet wird: Wie ist der Rück­schlag seit dem 5. Mai um rund 6% zu wer­ten? Hat der Trend ge­dreht, oder läuft nur ei­ne Kon­so­li­die­rung ab?

Un­ser Er­gän­zungs-Tick

Ich set­ze auf ei­ne Kon­so­li­die­rung. In der gan­zen Ge­schich­te der Bör­sen wur­den Wen­den po­si­ti­ver Trends stets durch ei­ne über meh­re­re Mo­na­te an­hal­ten­de Schrump­fung der Markt­brei­te an­ge­kün­digt, die von ei­ner Fül­le wei­te­rer Si­gna­le be­glei­tet wur­de, die zeig­ten, dass im Markt ei­ne Art Re­vo­lu­ti­on von­stat­ten­ging – ein Auf­stand der bis­lang un­ter­le­ge­nen Par­tei der Bä­ren. Die­se Er­schei­nun­gen wa­ren zu be­ob­ach­ten, gleich­gül­tig, ob die Ein­gren­zung über Län­der-, Sek­to­ren- oder grös­se­re In­dus­trie­grup­pen vor­ge­nom­men wur­de. Kon­so­li­die­run­gen in Auf­wärts­trends kön­nen hap­pig aus­fal­len. Sind sie ers­tens er­kenn­bar, und kann zwei­tens das Aus­mass ab­ge­schätzt wer­den?

Bei der Be­ant­wor­tung bei­der Fra­gen ist ei­ne gros­se Pri­se Be­schei­den­heit an­ge­bracht. Wir Men­schen nei­gen da­zu, un­voll­stän­di­ge In­for­ma­tio­nen zu ei­nem ko­hä­ren­ten Gan­zen zu er­gän­zen. Des­we­gen glau­ben wir oft, Mus­ter zu er­ken­nen, wo es kei­ne gibt. Be­rühmt wur­de die Ana­lo­gie von W. Bri­an Ar­thur mit dem Kat­zen­schwanz, der hin­ter ei­ner Haus­ecke her­vor­ragt. Der Be­ob­ach­ter schliesst dar­aus, dass er zu ei­ner Kat­ze ge­hört, die sich hin­ter dem Haus be­fin­det. So mag es sein. Es kann sich aber auch um ei­nen Kat­zen­schwanz han­deln, der an ei­nem Drei­rad fest­ge­macht wur­de, das ein klei­ner Jun­ge ab­ge­stellt hat. Man nimmt au­to­ma­tisch das Na­he­lie­gen­de an. Es kann aber falsch sein.

Nur mit sehr viel Er­fah­rung im Um­gang mit Ker­zen­charts und Bol­lin­gerBän­dern und ei­ner Pri­se Glück las­sen sich be­gin­nen­de Kon­so­li­die­run­gen und ihr wahr­schein­li­ches, un­ge­fäh­res Aus­mass er­ken­nen. Ins­be­son­de­re stel­len «Bla­sen» in den 20- und/oder 40-Wo­chen-Bol­lin­ger-Bän­dern star­ke Hin­wei­se auf ei­ne be­gin­nen­de Kon­so­li­die­rung dar (vgl. Gra­fik: An­fang Mai war ei­ne Bla­se ent­stan­den, der ei­ne Kon­so­li­die­rung folg­te).

Die Gren­zen ken­nen

Mit tak­ti­schen Mass­nah­men, z. B. so­ge­nann­tem Re­ba­lan­cing, dar­auf zu re­agie­ren, lohnt sich al­len­falls, wenn die «Bla­se» viel grös­ser aus­ge­fal­len ist als im Fall des Eu­ro Sto­xx Ban­ken und gleich­zei­tig die Kur­se sich weit über dem glei­ten­den Durch­schnitt von zwan­zig Wo­chen be­fin­den. Kon­so­li­die­run­gen durch tak­ti­sche Mass­nah­men aus­wei­chen zu wol­len, lohnt sich bei Ab­we­sen­heit gros­ser «Bla­sen» nicht, denn es be­nö­tigt nicht nur viel Er­fah­rung und Glück, den Be­ginn von Kon­so­li­die­run­gen zu er­ken­nen, son­dern auch ihr En­de. Ge­lingt dies nicht, wird all­zu leicht die Teil­nah­me an gros­sen Trends zu früh un­ter- oder gar ab­ge­bro­chen.

Tech­ni­sche Ana­ly­se wird oft viel zu ober­fläch­lich er­lernt. Wer nur we­nig dar­über weiss, neigt da­zu, in den Charts und ih­ren Ablei­tun­gen mehr er­ken­nen zu wol­len, als sie her­ge­ben. Was Sinn macht und wo der Un­sinn be­ginnt, ha­ben der MIT-Pro­fes­sor And­rew Lo und Jas­mi­na Has­anhod­zic im Buch «The Evo­lu­ti­on of Tech­ni­cal Ana­ly­sis» ganz gut her­aus­ge­ar­bei­tet. Kennt man die Gren­zen, und zwar so­wohl sei­ne ei­ge­nen als auch die der tech­ni­schen Ana­ly­se, ist sie ein sehr nütz­li­ches In­stru­ment – aber nur dann. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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