An­ste­cken­de Wei­zen­ral­ly

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WALTER SCHNEI­DER

Der wet­ter­be­ding­te Ge­trei­de­preis­an­stieg zieht wei­te Krei­se.

Nach ei­nem ers­ten Halb­jahr mit stark rück­läu­fi­gen Roh­stoff­prei­sen hat in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ei­ne ein­drück­li­che Trend­wen­de ein­ge­setzt. Die brei­ten Roh­stoff­in­di­zes leg­ten in ei­ner Wo­che bis zu 6% zu.

Der Aus­lö­ser für den Kurs­an­stieg in na­he­zu al­len Roh­stoff­sek­to­ren ist wohl am ehes­ten bei den Agrar­märk­ten zu su­chen. Dort sorg­ten nach ei­ner lan­gen Pha­se mit fal­len­den oder sta­gnie­ren­den Prei­sen die un­güns­ti­gen Wet­ter­be­din­gun­gen in den USA für er­höh­te Ner­vo­si­tät. An­ge­führt von Wei­zen, des­sen Fu­tures sich in Chi­ca­go im Wo­chen­ver­gleich um ein Fünf­tel ver­teu­ert ha­ben, wei­sen auch Mais- und So­ja­fu­tures Kurs­ge­win­ne zwi­schen 4,5 und 6,5% auf. Nie­der­schlags­man­gel und ho­he Tem­pe­ra­tu­ren ge­fähr­den den Hekt­ar­er­trag wie auch die Qua­li­tät. Ein sol­cher Kurs­ver­lauf ist bei Ge­trei­de in die­ser Jah­res­zeit nicht aus­ser­ge­wöhn­lich. Nie­der­schlä­ge in den Mo­na­ten Ju­li und Au­gust sind für den Er­trag be­son­ders wich­tig. Ak­tu­el­le Lang­frist­pro­gno­sen, die ei­nen Hoch­druck­ein­fluss mit über­durch­schnitt­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren in Aus­sicht stel­len, sor­gen an den Fu­turesMärk­ten für ra­sant stei­gen­de Ri­si­ko­prä­mi­en. Be­schleu­nigt wur­de der Kurs­an­stieg zu­letzt durch gros­se Hedge Funds, die auf sin­ken­de Prei­se ge­wet­tet ha­ben und nun ih­re Short­po­si­tio­nen glatt­stel­len müs­sen. Aber auch Gross­ab­neh­mer aus der Nah­rungs­mit­tel­in­dus­trie, die sich we­gen kon­ti­nu­ier­lich sin­ken­den Prei­sen mit Ein­käu­fen zu­rück­ge­hal­ten hat­ten, kom­men jetzt un­ter Zug­zwang.

Nicht nur bei Ge­trei­de hat ein Stim­mungs­wech­sel statt­ge­fun­den. Auch an den Öl­märk­ten, die im Ju­ni ei­nen Preis­zer­fall von 20% er­lit­ten hat­ten, zie­hen die No­tie­run­gen an. Roh­öl der Nord­see­sor­te Brent ver­teu­er­te sich im Wo­chen­ver­gleich um mehr als 7%. Eu­ro­päi­sche Heiz­öl-Fu­tures sind über 9% ge­stie­gen, wäh­rend ame­ri­ka­ni­sches WTI-Roh­öl und USHeiz­öl 8 und 9% zu­ge­legt ha­ben.

Leicht rück­läu­fi­ge La­ger­be­stän­de und ei­ne seit Ja­nu­ar erst­mals ab­neh­men­de Zahl ak­ti­ver Bohr­tür­me mö­gen zur Preis­ral­ly bei­ge­tra­gen ha­ben. Noch wich­ti­ger ist aber auch auf dem Öl­markt die ein­sei­ti­ge Po­si­tio­nie­rung der gros­sen spe­ku­la­ti­ven Markt­teil­neh­mer. Ge­mäss dem Be­richt der Bör­sen­auf­sicht CFTC wa­ren Hedge Funds im gros­sen Stil in Leer­ver­käu­fen auf Roh­öl en­ga­giert. In den ver­gan­ge­nen Ta­gen wa­ren eben­falls rie­si­ge Rück­käu­fe zu be­ob­ach­ten. Nach ei­nem zwi­schen­zeit­li­chen Tief von we­ni- ger als 45 $ pro Fass (159 Li­ter) no­tiert Brent der­zeit wie­der un­weit der 50-$-Mar­ke. Für vie­le Markt­teil­neh­mer stellt sich nach dem ra­san­ten Preis­an­stieg die Fra­ge, ob die Baisse da­mit zu En­de ist. In An­be­tracht des wei­ter­hin spür­ba­ren An­ge­bots­über­hangs wird dies vie­ler­orts be­zwei­felt und manch ein Händ­ler war­tet auf ei­ne Ver­kaufs­ge­le­gen­heit.

Ne­ben den Ge­trei­de- und Ener­gie­märk­ten wei­sen auch die Ge­nuss­mit­tel kräf­ti­ge Kurs­ge­win­ne auf. Zucker ver­teu­er­te sich im Wo­chen­ver­gleich um mehr als 2%, Ka­kao stieg gut 6% und Zucker gar mehr als 8%. Die Roh­stoff­kauf­wel­le wur­de bis jetzt vor al­lem durch das Glatt­stel­len von Short­po­si­tio­nen ge­trie­ben und ein Do­mi­no­ef­fekt ist un­über­seh­bar. Tat­sa­che ist, dass sich da­durch die über­ver­kauf­te Si­tua­ti­on auf ei­ni­gen Märk­ten ent­spannt hat. Letzt­end­lich wer­den aber Fun­da­men­tal­da­ten den An­stieg recht­fer­ti­gen müs­sen. Im Zen­trum ste­hen die Ge­trei­de­märk­te. Die täg­lich ak­tua­li­sier­ten Lang­zeit­wet­ter­mo­del­le be­hal­ten ih­ren Ein­fluss auf die Ge­trei­d­eindi­zes und wer­den auch von Ak­teu­ren in an­de­ren Roh­stoff­sek­to­ren ge­nau ver­folgt.

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