Ho­he Ren­di­ten aus Schwel­len­län­dern

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - MA­RIO EISENEGGER,

Im ers­ten Halb­jahr ha­ben An­lei­hen aus Schwel­len­län­dern (Emer­ging Mar­kets, Em­Ma) Ren­di­ten im ho­hen ein­stel­li­gen Be­reich er­zielt. Die­se po­si­ti­ve Ent­wick­lung hat die An­la­ge­klas­se mit­hil­fe von Ka­pi­tal­ge­win­nen er­reicht, nach­dem sich die Cre­dit Spreads – die Ent­schä­di­gung für Kre­dit­ri­si­ken – in die­sem Jahr wei­ter ein­ge­engt hat­ten. In­ves­to­ren in EmMaStaats­an­lei­hen in Hart­wäh­rung wer­den im Schnitt mit 306 Ba­sis­punk­ten (Bp) über US-Staatsanleihen ent­schä­digt. Im Früh­jahr 2016 wa­ren dies noch 500 Bp.

Trotz­dem gibt es ei­ni­ge Grün­de, wes­halb Schwel­len­län­der­an­lei­hen auch in der zwei­ten Jah­res­hälf­te at­trak­tiv sind: Schwel­len­län­der kön­nen Wirt­schafts­zy­klen nur be­dingt dämp­fen. Je­doch pro­gnos­ti­ziert der IWF ein ver­bes­ser­tes glo­ba­les Wirt­schafts­wachs­tum. Dies wird von vie­len be­deu­ten­den Schwel­len­län­dern un­ter­stri­chen, die nach Jah­ren ho­her In­fla­ti­on und schwe­rer Re­zes­si­on ei­ne zy­kli­sche Er­ho­lung er­le­ben. Russ­land hat­te 2015 noch ei­ne In­fla­ti­ons­ra­te von über 16% – heu­te sind es 4,1%. Bra­si­li­en war vor ei­nem Jahr mit ei­ner Teue­rung von über 10% kon­fron­tiert – heu­te 3,6%. In­dus­trie­staa­ten kämp­fen hin­ge­gen wei­ter mit de­fla­tio­nä­ren Kräf­ten. Die jüngs­te EZB-Sit­zung hat ge­zeigt, dass die Zen­tral­ban­ker noch nicht das nach­hal­ti­ge In­fla­ti­ons­um­feld vor­fin­den, um die Geldpolitik zu nor­ma­li­sie­ren.

Die Zin­sen in Eu­ro­pa blei­ben tief, was den Be­darf an Al­ter­na­ti­ven hoch hal­ten wird. Schwel­len­län­der­an­lei­hen lo­cken wei­ter mit End­fäl­lig­keits­ren­di­ten von über 5%. Die Län­der ha­ben seit Jah­ren An­pas­sun­gen über Ab­wer­tun­gen und Re­duk­ti­on der Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zi­te durch­lau­fen. Heu­te sind sie stand­haf­ter ge­gen­über ex­ter­nen Fak­to­ren. Auch hat sich die Rhe­to­rik des US-Prä­si­den­ten zum Pro­tek­tio­nis­mus ab­ge­schwächt. So han­delt der me­xi­ka­ni­sche Pe­so heu­te – nach ei­nem kurz­zei­ti­gen Ab­schlag von über 15% – stär­ker zum Dol­lar als vor den US-Wah­len. Ri­si­ken in Emer­ging Mar­kets sind nun mehr auf lo­ka­ler Ebe­ne zu fin­den, und sie er­for­dern ei­ne ge­naue Ana­ly­se. Es gilt, die Län­der zu iden­ti­fi­zie­ren, die Fort­schrit­te bei der Haus­halts- so­wie der Leis­tungs­bi­lanz ver­zeich­nen, ein ver­bes­ser­tes po­li­ti­sches Um­feld bie­ten und kom­for­ta­ble Zen­tral­bank­re­ser­ven vor­wei­sen.

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