Geldpolitik gibt Takt vor

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - FE­LIX BRILL,

Die neue Zu­ver­sicht der No­ten­ban­ker muss den Pra­xis­test be­ste­hen.

Ein po­li­tisch auf­re­gen­des ers­tes Halb­jahr liegt hin­ter uns. Die letzt­lich kla­ren Sie­ge von Em­ma­nu­el Ma­cron zu­nächst bei den fran­zö­si­schen Prä­si­dent­schafts­wah­len und dann bei den Par­la­ments­wah­len ha­ben den Fi­nanz­märk­ten den Weg frei ge­macht für ei­nen deut­li­chen Stim­mungs­um­schwung zu­guns­ten Eu­ro­pas und des Eu­ros.

Ver­gan­ge­ne Wo­che hat EZBPrä­si­dent Ma­rio Draghi mit ei­ner viel be­ach­te­ten Re­de dem Eu­ro ei­nen wei­te­ren kräf­ti­gen Schub ver­lie­hen. Statt wie seit Jah­ren je­des noch so klei­ne Haar in der Sup­pe zu su­chen und sich auf De­fla­ti­ons­ge­fah­ren, ei­nen ver­letz­li­chen Kon­junk­tur­auf­schwung, po­li­ti­sche Un­si­cher­hei­ten oder Be­darf an struk­tu­rel­len Re­for­men zu kon­zen­trie­ren, schlug er für vie­le Markt­be­ob­ach­ter über­ra­schend auf ein­mal ganz an­de­re Tö­ne an.

Drag­his neue Tö­ne

So kön­ne et­wa von De­fla­ti­ons­ge­fah­ren nun wirk­lich kei­ne Re­de mehr sein. Selbst wenn die In­fla­ti­ons­ra­ten noch nicht ganz dort sei­en, wo die EZB sie mit­tel­fris­tig ger­ne ha­ben möch­te, sei es nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis die letz­ten da­für ver­ant­wort­li­chen Son­der­ef­fek­te aus­lau­fen wür­den. Zu­dem sei der Auf­schwung ro­bust und breit ab­ge­stützt, und die Po­li­tik in Brüs­sel, Pa­ris oder Rom wür­de nun nicht mehr als brem­sen­der Un­si­cher­heits­fak­tor wir­ken, son­dern der Kon­junk­tur zu­sätz­li­chen Rü­cken­wind ver­lei­hen.

In­ter­es­sant war auch der Hin­weis, dass die EZB-Mass­nah­men in vie­ler­lei Hin­sicht er­folg­rei­cher ge­we­sen sei­en als die QE-Pro­gram­me der US-No­ten­bank (Fed). Hier sprach ein EZB-Chef, der von sich und sei­ner Ar­beit über­zeugt ist und da­für An­er­ken­nung sucht. Die Re­de ver­fehl­te ih­re Wir­kung nicht. Nicht nur hat der Eu­ro auf brei­ter Front an Stär­ke ge­won­nen, auch die Ka­pi­tal­markt­zin­sen ha­ben spür­bar zu­ge­legt.

Die­se Wo­chen nun gab und gibt es ei­ne Rei­he von Da­ten und Er­eig­nis­se, die da­zu die­nen kön­nen, die neue Zu­ver­sicht der Zen­tral­ban­ker, für die Drag­his Re­de ex­em­pla­risch steht, ei­ner Rea­li­täts­über­prü­fung zu un­ter­zie­hen. Der Auf­takt ist je­den­falls ge­lun­gen. Die Kon­junk­tur­um­fra­gen bei Un­ter­neh­men aus dem ver­ar­bei­ten­den Ge­wer­be sind nicht nur in der Eu­ro­zo­ne ein­mal mehr ge­stie­gen, auch im Rest der Welt und al­len vor­an in den USA gab es teils kräf­ti­ge Ver­bes­se­run­gen.

Da­mit si­gna­li­sie­ren die Um­fra­gen nicht nur, dass das zu En­de ge­gan­ge­ne zwei­te Quar­tal sehr gut ge­lau­fen ist, son­dern sie las­sen auch zu­ver­sicht­lich auf das drit­te Vier­tel­jahr bli­cken.

2% und mehr mög­lich

Für die Eu­ro­zo­ne sind rea­le Wachs­tums­ra­ten von über 2% mög­lich, wie der auf den Um­fra­gen ba­sie­ren­de Kon­junk­tur­kli­ma­in­di­ka­tor von Wel­lers­hoff & Part­ners zeigt. Die Vor­zei­chen ste­hen gut, dass Draghi an der Pres­se­kon­fe­renz nach der Sit­zung des EZBRa­tes am Don­ners­tag er­neut Zu­ver­sicht zur Schau tra­gen wird.

In den USA ste­hen die­se Wo­che noch zwei wich­ti­ge Ver­öf­fent­li­chun­gen an. Zu­nächst darf man ge­spannt sein, wie die US-Bör­sen nach dem gest­ri­gen Fei­er­tag heu­te Abend auf die Ver­öf­fent­li­chung des jüngs­ten Fed-Pro­to­kolls re­agie­ren. Zu­dem kommt am Frei­tag der Ju­ni-Ar­beits­markt­be­richt, der neue An­halts­punk­te zur Lohn­ent­wick­lung lie­fern dürf­te.

Die Ver­öf­fent­li­chun­gen fal­len in ein Mar­kum­feld, das zu Be­ginn der Wo­che von stei­gen­den Ak­ti­en­kur­sen, stei­gen­den Zin­sen und ei­nem sich wie­der et­was er­ho­len­den Dol­lar ge­prägt war. Es fiel auf, dass der An­stieg der Ver­fall­ren­di­ten vor al­lem von stei­gen­den Re­al­zin­sen ge­kenn­zeich­net war. Die ge­han­del­ten In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen stan­den da­ge­gen noch un­ter dem Ein­druck des zwi­schen­zeit­lich star­ken Rück­gangs des Öl­prei­ses und der zu­letzt wie­der et­was schwä­che­ren In­fla­ti­on. Al­ler­dings voll­führ­te der Öl­preis am Mon­tag ei­ne kräf­ti­ge Auf­wärts­be­we­gung und leg­te da­mit in acht Ta­gen wie­der über 8% zu.

Im Ge­gen­satz da­zu ist der Gold­preis zu Wo­chen­be­ginn spür­bar ge­fal­len. Da­bei schwebt über all dem die ban­ge Fra­ge, ob der am Frei­tag be­gin­nen­de G-20-Gip­fel in Ham­burg glimpf­lich über die Büh­ne ge­hen wird. Für Span­nung ist im Rest der Wo­che ge­sorgt.

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