Zins­an­stieg be­las­tet Gold

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - NÉVINE POLLINI

Geo­po­li­ti­sche Span­nun­gen könn­ten aber bald Auf­wind ver­lei­hen.

Der Gold­preis hat die­se Wo­che noch ein­mal 2% ver­lo­ren und no­tier­te am Frei­tag­nach­mit­tag zu 1214 $/Un­ze. Seit dem Jah­res­höchst An­fang Ju­ni hat Gold über 6% an Wert ein­ge­büsst. Seit An­fang Jahr no­tiert Gold aber in Dol­lar im­mer noch fast 6% im Plus – mit Aus­nah­me ei­ni­ger Kurs­del­len im März und Mai und der ak­tu­el­len leg­te der Preis kon­ti­nu­ier­lich zu.

Ne­ga­tiv auf die Per­for­mance von Gold wirk­ten sich jüngst ne­ben dem stär­ke­ren Dol­lar, den stei­gen­den Ren­di­ten von USStaats­an­lei­hen und dem sich ste­tig bes­sern­den Ak­ti­en­markt­um­feld welt­weit auch die zu­letzt er­freu­li­che­ren US-Wirt­schafts­da­ten aus, wel­che die In­ves­to­ren ver­an­lass­ten, in ri­si­ko­rei­che­re An­la­gen zu wech­seln.

An der Zins­sit­zung im Ju­ni er­höh­te das Fed er­war­tungs­ge­mäss das zwei­te Mal in die­sem Jahr die Zin­sen um 25 Ba­sis­punk­te. Die Fed-Vor­sit­zen­de, Ja­net Yel­len, zeich­ne­te ein eher po­si­ti­ves Bild der US-Wirt­schaft und mein­te, dass es sich bei den we­ni­gen ent­täu­schen­den Ma­kro­da­ten von An­fang Ju­ni le­dig­lich um ei­ne vor­über­ge­hen­de Ein­trü­bung ge­han­delt ha­ben dürf­te. Yel­len setzt wei­ter­hin auf ei­ne schritt­wei­se Zins­er­hö­hung, macht die Zin­sent- schei­dun­gen aber von den Da­ten ab­hän­gig. Die Wahr­schein­lich­keit ei­ner wei­te­ren Zins­an­he­bung bis En­de Jahr liegt der­zeit bei 46%.

Yel­len kün­dig­te zu­dem ein Pro­gramm zur Nor­ma­li­sie­rung der Bi­lanz an, das «re­la­tiv bald» be­gin­nen soll­te. Füh­ren­den Be­ob­ach­tern zu­fol­ge könn­te das be­reits im Sep­tem­ber oder Ok­to­ber der Fall sein. Die­ser Bi­lanz­ab­bau wird sanft er­fol­gen, denn die re­inves­tier­ten Bar­be­stän­de und Mit­tel aus der Til­gung von mit Hy­po­the­ken un­ter­leg­ten Wert­pa­pie­ren wer­den Quar­tal für Quar­tal zu­rück­ge­hen. Yel­len zu­fol­ge wer­den die Po­si­tio­nen da­durch lang­sam und be­re­chen­bar wei­ter sin­ken kön­nen, bis der Of­fen­markt­aus­schuss der Mei­nung ist, dass das Fed nur noch so vie­le Wert­pa­pie­re hält, wie sie für ei­ne ef­fi­zi­en­te und ef­fek­ti­ve Um­set­zung ih­rer Geld­po­li­tik be­nö­tigt.

Das Fed ist bei Wei­tem nicht die ein­zi­ge Bank, die ei­nen schär­fe­ren Ton an­schlägt: Die Ren­di­ten glo­ba­ler An­lei­hen stei­gen, denn es wird da­mit ge­rech­net, dass die meis­ten Zen­tral­ban­ken an der Zins­schrau­be dre­hen wer­den, be­fin­det sich doch der Gross­teil der Volks­wirt­schaf­ten der Welt auf dem Er­ho­lungs­pfad und kann ei­ne straf­fe­re Geld­po­li­tik ver­kraf­ten. Ob­wohl die EZB ih­re Geld- po­li­tik jüngst un­ver­än­dert be­liess, be­zeich­ne­te ihr Chef Ma­rio Draghi die Ri­si­ken für den Wachs­tums­aus­blick nun als aus­ge­wo­gen und pass­te die For­ward Gui­dance leicht an. Auch die Bank of En­g­land deu­te­te ei­nen re­strik­ti­ve­ren geld­po­li­ti­schen Kurs an. Da die wich­tigs­ten Leit­zin­sen welt­weit nur sehr lang­sam und von ei­nem äus­serst tie­fen Ni­veau stei­gen wer­den, dürf­ten sich die ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf Gold in Gren­zen hal­ten, zu­mal die In­fla­ti­on in den USA und in an­de­ren Län­dern sehr zag­haft ist, auch wenn das Fed der Mei­nung ist, dass der ro­bus­te Ar­beits­markt letzt­lich auf die In­fla­ti­on durch­schla­gen wird.

Den­noch ist im Zu­sam­men­hang mit Gold­an­la­gen Vor­sicht ge­bo­ten. Der Un­zen­preis dürf­te in ei­ner Band­brei­te von 1100 und 1300 $ ver­har­ren. Es ist je­doch nicht aus­zu­schlies­sen, dass ver­schie­de­ne Fak­to­ren dem gel­ben Me­tall Auf­trieb ver­lei­hen könn­ten. Da­zu ge­hö­ren die Un­si­cher­heit dar­über, ob die Trump-Re­gie­rung das ver­spro­che­ne Wachs­tums­pro­gramm um­set­zen kann, die geo­po­li­ti­schen Span­nun­gen in der Golf­re­gi­on und die Ra­ke­ten­be­dro­hung durch Nord­ko­rea.

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