Stei­gen­de Zin­sen be­las­ten

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - THO­MAS HEL­LER,

No­ten­bank­pro­to­kol­le sor­gen für Zins­be­we­gung, der Eu­ro legt zu.

Von der Kon­junk­tur kom­men wei­ter­hin mehr­heit­lich po­si­ti­ve Si­gna­le. Al­len vor­an aus der Eu­ro­zo­ne. Nach dem be­reits star­ken Ein­kauf­ma­na­ger­index (PMI) für die In­dus­trie über­zeug­te auch der Di­enst­leis­tungs-PMI, der sich trotz ei­nes klei­nen Rück­set­zers im Ju­ni wei­ter deut­lich über 50 hält. Auch der star­ke US-Ar­beits­markt­be­richt passt ins Bild: Im Ju­ni wur­den 222 000 Stel­len ge­schaf­fen. Das ist der höchs­te Wert seit Fe­bru­ar.

Die gu­te Kon­junk­tur bil­det die Ba­sis für den von den No­ten­ban­ken ein­ge­lei­te­ten Kurs­wech­sel. So hat die US-No­ten­bank (Fed) Mit­te Ju­ni erst­mals kon­kre­te­re An­ga­ben zur ge­plan­ten Bi­lanz­ver­kür­zung ge­macht. Laut Fed-Sit­zungs­pro­to­koll herrscht kei­ne Ei­nig­keit über den Start­zeit­punkt. Den­noch ist da­mit zu rech­nen, dass das Fed noch in die­sem Jahr be­ginnt, ei­nen Teil der aus­lau­fen­den An­lei­hen nicht mehr zu re­inves­tie­ren.

Zins­sprün­ge

Im Ju­ni hat­te EZB-Prä­si­dent Ma­rio Draghi erst­mals die Wachs­tums­ri­si­ken nicht mehr als «ab­wärts­ge­rich­tet» ein­ge­stuft. Auch fehl­te in sei­nen Aus­füh­run­gen der Pas­sus zu noch tie­fe­ren Zin­sen. Dem EZB-Pro­to­koll ist zu ent­neh­men, dass dis­ku­tiert wur­de, so­gar die Mög­lich­keit ei­ner Aus­wei­tung der An­lei­hen­käu­fe nicht mehr zu er­wäh­nen. Man ei­nig­te sich dann aber dar­auf, dies nicht zu tun.

Nach­dem be­reits ver­gan­ge­ne Wo­che der op­ti­mis­ti­sche Aus­blick von Ma­rio Draghi ei­nen Sprung der Zin­sen aus­ge­löst hat­te, trug die jüngs­te De­bat­te zu ei­nem wei­te­ren An­stieg bei. Die Ren­di­te auf zehn­jäh­ri­ge deut­sche Staats­an­lei­hen stieg von 0,24 auf 0,57%.

Im Sog der deut­schen Zin­sen zog auch die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger «Eid­ge­nos­sen» an und no­tiert nach zwei mehr­heit­lich ne­ga­ti­ven Jah­ren wie­der im po­si­ti­ven Be- reich. Weil der Zins­an­stieg in der Eu­ro­zo­ne am stärks­ten aus­fiel, war der Eu­ro ge­sucht und stieg auf fast 1.10 Fr./€, den höchs­ten Stand seit Sep­tem­ber 2016. Der Yen hin­ge­gen ent­wi­ckel­te sich schwach, nach­dem die ja­pa­ni­sche Zen­tral­bank am Frei­tag Mass­nah­men ge­gen ei­nen An­stieg der Lang­frist­zin­sen an­ge­kün­digt hat­te.

Trotz des Tau­chers der Ak­ti­en­märk­te leg­te der Gold­preis nicht zu. Das er­klärt sich aus den Ur­sa­chen: Die Ak­ti­en ste­hen nicht we­gen geo­po­li­ti­scher oder fi­nan­zi­el­ler Kri­sen un­ter Druck, son­dern we­gen stei­gen­der Zin­sen. Und stei­gen­de Zin­sen las­ten auch auf dem Gold­preis. Denn da­durch wird der Zin­s­er­trag, der Gold­be­sit­zern ent­geht, grös­ser.

Seit Be­ginn des Zins­an­stiegs sind die Ak­ti­en­märk­te in der Eu­ro­zo­ne und den USA un­ter Druck. Schwach ent­wi­ckel­ten sich vor al­lem Ak­ti­en aus den Bran­chen Ener­gie, Nah­rung und Ge­sund­heit. Der schwä­che­re Öl­preis drück­te auf die Stim­mung bei den Öl­wer­ten. De­fen­si­ve und di­vi­den­den­star­ke Bran­chen wa­ren we­ni­ger ge­fragt, da sie ih­ren Sta­tus als «Ob­li­ga­tio­nen­er­satz» bei stei­gen­den Zin­sen zu­se­hends ver­lie­ren. Un­ter­neh­men aus der Fi­nanz­bran­che ha­ben sich bes­ser ent­wi­ckelt.

Öl bleibt un­ter Druck

Stei­gen­de Zin­sen be­deu­ten für Ban­ken und Ver­si­che­rer ten­den­zi­ell hö­he­re Ge­win­ne. Schwel­len­län­der­ak­ti­en be­haup­te­ten sich et­was bes­ser als ih­re west­li­chen Pen­dants. Laut Da­ten­pro­vi­der EPFR Glo­bal fliesst seit sech­zehn Wo­chen Ka­pi­tal in Schwel­len­län­der­ak­ti­en­fonds. Da­ge­gen wur­de aus US-Ak­ti­en­fonds in acht der letz­ten zehn Wo­chen net­to Geld ab­ge­zo­gen. Eu­ro­päi­sche Ak­ti­en ha­ben nach Drag­his Wor­ten et­was an Be­liebt­heit ein­ge­büsst: Erst­mals seit Fünf­zehn Wo­chen ist aus die­sen Fonds wie­der Ka­pi­tal ab­ge­flos­sen.

Der Öl­preis stand in den letz­ten Ta­gen wie­der un­ter Druck. Da­zu bei­ge­tra­gen hat, dass an­geb­lich we­der Russ­land noch die Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­te zu­sätz­li­che Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen wol­len. Die Schmerz­gren­ze scheint noch nicht er­reicht. Zu­dem las­sen Fracht­da­ten dar­auf schlies­sen, dass die Opec-Pro­duk­ti­ons­kür­zun­gen we­ni­ger dis­zi­pli­niert ein­ge­hal­ten wer­den. Ein un­er­war­tet star­ker Rück­gang der Öl­la­ger in den USA stütz­te den Preis nur kurz. Auch dass Russ­land die Kür­zungs­wün­sche Wün­sche ei­ni­ger Opec-Län­der zu­min­dest prü­fen wol­le, ge­nüg­te nicht für ei­nen Stim­mungs­um­schwung.

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