Das Wich­tigs­te

Finanz und Wirtschaft - - FINANZ -

«Beim IPO von Ga­le­ni­ca San­té gin­gen 70% der Ban­ken, Fonds­häu­ser und wei­te­rer in­sti­tu­tio­nel­ler An­le­ger leer aus», er­zählt ein wei­te­rer Ex­per­te. Der Grund für das an­hal­ten­de Ru­mo­ren rund um Ga­le­ni­ca liegt ei­gent­lich in der De­al­struk­tur. «Es wä­re rich­tig ge­we­sen, den be­ste­hen­den Ak­tio­nä­ren der al­ten Ga­le­ni­ca ein Be­zugs­recht zu­zu­tei­len», sagt ein in­ter­na­tio­nal ak­ti­ver In­vest­ment­ban­ker. Ein Al­t­ak­tio­när von Ga­le­ni­ca, der beim IPO der Toch­ter­ge­sell­schaft leer aus­ge­gan­gen ist, spricht des­halb von Ent­eig­nung.

Die Gross­ban­ken UBS und Cre­dit Suis­se hät­ten ih­re Gross­kun­den be­rück­sich­tigt, mut­masst er. So sei Black­rock zu ei­ner Be­tei­li­gung von ins­ge­samt über 5% ge­kom­men, ob­wohl die US-Fonds­an­bie­te­rin an der Vor­gän­ger­ge­sell­schaft nur rund 3% ge­hal­ten ha­be. Es gibt kein Recht auf Zu­tei­lung von Ak­ti­en im Rah­men ei­nes Bör­sen­gangs. Bei in­sti­tu­tio­nel­len An­le­gern ent­schei­det der Emit­tent ( Ver­käu­fer) über die Zu­tei­lung, bei Pri­vat­kun­den die Bank. Die Ban­ken müs­sen nach­voll­zieh­ba­re Kri­te­ri­en bei der Zu­tei­lung an­wen­den, die­se kön­nen aber durch­aus auch sub­jek­tiv sein.

Aus Gross­bank­krei­sen wird be­teu­ert, die Zu­tei­lun­gen je In­ves­to­ren­ka­te­go­rie wer­de nach ob­jek­ti­ven Kri­te­ri­en vor­ge­nom­men, und zwar zu­sam­men mit dem Ma­nage­ment und dem Ver­käu­fer. Ei­ne Rol­le spiel­ten da­bei die Qua­li­tät des In­ves­tors, et­wa der Zeit­punkt der Or­der und die Rück­mel­dun­gen der In­ves­to­ren wäh­rend des IPO-Pro­zes­ses. Ge­sucht sind al­ler­dings auch In­ves­to­ren, die schnell ver­kau­fen und für ei­ne ge­wis­se Li­qui­di­tät sor­gen.

Es gilt die Ver­trags­frei­heit

Im Prin­zip gilt Ver­trags­frei­heit. Ein Recht auf Zu­tei­lung gibt es nicht, we­der für in­sti­tu­tio­nel­le noch für pri­va­te In­ves­to­ren. So­mit kann der Ver­käu­fer ein op­ti­ma­les Ak­tio­na­ri­at zu­sam­men­zu­stel­len – wie auch im­mer er das de­fi­niert. «Heu­te kön­nen in ei­ner Vor­zu­tei­lung 30 bis 40% des Emis­si­ons­vo­lu­mens an ‘Fri­ends and Fa­mi­ly’ des Emit­ten­ten ge­hen», er­zählt ein Be­ob­ach­ter. Ge­wis­se Ban­ken und In­sti­tu­tio­nel­le hät­ten gros­se Ga­le­ni­ca-Zu­tei­lun­gen be­kom­men.

Pech hat­te of­fen­bar die Grup­pe der Pri­vat­an­le­ger. «Wenn der Ka­pi­tal­markt den Klein­an­le­ger nicht braucht, be­han- delt er ihn ent­spre­chend schlecht», res­u­miert der Be­ob­ach­ter.

Die Richt­li­ni­en der Ban­kier­ver­ei­ni­gung über die Zu­tei­lung bei Ak­ti­en­emis­sio­nen er­lau­ben fast al­les, so­lan­ge die Kri­te­ri­en nach­voll­zieh­bar sind: Los, Or­der­grös­sen, Ver­bes­se­rung von Po­si­ti­on der Bank, Kun­den­be­zie­hung usw. «Un­fai­re» Zu­tei­lun­gen sind auch nicht Sa­che der Fin­ma: «Es gibt kei­ne auf­sichts­recht­li­chen Be­stim­mun­gen, wel­che die Be­zugs­rech­te bei IPO re­geln», heisst es dort.

Wil­der Wes­ten herrscht des­we­gen nicht un­be­dingt. «Bei uns lau­tet der Grund­satz ’fair and equal’», be­tont Clau­dio Stu­der, Lei­ter Ak­ti­en­han­del bei Ju­li­us Bär. Zeich­nun­gen wür­den wei­ter­ge­lei­tet, falls der Kun­de ge­nü­gend li­qui­de Mit­tel hat, um ei­ne all­fäl­li­ge vol­le Zu­tei­lung zu be­zah­len. «Falls die Emis­si­on über­zeich­net ist, neh­men wir ei­ne pro­zen­tua­le Zu­tei­lung vor. Von die­sem Prin­zip weicht Ju­li­us Bär bei Kleinst­zu­tei­lun­gen ab.» Bei Zur Ro­se und Ga­le­ni­ca ha­be die Bank die Nach­fra­ge im Rah­men von 5 bis 6% be­die­nen kön­nen. Die Zu­tei­lungs­richt­li­ni­en müs­sen in den in­ter­nen Wei­sun­gen fest­ge­hal­ten wer­den, und die in­ter­ne Re­vi­si­on prüft de­ren Ein­hal­tung.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.