Die Wachs­tums­aus­sich­ten von No­var­tis lie­gen im Bran­chen­schnitt

Finanz und Wirtschaft - - NHARDT IM GESPRÄCH - GRI

Der Ak­ti­en­kurs der letz­ten Jah­re von No­var­tis spricht für sich. Von dem im Som­mer 2015 er­reich­ten Höchst von et­was über 100 Fr. sind die Ti­tel weit ent­fernt. Mit der Ab­lö­sung von Da­ni­el Va­sel­la durch Jörg Rein­hardt als VR-Prä­si­dent im Jahr 2013 ent­stan­den zu­nächst gros­se Hoff­nun­gen auf ei­ne neue Ära. In­zwi­schen herrscht Er­nüch­te­rung.

Das Ver­spre­chen, die Mar­gen zu ver­bes­sern, hat Rein­hardt zwar zu­nächst er­füllt. Schon we­ni­ger als ein Jahr nach Amts­an­tritt fo­kus­sier­te er No­var­tis auf die ren­ta­bels­ten Ge­schäf­te und auf mehr Ef­fi­zi­enz in der Ver­wal­tung. Haus­ge­mach­te Pro­ble­me las­sen den Glanz der bis­her ge­leis­te­ten Ar­beit mitt­ler­wei­le aber et­was ver­blas­sen. We­gen man­geln­der In­no­va­ti­ons­kraft geht der Ge­winn der Au­gen­heil­spar­te Al­con seit 2015 zu­rück. Aus­ser­dem sind No­var­tis Feh­ler beim Ma­nage­ment zur Pro­dukt­port­fo­li­o­er­neue­rung in der Phar­ma­spar­te un­ter­lau­fen. Die Fol­ge: zwei Über­gangs­jah­re mit rück­läu­fi­gem ope­ra­ti­vem Er­geb­nis. Erst ei­nes da­von liegt hin­ter dem Kon­zern.

Für 2017 rech­net No­var­tis mit ei­nem Um­satz in et­wa auf Vor­jah­res­ni­veau. Die Kos­ten für die Ent­wick­lung neu­er Me­di­ka­men­te stei­gen trotz­dem von Jahr zu Jahr. Hin­zu kom­men zu­sätz­li­che Mar­ke­ting-Auf­wen­dun­gen, um Al­con und das bis­lang zu we­nig er­folg­rei­che, aber zu­kunfts­ent­schei­den­de Herz­prä­pa­rat En­t­res­to fit zu trim­men.

Das Schlimms­te scheint al­ler­dings vor­über zu sein. En­t­res­to nimmt lang­sam Fahrt auf, und auch bei Al­con zeich­net sich Wachs­tum ab. Hin­zu kommt, dass No­var­tis in der Ent­wick­lung neu­er Me­di­ka­men­te jüngst zwei wich­ti­ge Er­fol­ge fei­ern konn­te. Der Wirk­stoff Kis­qa­li wur­de in den USA so­eben für die Be­hand­lung von Brust­krebs zu­ge­las­sen, und das be­reits ge­gen die Stoff­wech­sel­krank­heit CAPS und ge­gen Gicht zu­ge­las­se­ne Me­di­ka­ment Ila­ris zeig­te vor rund vier Wo­chen in ei­ner Stu­die bei Herz­in­farkt­pa­ti­en­ten Wir­kung. Bei­de The­ra­pie­ge­bie­te ber­gen Mil­li­ar­den­po­ten­zi­al und ar­ron­die­ren bei No­var­tis be­reits be­ste­hen­de The­ra­pie-Fran­chi­sen. Wei­te­re Dy­na­mik bie­ten bio­tech­no­lo­gi­sche Ge­ne­ri­ka (Bio­si­mi­lars). Als In­no­va­ti­ons­lea­der gilt es dort, ei­nen bis­lang weit­ge­hend neu­en Markt zu er­schlies­sen.

Al­les in al­lem rech­net das Ma­nage­ment ab 2018 des­halb mit der Rück­kehr zu ei­ner lang an­hal­ten­den Wachs­tums- pha­se auf Um­satz- wie Ge­win­ne­be­ne. Da­bei soll ein Ef­fi­zi­enz­stei­ge­rungs­pro­gramm dem Ge­winn zu­sätz­li­chen Schwung ver­lei­hen. Bis 2020 soll jähr­lich 1 Mrd. $ Kos­ten weg­fal­len.

Bis­lang un­be­ant­wor­tet lässt No­var­tis die Fra­ge, ob Al­con zu ei­nem Phar­ma­kon­zern passt. Im­mer­hin teil­te die Ge­sell­schaft An­fang 2017 mit, sie su­che für Al­con nach ei­ner Lö­sung, die für den Ak­tio­när Mehr­wert stif­te. Drei Mög­lich­kei­ten sind denk­bar: der Ver­bleib im Kon­zern, ein Ver­kauf an Drit­te oder ein Spin-out an die Ak­tio­nä­re. Ak­tu­ell führt No­var­tis Al­con mit 20,5 Mrd. $ in den Bü­chern.

Ana­lys­ten rech­nen für die nächs­ten drei Jah­re mit ei­nem jähr­li­chen Ge­winn­wachs­tum von et­was über 6%. Das liegt in et­wa auf dem Bran­chen­schnitt. Den­noch sind die Ti­tel mit ei­nem KGV von 17 für 2017 et­was dar­über be­wer­tet. Da­mit neh­men sie ei­nen Teil des er­hoff­ten Wachs­tums von 2018 be­reits vor­weg. Al­ler­dings sind die Er­war­tun­gen an No­var­tis der­zeit ge­ring. So­mit be­steht Raum für po­si­ti­ve Über­ra­schun­gen. Wei­te­re An­halts­punk­te da­zu wird No­var­tis zum Halb­jah­res­er­geb­nis am 18. Ju­li ge­ben. An­le­ger soll­ten die Ak­ti­en der Bas­ler auf dem Ra­dar be­hal­ten.

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