Un­ter Wert

Finanz und Wirtschaft - - UNTERNEHMEN - AK

So et­was ist sel­ten zu se­hen: Von sech­zehn Ana­lys­ten ra­ten nach Bloom­berg al­le zum Kauf der Ak­ti­en Nas­pers ( Jo­han­nes­burg: SJ, Kurs: 2572 Rand, Markt­wert 1129 Mrd. Rand oder 79,5 Mrd. Fr.). Das süd­afri­ka­ni­sche Me­di­en­haus hält vie­le Be­tei­li­gun­gen an In­ter­net­un­ter­neh­men, dar­un­ter gros­se An­tei­le am in­di­schen ECom­mer­ce-An­bie­ter Flip­kart und am rus­si­schen In­ter­net­an­bie­ter Mail.ru.

Der wich­tigs­te Ak­tiv­pos­ten ist die Be­tei­li­gung von 33% an der ko­tier­ten Ten­cent, die in Chi­na von On­li­ne-Spie­len, E-Com­mer­ce, Mes­sa­ging-Di­enst oder On­li­ne­me­di­en das gan­ze Spek­trum im In­ter­net ab­deckt. Al­lein der Wert die­ser Be­tei­li­gung über­steigt die Bör­sen­ka­pi­ta­li­sie­rung von Nas­pers um ei­nen Drit­tel.

Die­ser Um­stand ist ei­ne Er­klä­rung für die ein­hel­li­ge Kauf­emp­feh­lung der Ana­lys­ten. Doch es gibt Markt­stim­men, die von ei­ner «un­ge­sun­den Ab­hän­gig­keit» von Ten­cent spre­chen. An­fang Ju­li kri­ti­sier­te «People’s Dai­ly», ein Sprach­rohr der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Chi­nas, das Sucht­po­ten­zi­al von «Ho­nour of Kings», des er­folg­reichs­ten On­li­ne­spiels von Ten­cent, und warf dem Un­ter­neh­men vor, Kin­der zu schä­di­gen, um Ge­winn zu ma­chen. Die Ak­ti­en ver­lo­ren an dem Tag zeit­wei­se über 5% und zo­gen die Ti­tel von Nas­pers über 4% nach un­ten.

Von Ak­tio­närs­sei­te ist ge­for­dert wor­den, Nas­pers sol­le sich von der Ten­cen­tBe­tei­li­gung tren­nen, um Wer­te frei­zu­set­zen und den Kon­glo­me­rats­ab­schlag zum Ver­schwin­den zu brin­gen. Nas­pers-CEO Bob van Di­jk hat ei­ne Ab­spal­tung aber aus­ge­schlos­sen. In dem Zu­sam­men­hang ist die Fra­ge von In­ter­es­se, wer ei­gent­lich das Me­di­en­haus kon­trol­liert. Die Ei­g­ner­struk­tur ist kom­plex und ei­ne Ver­mu­tung lau­tet, dass über Stimm­rechts­ak­ti­en Nas­pers-Ver­ant­wort­li­che und ih­nen Na­he­ste­hen­de das Sa­gen ha­ben. Das lässt den üb­ri­gen Ak­tio­nä­ren kaum Chan­cen, Druck aus­zu­üben und die Stra­te­gie zu be­ein­flus­sen, und trägt da­zu bei, dass die Nas­pers-Ak­ti­en ei­nen Ma­lus auf­wei­sen.

Dass der Bör­sen­wert der Me­di­en­grup­pe klar un­ter dem Wert ih­rer Ten­cent-Be­tei­li­gung liegt, be­deu­tet aber auch: Den rest­li­chen Ge­schäf­ten von Nas­pers wird ein ne­ga­ti­ver Wert bei­ge­mes­sen. Noch un­ren­ta­bel ist et­wa der Be­reich E-Com­mer­ce. Er brach­te im Ge­schäfts­jahr 2017, das im März en­de­te, ei­nen Be­triebs­ver­lust auf Stu­fe Ebit­da von 682 Mio. $. Die Kon­zern­ver­ant­wort­li­chen le­gen denn auch ei­nen Fo­kus dar­auf, die E-Com­mer­ce-Ge­schäf­te zu ver­grös­sern und ren­ta­bel zu ma­chen.

Das Nas­pers-Ma­nage­ment hat da­bei ei­nen gu­ten Leis­tungs­aus­weis, was in der Schweiz be­kannt ist. Ta­me­dia, die «Fi­nanz und Wirt­schaft» her­aus­gibt, kauf­te Nas­pers 2015 den da­mals 40 Mio. Fr. um­set­zen­den On­li­ne-Markt­platz Ri­car­do.ch ab, zum stol­zen Preis von 240 Mio. Fr. Nas­pers bis­he­ri­ge Er­fol­ge, die sich in der Kurs­ent­wick­lung ma­ni­fes­tie­ren, sind mit ein Grund, wes­halb die Ak­ti­en ei­ne Wet­te wert sind.

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