Roh­öl­ral­ly ist vor­bei

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - WAL­TER SCHNEI­DER

Die Sor­te Brent fällt auf 46 $. Bei Ge­trei­de be­steht Auf­wärts­po­ten­zi­al.

Bei den meis­ten Roh­stof­fen war die Ral­ly der Vor­wo­che von kur­zer Dau­er. Mit Aus­nah­me von Ge­trei­de ge­rie­ten na­he­zu al­le Wa­r­ensek­to­ren in den letz­ten Ta­gen un­ter Ab­ga­be­druck.

Der Öl­markt, der zu­vor im Sog ei­nes ge­ne­rel­len Roh­stoff­preis­auf­schwungs zu­ge­legt hat­te, büss­te den gröss­ten Teil der Avan­ce ein. Roh­öl-Fu­tures für die Nord­see­sor­te Brent ten­dier­ten am Mon­tag ge­gen 46 $ pro Fass, nach­dem vor Wo­chen­frist noch bis zu 50 $ be­zahlt wor­den wa­ren. Auch die USQua­li­tät West Te­xas In­ter­me­dia­te ( WTI) fiel an der New Yor­ker Fu­tures-Bör­se am Mon­tag un­ter 44 $, was ei­nem Wo­chen­ver­lust von mehr als 5% ent­spricht.

Ge­mäss der jüngs­ten Sta­tis­tik hat die Or­ga­ni­sa­ti­on öl­ex­por­tie­ren­der Staa­ten Opec im Ju­ni 25,92 Mio. Fass Öl pro Tag ex­por­tiert, das ist im Ver­gleich zum Vor­mo­nat ei­ne Stei­ge­rung von 450 000 Fass. Vor al­lem Li­by­en und Ni­ge­ria, die von der För­der­be­schrän­kung der Opec aus­ge­nom­men sind, stei­ger­ten den Aus­stoss zu­letzt deut­lich. Be­reits wer­den Stimmen laut, die im Vor­feld des Tref­fens vom 24. Ju­li, wenn Opec-Ver­tre­ter und Russ­land den Ein­hal­tungs­grad der Be­schrän­kun­gen dis­ku­tie­ren, den Ein­be­zug von Li­by­en und Ni­ge­ria ins Ab­kom­men for­dern.

In den USA hält der För­der­boom wei­ter an. Nach ei­nem leich­ten Rück­gang der ak­ti­ven För­der­stel­len in der Vor­wo­che be­rich­tet der Öl­dienst­leis­ter Ba­ker Hug­hes von ei­ner Zu­nah­me der ak­ti­ven Bohr­tür­me. Die täg­li­che Öl­för­de­rung hat in den USA 9,34 Mio. Fass er­reicht, was ei­nem Zu­wachs von 10% seit Mit­te 2016 ent­spricht. Die USA kom­pen­sie­ren so­mit ei­nen gros­sen Teil je­ner För­der­men­ge, wel­che die Opec und Russ­land frei­wil­lig zu­rück­hal­ten.

Die Ge­nuss­mit­tel­märk­te, die An­fang Ju­li eben­falls kräf­tig zu­ge­legt hat­ten, ten­die­ren ne­ga­tiv. Gros­ser Ver­lie­rer sind Ka­kao-Fu­tures, die im Ver­gleich zur Vor­wo­che mehr als 6% ein­ge­büsst ha­ben. Mit Prei­sen um 1800 $ pro Ton­ne ist Ka­kao nicht mehr weit vom Zehn­jah­res­tief vom Ju­ni ent­fernt.

Im Fo­kus der Fu­tures-Händ­ler ste­hen noch im­mer die Ge­trei­de­märk­te. War es zu­erst vor al­lem Wei­zen, der für Be­un­ru­hi­gung sorg­te, so ist die Kauf­wel­le jetzt auch auf Mais und So­ja über­ge­schwappt. Nach­dem Tro­cken­heit und Hit­ze den nörd­li­chen Som­mer­wei­zen­re­gio­nen zu­ge­setzt hat­ten, wei­tet sich das Pro­blem jetzt auch auf den west­li­chen Teil des Mais­gür­tels aus. Me­teo­ro­lo­gen spre­chen in ih­ren Lang­zeit­pro­gno­sen von ei­nem er­heb­li- chem Nie­der­schlags­de­fi­zit. So­wohl Mais wie auch So­ja er­rei­chen dem­nächst ih­re Blü­te­zeit. Dann ist Re­gen be­son­ders wich­tig und ent­schei­dend für den Hekt­ar­er­trag.

Wäh­rend bei Wei­zen-Fu­tures nach dem mas­si­ven Preis­an­stieg der letz­ten Wo­chen ei­ne Kon­so­li­die­rung ein­ge­setzt hat, ver­zeich­ne­ten Mais- und So­ja-Fu­tures rie­si­ges Kauf­in­ter­es­se. Mit Wo­chen­ge­win­nen von mehr als 5% bei So­ja und 4,5% bei Mais sorg­ten sie bei den spe­ku­la­ti­ven Hedge Funds für gros­se Ner­vo­si­tät.

Die­se hat­ten mit rie­si­gen Leer­ver­käu­fen auf sin­ken­de Kur­se ge­setzt und wur­den nun auf dem fal­schen Fuss er­wischt. Ge­mäss dem jüngs­ten Po­si­ti­ons­be­richt der USBör­sen­auf­sicht CFTC hat sich die­se In­ves­to­ren­ka­te­go­rie in der Wo­che zum 3. Ju­li mit 28 000 Kon­trak­ten auf Wei­zen, 48 000 Kon­trak­ten auf So­ja und 59 000 Kon­trak­ten auf Mais ein­ge­deckt. Da­mit be­sit­zen die Hedge Funds jetzt ei­ne Long-Po­si­ti­on bei Wei­zen, ver­fü­gen aber noch im­mer über er­heb­li­che Short-Po­si­tio­nen bei Mais und So­ja. Soll­ten sich al­so die Wet­ter­aus­sich­ten nicht bes­sern, so be­steht bei Ge­trei­de wei­te­res Kur­s­po­ten­zi­al nach oben.

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