Dop­pel­te Ge­fahr im An­zug

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN -

Bahnt sich ein Déjà-vu an? Wie beim «Ta­per Tan­trum» 2013 gibt es auch die­sen Som­mer wie­der dunk­le Ge­wit­ter­wol­ken am Ob­li­ga­tio­nen­ho­ri­zont. Die Si­gna­le der Zen­tral­ban­ken auf der gan­zen Welt deu­ten dar­auf hin, die Li­qui­di­täts­ver­sor­gung ein­zu­schrän­ken, wor­auf die Märk­te wie ge­habt hef­tig re­agiert ha­ben. Die Ren­di­ten deut­scher Bun­des­an­lei­hen ha­ben sich mehr als ver­dop­pelt, die Spreads wei­te­ten sich aus, und auch die Ak­ti­en­märk­te kor­ri­gier­ten in den ver­gan­ge­nen Wo­chen.

Im­mer wenn Ren­di­ten der Staats­an­lei­hen stark stei­gen, stel­len sich An­le­ger be­rech­tig­te Fra­gen: Ist das jetzt das En­de der gros­sen Ob­li­ga­tio­nen­ral­ly? Platzt die Bla­se bald? Oder ist al­les doch nur heis­se Luft?

Heu­te geht es aber nicht so sehr dar­um, wie stark die Ren­di­ten von Staats­an­lei­hen stei­gen wer­den, son­dern viel mehr dar­um, wie viel die Zen­tral­ban­ken to­le­rie­ren kön­nen. Es droht dop­pel­te Ge­fahr we­gen ei­nes Trend­phä­no­mens, wenn die Ren­di­ten von Staats­an­lei­hen stei­gen und gleich­zei­tig die Kur­se von Ak­ti­en sin­ken. In ei­ner idea­len Welt wer­den die Sti­mu­lie­rungs- pa­ke­te re­du­ziert, wenn die Wirt­schaft stär­ker wird und ei­ne mo­de­ra­te In­fla­ti­on vor­han­den ist. Die­ses Um­feld ist üb­li­cher­wei­se gut für ri­si­ko­rei­che­re An­la­ge­instru­men­te, al­so vor al­lem für Ak­ti­en. Wenn die­se po­si­ti­ve Wir­kung auf Ak­ti­en­kur­se aber aus­bleibt, soll­ten sich Zen­tral­ban­ker in Acht neh­men, vor al­lem weil vie­le Volks­wirt­schaf­ten so hoch ver­schul­det sind wie nie zu­vor.

Die Re­ak­tio­nen der Zen­tral­ban­ken ka­men al­so mög­li­cher­wei­se mit ei­ni­ger Ver­spä­tung auf das ge­samt­wirt­schaft­lich star­ke Um­feld der ver­gan­ge­nen Mo­na­te. Soll­te sich der Dop­pel­t­rend nun ver­stär­ken, müs­sen die Zen­tral­ban­ken sehr ge­nau ab­wä­gen, ob sie die Li­qui­di­tät ein­däm­men kön­nen oder even­tu­ell so­gar den Hahn wie­der auf­dre­hen soll­ten, um die Wirt­schafts­ent­wick­lung nicht zu er­sti­cken.

Wäh­rend Ren­di­ten von Staats­an­lei­hen kurz­fris­tig stei­gen könn­ten, drü­cken die lang­fris­ti­gen Kräf­te, wie de­mo­gra­fi­sche Übe­r­al­te­rung, ex­zes­si­ve Schul­den­last und die wach­sen­de Un­gleich­heit der Ge­sell­schaft, wei­ter­hin auf Wachs­tum und In­fla­ti­on.

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