Nicht zu heiss und zu kalt

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - JAN BOPP,

Am Ren­ten­markt ent­spannt sich die La­ge – zu­min­dest kurz­fris­tig.

Nach­dem An­le­ger mit so­li­den Wirt­schafts­da­ten gut ge­launt in die Wo­che ge­star­tet sind, muss­ten sie be­reits am Di­ens­tag wie­der ei­nen Gross­teil ih­rer Ge­win­ne ab­ge­ben. So schnell moch­te man dann doch nicht wie­der in den «Risk-on-Mo­dus» über­ge­hen. Viel­mehr stellt sich die Fra­ge, ob die Win-Win-Si­tua­ti­on der ver­gan­ge­nen Jah­re un­ter den ge­än­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen fort­be­ste­hen kann. Die In­ves­to­ren er­hof­fen sich jetzt neue Im­pul­se von der am Frei­tag in den USA an­lau­fen­den Be­richts­sai­son.

Die ver­gan­ge­nen Ta­ge hat­ten es in sich: Flash-Crash bei Sil­ber, mas­siv stei­gen­de Ren­di­ten und Ak­ti­en­märk­te un­ter Ab­ga­be­druck. Die ex­pan­si­ve Geld­po­li­tik stand ein­mal mehr auf dem Prüf­stand. Ob­gleich die No­ten­bank-Kom­mu­ni­ka­ti­on im De­tail un­ein­heit­lich ist, scheint die Ab­kehr von der un­or­tho­do­xen Geld­po­li­tik das ge­mein­sa­me Ziel zu sein, al­ler­dings sehr lang­sam und oh­ne die Ren­di­ten all­zu schnell stei­gen zu las­sen. Denn das könn­te wie­der zu gros­ser Un­ru­he füh­ren. Die Hoff­nung auf ei­ne ro­bus­te Kon­junk­tur und ei­nen gra­du­el­len In­fla­ti­ons­an­stieg ist vor die­sem Hin­ter­grund gross.

We­ni­ger US-In­fla­ti­on?

Die jüngs­ten US-Ar­beits­markt­zah­len hat­ten das Po­ten­zi­al ei­nes wei­te­ren Schubs am Ren­ten­markt: Die Er­war­tun­gen wur­den mit 222 000 neu ge­schaf­fe­nen Stel­len weit über­trof­fen. Al­ler­dings ent­täusch­ten aber­mals die St­un­den­löh­ne. Sie wuch­sen im Ju­ni im Schnitt nur 2,5% ge­gen­über dem Vor­jahr. Von da­her dürf­te kein si­gni­fi­kan­ter Auf­wärts­druck auf die US-In­fla­ti­ons­ra­ten zu er­war­ten sein, die am Frei­tag ver­öf­fent­licht wer­den. Der Kon­sens geht von ei­nem Rück­gang der US-Teue­rung von 1,9% auf 1,7% Jah­res­ra­te aus.

Wenn­gleich in die­sem Um­feld das Über­ra­schungs­po­ten­zi­al auf der Ober­sei­te liegt, dürf­te ein Rück­gang zum Vor­mo­nat das Bild ei­ner nach­las­sen­den In­fla­ti­ons­dy­na­mik ver­fes­ti­gen. Die­se «Nicht-zu-heiss­nicht-zu-kalt»-Mi­schung aus ro­bus­ten Kon­junk­tur­da­ten und nied­ri­gen In­fla­ti­ons­ra­ten ist ge­nau das, was den Zen­tral­ban­ken ei­nen ex­trem lang­sa­men und markt­ver­träg­li­chen Aus­stieg aus der ul­tra-ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik er­mög­li­chen soll­te.

Staats­an­lei­hen­ren­di­ten ha­ben nach der dy­na­mi­schen Auf­wärts­be­we­gung der ver­gan­ge­nen acht Han­dels­ta­ge in die­ser Wo­che zu­nächst ein­mal ei­ne Ver­schnauf­pau­se ein­ge­legt. Zehn­jäh­ri­ge Bunds kon­so­li­die­ren bei et­wa 55 Ba­sis­punk­ten und US-Tre­a­su­ries blei­ben bis­lang noch un­ter der chart­tech­nisch wich­ti­gen Mar­ke von 2,3%. Die kom­men­den zwei Ta­ge könn­ten je­doch et­was tur­bu­len­ter am Ren­ten­markt wer­den. Denn Fed-Che­fin Ja­net Yel­len wird heu­te vor dem US-Kon­gress und mor­gen vor dem Se­nat Stel­lung neh­men. Die gros­se Fra­ge ist, ob sie die­se Ge­le­gen­heit nutzt, um ih­re jüngst recht «fal­ken­haf­te» Kom­mu­ni­ka­ti­on zu be­kräf­ti­gen oder ob sie et­was zu­rück­ru­dert.

Gros­se Än­de­run­gen des be­reits in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ein­ge­schla­ge­nen geld­po­li­ti­schen Pfa­des sind nicht zu er­war­ten. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die Ent­schei­dung ei­ner Bi­lanz­ver­kür­zung im Sep­tem­ber und ein wei­te­rer Zins­schritt im De­zem­ber ver­kün­det wer­den. Und ge­nau das könn­te da­zu füh­ren, dass das Ren­di­teni­veau noch ein­mal steigt. Denn der­zeit preist der Markt ei­nen wei­te­ren Zins­schritt des Fed noch in die­sem Jahr zu le­dig­lich 50% ein.

Ei­nig­keit stärkt Eu­ro

Das stei­gen­de Ren­di­teni­veau und vor al­lem der jüngst ge­stie­ge­ne po­li­ti­sche Zu­sam­men­halt in der Eu­ro­zo­ne ha­ben dem Eu­ro in den ver­gan­ge­nen Wo­chen star­ken Rü­cken­wind ge­ge­ben. Von den tra­di­tio­nel­len Span­nun­gen zwi­schen den ein­zel­nen Mit­glieds­staa­ten ist nicht mehr viel mehr zu spü­ren. Die Wäh­rungs­uni­on ist zu­sam­men­ge­rückt. Der Eu­ro ist zu Dol­lar und Fran­ken deut­lich ge­stie­gen.

Al­ler­dings sind die Eu­ro-Long­po­si­tio­nen mitt­ler­wei­le auf ei­nem ex­trem ho­hen Ni­veau, so­dass es schwer sein wird, die jüngs­te Auf­wärts­dy­na­mik bei­zu­be­hal­ten. Ei­ne re­strik­ti­ve­re Geld­po­li­tik des Fed scheint am Devisenmarkt be­reits ein­ge­preist. Die EZB könn­te al­ler­dings mit «haw­kis­hen» Si­gna­len dem Eu­ro noch­mals deut­li­chen Auf­wind ver­schaf­fen – kurz­fris­tig vi­el­leicht bis auf 1.20 $/€.

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