Gold wei­ter un­ter Druck

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - DARIO SIGRON

Die stei­gen­den Re­al­zin­sen ma­chen das gel­be Me­tall un­at­trak­ti­ver.

Nach ei­nem star­ken Start ins Jahr 2017 in­fol­ge po­li­ti­scher Un­si­cher­heit in Eu­ro­pa so­wie der ho­hen Er­war­tung an die Trump-Ad­mi­nis­tra­ti­on in den USA ist Gold in den letz­ten Wo­chen stark un­ter Druck ge­ra­ten. Der Un­zen­preis kor­ri­gier­te deut­lich und konn­te sich nur knapp über 1200 $ hal­ten. Be­reits im Mo­nat April hat­te die No­tie­rung ei­nen star­ken Rück­gang ver­zeich­net, konn­te sich dann aber wie­der bis knapp un­ter 1300 $ je Un­ze er­ho­len.

Da Gold als si­che­rer Ha­fen gilt, ist die jüngs­te Kor­rek­tur nicht aus­ser­ge­wöhn­lich. In­fol­ge der ab­ge­klun­ge­nen po­li­ti­schen Un­si­cher­heit in Eu­ro­pa und an­ge­sichts der An­kün­di­gung ei­ner re­strik­ti­ve­ren Geld­po­li­tik der US-No­ten­bank, der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) so­wie der Bank of En­g­land su­chen Markt­teil­neh­mer ver­mehrt nach ri­si­ko­rei­che­ren An­la­gen. Steigt das in­fla­ti­ons­be­rei­nig­te Zins­ni­veau, ver­liert Gold ge­gen­über ren­tie­ren­den An­la­gen wie Ak­ti­en und An­lei­hen an At­trak­ti­vi­tät. Denn trotz der wirt­schaft­li­chen Er­ho­lung in den USA und Eu­ro­pa ist das Preis­wachs­tum bis­her be­schei­den ge­blie­ben. Kom­bi­niert üben die­se Fak­to­ren der­zeit ei­nen star­ken Druck auf die Gold­nach­fra­ge aus.

Das spie­gelt sich auch in den von der Com­mo­di­ty Fu­tures Tra­ding Com­mis­si­on (CFTC) ver­öf­fent­lich­ten Da­ten zu den Po­si­tio­nen gros­ser Markt­teil­neh­mer am Ter­min­markt. Spe­ku­la­ti­ve In­ves­to­ren set­zen ver­mehrt auf ei­nen sin­ken­den Preis. Ver­gan­ge­ne Wo­che ha­ben sich die Net­to-Lon­gPo­si­tio­nen auf 33 000 mehr als hal­biert. Die­se Ab­nah­me führ­te zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­schleu­ni­gung des Preis­falls.

In den USA sind die Au­gen auf das Fed ge­rich­tet. Auch wenn der jüngs­te Ar­beits­markt­be­richt wei­ter­hin auf ei­ne Er­ho­lung der Wirt­schaft hin­weist, ist un­klar, wie die Geld­po­li­tik dar­auf re­agie­ren wird. Der Markt er­war­tet zwar ei­nen wei­te­ren Zins­schritt in die­sem Jahr, je­doch dürf­te sich die US-No­ten­bank zu­neh­mend Ge­dan­ken über die hart­nä­ckig tie­fe In­fla­ti­on ma­chen. Fed-Che­fin Ja­net Yel­len zeig­te sich auch des­halb bei ih­rer Re­de am Mitt­woch et­was zu­rück­hal­ten­der als nach der letz­ten geld­po­li­ti­schen Sit­zung.

Un­ter­stüt­zung er­hält der Gold­preis da­ge­gen von ei­ner an­hal­ten­den Schwä­che des Dol­lars. Da­mit dürf­te er die sta­bi­le Seit­wärts­be­we­gung der ver­gan­ge­nen Ta­ge fort­set­zen. Auch von Sei­ten der EZB wird all­mäh­lich ei­ne Ab­kehr von der ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik er- war­tet. Wer­tet der Eu­ro wei­ter auf, dürf­te sich Ma­rio Draghi je­doch noch et­was in Ge­duld üben. Ei­ne zu star­ke Wäh­rung wür­de sich ne­ga­tiv auf die Ex­port­wirt­schaft aus­wir­ken und so­mit das an­zie­hen­de Wachs­tum wie­der ver­lang­sa­men. Die No­ten­ban­ken wer­den in den nächs­ten Mo­na­ten ge­nau prü­fen, in­wie­weit ei­ne re­strik­ti­ve­re Gan­gart ge­gen­über dem Ziel wirt­schaft­li­cher Pro­spe­ri­tät zu ver­tre­ten ist. Ein ge­mäs­sig­te­rer Ton im Hin­blick auf mög­li­che Zins­schrit­te wür­de die Un­si­cher­heit er­hö­hen und sich eben­falls po­si­tiv auf den Gold­preis aus­wir­ken.

Soll­te die In­fla­ti­on je­doch auf tie­fem Ni­veau ver­har­ren und die Geld­po­li­tik tat­säch­lich re­strik­ti­ver aus­fal­len, so kann ein wei­te­rer Rück­gang des Gold­prei­ses in na­her Zu­kunft nicht aus­ge­schlos­sen wer­den. Die jüngs­te Kor­rek­tur des Gold­prei­ses scheint je­doch eher von tem­po­rä­rer Na­tur zu sein und ist in Zei­ten tie­fe­rer Ri­si­ko­aver­si­on und hö­he­rer Wirt­schafts­leis­tung nicht un­ge­wöhn­lich. Gold ist wei­ter­hin als Ab­si­che­rungs­in­stru­ment in ei­nem Port­fo­lio zu emp­feh­len, wo­bei die ak­tu­ell tie­fe­ren Prei­se als Ein­stiegs­op­tio­nen wahr­ge­nom­men wer­den kön­nen.

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