Re­gime­wech­sel an­ge­sagt

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - GILDAS HITA DE NERCY,

In den ver­gan­ge­nen Wo­chen be­herrsch­ten die Zen­tral­ban­ken ein­mal mehr die Nach­rich­ten aus der Fi­nanz­welt. Die Re­de von Ma­rio Draghi hat­te ei­nen ab­rup­ten Um­schwung an den An­lei­hen­märk­ten und ei­nen kräf­ti­gen An­stieg des Eu­ros zum Dol­lar zur Fol­ge. So konn­te man er­le­ben, dass an­ge­sichts des künst­lich tief ge­hal­te­nen Zins­ni­veaus schon al­lein der Hin­weis auf ei­ne Wen­de der An­kauf­po­li­tik der EZB die Märk­te ganz leicht de­sta­bi­li­sie­ren kann. So ga­ben Ak­ti­en 2,53% (Sto­xx Eu­ro­pe 600) und Wandelanleihen 1,6% (ECI Eu­ro­pe) nach. Ne­ben rück­läu­fi­gen Ak­ti­en­kur­sen er­klärt sich der Rück­gang auch durch mar­gi­nal sin­ken­de Be­wer­tun­gen und Wech­sel­kur­se.

So or­ga­ni­sie­ren die Zen­tral­ban­ken mit Vor­sicht die all­mäh­li­che Ver­rin­ge­rung der Li­qui­di­tät, die sie in die Märk­te ge­pumpt ha­ben. Das ist ein ent­schei­den­der Schritt, denn da­mit wer­den sich die struk­tu­rel­len Fort­schrit­te der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re (vor al­lem im Ban­ken­sek­tor) und die Wi­der­stands­fä­hig­keit der Er­ho­lung in der Re­al­wirt­schaft er­mes­sen las­sen.

Über die er­war­te­te Be­stä­ti­gung gu­ter Früh­in­di­ka­to­ren hin­aus blei­ben die Ri­si­ken durch­aus prä­sent. Bei stei­gen­den Zin­sen dürf­ten Stra­te­gi­en, bei de­nen die Su­che nach Ren­di­te im Mit­tel­punkt steht, lang­sam ih­re Da­seins­be­rech­ti­gung ver­lie­ren. Das dürf­te Um­schich­tun­gen und stei­gen­de Vo­la­ti­li­tät her­vor­ru­fen.

Um das Tem­po der geld­po­li­ti­schen Nor­ma­li­sie­rung zu steu­ern, wird die Be­herr­schung der In­fla­ti­on ent­schei­dend sein. Im Üb­ri­gen blei­ben gros­se po­li­ti­sche Un­si­cher­hei­ten (Do­nald Trump, The­re­sa May, Mat­teo Ren­zi, Xi Jin­ping). Frank­reich muss sei­ne Ver­spre­chun­gen von Mai ein­lö­sen.

In die­sem po­si­ti­ven, aber auch un­si­che­ren Um­feld dürf­te sich in der Eu­ro­zo­ne die jüngs­te Out­per­for­mance an den Bör­sen be­stä­ti­gen. Eu­ro­päi­sche Wandelanleihen schei­nen heu­te gut auf­ge­stellt zu sein, um ei­nen vor­sich­ti­gen Zu­gang zu den Ak­ti­en der Re­gi­on zu bie­ten: ge­rin­ger Ab­stand zum Bond Floor (10%), mitt­le­re Sen­si­ti­vi­tät ge­gen­über Ak­ti­en (38%), ge­rin­ger sek­t­o­ri­el­ler Bi­as und his­to­risch nied­ri­ge Be­wer­tung. Auf die­se Wei­se kön­nen An­le­ger den Som­mer, der durch­aus heiss wer­den könn­te, mit grös­se­rer Ge­las­sen­heit ge­nies­sen.

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