Das Pe­ri­phe­rie-Trau­ma ist aus­ge­blie­ben

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - NICHOLAS WALL,

Das trau­ma­ti­sche Jahr, das vie­le für die eu­ro­päi­schen Pe­ri­phe­rie­län­der vor­her­sag­ten, ist nicht ein­ge­tre­ten. Seit Jah­res­be­ginn ha­ben sich die Ren­di­te­dif­fe­ren­zen (Spreads) zwi­schen por­tu­gie­si­schen und grie­chi­schen zehn­jäh­ri­gen Staats­an­lei­hen und ver­gleich­ba­ren deut­schen Bun­des­an­lei­hen um je­weils 200 bzw. 100 Bp. kon­ti­nu­ier­lich ver­engt.

Der Hin­ter­grund ist so­li­des Wachs­tum, vor al­lem in Por­tu­gal, wäh­rend Ban­ken­pro­ble­me weit­ge­hend ein­ge­dämmt wer­den konn­ten. Die po­li­ti­schen Ri­si­ko­auf­schlä­ge ha­ben sich ver­rin­gert, und die geld­po­li­ti­schen Zü­gel der EZB wa­ren un­ver­än­dert sehr lo­cker.

Mit dem fri­schen Wind für das deutsch-fran­zö­si­sche Ge­spann und der Ein­däm­mung der po­pu­lis­ti­schen Ge­fahr ha­ben sich die Aus­sich­ten für die Eu­ro­zo­ne deut­lich auf­ge­hellt. Po­li­ti­ker in Gross­bri­tan­ni­en und den USA da­ge­gen rin­gen um die Aus­le­gung des Man­dats, das sie von ih­ren Wäh­lern er­hal­ten ha­ben, und un­ter­schät­zen die Kos­ten ei­ner Ab­leh­nung der Glo­ba­li­sie­rung. Es be­ste­hen deut­li­che Auf­fas­sungs­un­ter­schie­de. Die Aus­sich­ten ei­ner Dros­se­lung des EZB-An­lei­hen- kauf­pro­gramms sind et­was nüch­ter­ner zu se­hen. Die­ser Pro­zess wird sehr wahr­schein­lich das Ri­si­ko von An­la­gen in An­lei­hen der Eu­ro­pe­ri­phe­rie er­hö­hen.

Wir be­vor­zu­gen der­zeit An­lei­hen der Pe­ri­phe­rie­län­der mit hö­he­rem Be­ta. Da die EZB we­ni­ger por­tu­gie­si­sche Staats­an­lei­hen auf­ge­kauft hat als spa­ni­sche und ita­lie­ni­sche – und kei­ne grie­chi­schen Pa­pie­re –, dürf­ten Por­tu­gal und Grie­chen­land ge­las­se­ner auf die Dros­se­lung des Pro­gramms re­agie­ren. Zu­dem wür­de Grie­chen­land, so­fern es sich für Käu­fe durch die EZB nach dem En­de der Dros­se­lung qua­li­fi­ziert, selbst dann noch pro­fi­tie­ren, wenn die EZB Gel­der aus fäl­lig ge­wor­de­nen An­lei­hen re­inves­tiert.

Grie­chen­land ist ein­mal mehr in ei­nen Schul­den­kon­flikt ver­wi­ckelt. Dass dem Land aber Zah­lungs­aus­fall we­gen der Un­ei­nig­keit zwi­schen dem IWF und ei­ni­gen eu­ro­päi­schen Gläu­bi­gern zu­ge­stan­den wird, ist sehr un­wahr­schein­lich. Da­ge­gen ist das po­li­ti­sche Um­feld nicht mehr so ver­gif­tet. Die Spreads der Pe­ri­phe­rie­an­lei­hen zu den deut­schen dürf­ten sich wei­ter ver­rin­gern.

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