Yel­len sorgt für Schub

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - STEPHANIE LINDECK,

Ver­knap­pung am US-Ar­beits­markt soll­te Löh­ne und Prei­se trei­ben.

Für kräf­ti­gen Schub an den Fi­nanz­märk­ten sorg­te die­se Wo­che vor al­lem die An­hö­run­gen von Fed-Che­fin Ja­net Yel­len vor dem US-Kon­gress. Sie wur­den als Si­gnal für ein vor­sich­ti­ge­res Vor­ge­hen bei der geld­po­li­ti­schen Nor­ma­li­sie­rung be­trach­tet. Die ein­ge­preis­te Wahr­schein­lich­keit ei­ner wei­te­ren Zins­an­he­bung in die­sem Jahr sank auf 46%. Die Aus­sicht auf nied­ri­ge­re US-Zin­sen und ei­nen aus­ge­dehn­ten Wachs­tums­zy­klus drück­te An­lei­hen­ren­di­ten und trieb die Kur­se. Eben­so leg­ten Ak­ti­en zu.

In den USA half zu­dem der Start der Be­richts­sai­son für das zwei­te Quar­tal. Zu er­war­ten sind an­hal­tend po­si­ti­ve, aber schwä­che­re Trends als im ers­ten Quar­tal und stär­ke­re Ge­win­ne in Eu­ro­pa als in den USA. Der S&P 500 leg­te auf Wo­chen­sicht 0,9% zu, der Dow Jo­nes 0,5%. Spit­zen­rei­ter blieb der Rus­sel 2000, der 2,2% hö­her no­tier­te. Be­wegt ging es auch in Eu­ro­pa zu, Dax und Eu­ro Sto­xx 50 ge­wan­nen je 1,7 und 1,5%. In Asien rück­ten der Nik­kei 1%, der Hang Seng gar 4,1% vor.

Miss­ver­stan­de­nes Fed

Eben­so ging es mit bra­si­lia­ni­schen Ak­ti­en kräf­tig nach oben, der Ibo­ve­s­pa han­del­te 5% hö­her. Öl ten­dier­te um 4,7 ( WTI) und 4,2% (Brent) hö­her. Gold stieg 1,5% auf 1231 $/Fein­un­ze, wäh­rend der Dol­lar sei­nen kurz­fris­tig po­si­ti­ven Trend um­kehr­te und mit knapp un­ter 1.15 $/€ den schwächs­ten Stand seit Fe­bru­ar 2016 mar­kier­te.

Al­ler­dings ha­ben die Märk­te die Aus­sa­gen von Fed-Che­fin Yel­len als zu­rück­hal­ten­der in­ter­pre­tiert, als sie wohl ge­meint wa­ren. Yel­len hat bei der In­fla­ti­ons­ent­wick­lung zwar Un­si­cher­hei­ten ein­ge­räumt, aber die­se wur­den auch schon im Pro­to­koll der jüngs­ten Sit­zung des Of­fen­markt­aus­schus­ses deut­lich. Wich­ti­ger scheint, dass sie die Ri­si­ken für den In­fla­ti­ons­aus­blick als «beid­sei­tig» be­zeich­ne­te. Will heis­sen, dass so­wohl ein Über- als auch ein Un­ter­schies­sen der In­fla­ti­on mög­lich sei. Auch hiess es, dass bei wei­te­rer Ver­knap­pung am Ar­beits­markt Preis­druck auf die Löh­ne ent­ste­hen könn­te. Yel­len und die meis­ten ih­rer Kol­le­gen blei­ben da­her der An­sicht, dass es ver­nünf­tig sei, mit gra­du­el­len Zins­er­hö­hun­gen fort­zu­fah­ren.

Ei­ne grös­se­re Ge­fahr für die Ak­ti­en­märk­te stellt das aber nicht dar, denn po­si­ti­ve Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren si­gna­li­sie­ren nicht nur für In­dus­trie­na­tio­nen, son­dern auch für Schwel­len­län­der ein kräf­ti­ges An­zie­hen der Kon­junk­tur. Die Ein­kaufs­ma­na­ger­indi­zes der In­dus­trie zei­gen erst­mals seit Lan­gem Gleich­lauf. Das er­gibt ei­nen sehr sta­bi­len Wachs­tums­aus­blick für die zwei­te Jah­res­hälf­te.

Chi­na äus­serst sta­bil

Das jüngs­te Fed Bei­ge Book gibt wei­te­ren An­lass, auf hö­he­re USZin­sen zu set­zen. So ist die Wirt­schafts­ak­ti­vi­tät in al­len zwölf Fe­dDi­strik­ten im Ju­ni ge­wach­sen, und ei­ne wei­te­re Be­schleu­ni­gung wird er­war­tet. Aus­ser in zwei Di­strik­ten ging die po­si­ti­ve Ent­wick­lung mit ei­ner hö­he­rer Be­schäf­ti­gung und hö­he­ren Löh­nen ein­her.

Hoch­qua­li­fi­zier­te Ar­beits­kräf­te wa­ren eben­so ge­fragt wie sol­che mit nied­ri­ge­rer Aus­bil­dung. Op­ti­mis­tisch stimmt vor al­lem die ho­he Nach­fra­ge nach qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­ten. Denn spe­zi­fi­sche Kennt­nis­se und der Man­gel an gut aus­ge­bil­de­ten Kräf­ten ge­ben Ar­beit­neh­mern grös­se­ren Ver­hand­lungs­spiel­raum. Um­fra­gen des NFIB zu­fol­ge wird der Man­gel an qua­li­fi­zier­ten Ar­beits­kräf­ten in den USA kräf­tig stei­gen. Ein wei­te­res In­diz da­für, dass der Lohn­druck und da­mit auch die In­fla­ti­on wei­ter zu­neh­men wer­den.

Die Zei­chen meh­ren sich, dass Chi­nas Wirt­schaft im Ju­ni wei­ter wuchs und die er­war­te­te mil­de Ab­schwä­chung noch ein we­nig auf sich war­ten lässt. Ei­ne wich­ti­ge Stüt­ze ist der Aus­sen­han­del. Ne­ben den Ex­por­ten leg­ten aber auch die Im­por­te zu, was auf so­li­den In­land­kon­sum schlies­sen lässt. Die Chi­ne­sen las­sen sich von den zu­rück­hal­ten­den Pro­gno­sen of­fen­bar nicht be­ein­dru­cken. Die­sen Schluss las­sen auch die neu­es­ten Zah­len zum Geld­men­gen­und Kre­dit­wachs­tum zu. Der Kre­dit­zu­wachs im Ju­ni war kräf­tig und hielt sich bei 12,7% im Vor­jah­res­ver­gleich, ob­wohl die Li­qui­di­tät deut­lich sank: ers­te Er­fol­ge der An­ti-Schat­ten­bank­kam­pa­gne.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.