Fed im Di­lem­ma

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE -

Auf dem Weg zur Nor­ma­li­sie­rung der Geld­po­li­tik ist die US-No­ten­bank (Fed) der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) ei­ni­ge Schrit­te vor­aus. Das Fed hat sein Wert­schrif­ten­kauf­pro­gramm (Quan­ti­ta­ti­ve Ea­sing, QE) im Ok­to­ber 2014 be­en­det. Die Bi­lanz­sum­me ver­harrt seit­her auf 4,5 Bio. $. Nach­dem die ame­ri­ka­ni­sche No­ten­bank das QE ein­ge­stellt hat­te, dau­er­te es mehr als ein Jahr, bis sie den Leit­zins zum ers­ten Mal seit der Fi­nanz­kri­se er­höh­te. Im De­zem­ber 2015 wag­te sie den ers­ten Schritt. Da­nach folg­ten drei wei­te­re Zins­er­hö­hun­gen, die letz­te die­sen Ju­ni. Das Ziel­band der Fe­deral Funds Ra­te liegt nun bei 1 bis 1,25%.

Läuft al­les nach Plan, wer­den die Zin­sen die­ses Jahr noch ein Mal er­höht. Al­ler­dings steckt das Fed in ei­nem ähn­li­chen Di­lem­ma wie die EZB. Zwar wächst die Wirtschaft, und am Ar­beits­markt herrscht – an­ders als in der Eu­ro­zo­ne – Voll­be­schäf­ti­gung, doch die In­fla­ti­on zieht nicht an. Da­mit er­füllt das Fed ein Man­dat – die Voll­be­schäf­ti­gung – und ver­fehlt das zwei­te, näm­lich die Wah­rung der Preis­sta­bi­li­tät. Da­zu strebt es ei­ne Jah­res­teue­rung von 2% an. Fed-Che­fin Ja­net Yel­len hat wie­der­holt be­tont, dass sie die schwa­che Teue­rung für ein vor­über­ge­hen­des Phä­no­men hal­te.

Doch an den Fi­nanz­märk­ten wächst die Skep­sis, dass das Fed über den Ziel­kon­flikt hin­weg­se­hen kann: Die An­le­ger glau­ben nicht an ei­ne wei­te­re Zins­er­hö­hung in die­sem Jahr. Sie mes­sen ei­nem Zins­schritt im De­zem­ber ei­ne Wahr­schein­lich­keit von 43% zu (vgl. Gra­fik). Ver­gan­ge­ne Wo­che lag der Wert noch bei 50%. Die Er­war­tun­gen sind ge­sun­ken, nach­dem die In­fla­ti­ons­da­ten für Ju­ni wie­der­um ent­täu­schend aus­ge­fal­len sind: Die Teue­rung stieg ver­gli­chen zum Vor­jahr 1,6%, nach 1,9% im Mai.

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