Ist Roh­stoff­ak­ti­en wie­der zu trau­en?

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - AL­FONS CORTES

Star­ker aus­tra­li­scher Dol­lar, star­ker ka­na­di­scher Dol­lar, star­ker Eu­ro, re­la­tiv star­ke Ak­ti­en­in­di­zes aus Grie­chen­land, Ita­li­en, Un­garn, Por­tu­gal, Finn­land, ein Eu­ro-Sto­xx-Ban­ken­in­dex, der in den ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­ten den MSCIWelt­in­dex mit ei­nem Plus von 52,5% deut­lich hin­ter sich ge­las­sen hat (MSCI Welt in Eu­ro +10,7%), der al­le we­sent­li­chen eu­ro­päi­schen Mess­lat­ten wie Eu­ro Sto­xx 50 (+20,5%), Dax (+26,8%), Cac 40 (+17,2%) bei wei­tem ge­schla­gen hat, ein MSCI Far East Ex Ja­pan im Auf­wärts­trend, stei­gen­de chi­ne­si­sche Ak­ti­en­in­di­zes – was sagt uns das?

Mir sagt es, dass die Un­ter­gangs­pro­phe­ten, die das Aus­ein­an­der­bre­chen der EU, den Kol­laps des Eu­ros, ei­ne neue Ban­ken­kri­se, vor al­lem in Chi­na, und an­de­re Hor­ror­sze­na­ri­en vor­her­ge­sagt ha­ben, zu­min­dest vor­erst nicht recht be­kom­men wer­den. Und weil sich der Kon­text ver­än­dert, in dem Men­schen ih­re Ur­tei­le fäl­len, kann «vor­erst» lan­ge dau­ern – viel­leicht ei­ne gan­ze Ge­ne­ra­ti­on.

Was die Märk­te er­war­ten

Die Fi­nanz­märk­te er­war­ten ei­ne bes­se­re Kon­junk­tur, ei­ne Ent­schär­fung der Schul­den­pro­ble­ma­tik, stei­gen­de Zin­sen, wo­für die re­la­ti­ve Schwä­che von Ver­sor­ger­ak­ti­en, dau­er­haf­ten Kon­sum­gü­tern, Gold und Sil­ber spricht. In die­ses Bild passt mei­ne In­ter­pre­ta­ti­on des Ge­sche­hens in der In­dus­trie­grup­pe Me­tals & Mi­ning. Sie star­te­te das Jahr mit ei­ner Ge­wich­tung von 1,6% im MSCI-Welt­in­dex. Ein Jahr zu­vor hat­te sie nach ei­ner dra­ma­ti­schen Ver­kaufspa­nik nur 1% be­tra­gen. Das ver­gleicht sich mit ei­ner Ge­wich­tung von 4,1% auf dem Hö­he­punkt im Fe­bru­ar 2008.

Als phä­no­me­nal kann der An­stieg der Ge­wich­tung ab Ja­nu­ar 2016 um 60% in­ner­halb ei­nes Jah­res be­zeich­net wer­den. Kein Wun­der, setz­te im Fe­bru­ar die­ses Jah­res ei­ne Kon­so­li­die­rung ein, die die Ge­wich­tung der In­dus­trie­grup­pe bis En­de Ju­ni auf 1,37% drück­te. Mitt­ler­wei­le sind es 1,41%.

En­de der Kon­so­li­die­rung

Aus mei­ner War­te hat die Kon­so­li­die­rung ihr En­de ge­fun­den. Füh­ren­de Ak­ti­en des Sek­tors wie BHP, Glen­co­re, Rio Tin­to und An­to­fa­gasta wei­sen er­neut ei­nen stei­gen­den re­la­ti­ven Trend auf. Die Ver­net­zung mit an­de­ren Vor­gän­gen an den De­vi­sen- und den Ak­ti­en­märk­ten stützt die­se Ent­wick­lung.

Die wich­tigs­ten wur­den am An­fang die­ser Ko­lum­ne auf­ge­führt. Aus mei­ner Per­spek­ti­ve er­war­tet der Gross­teil der Ana­lys­ten ei­nen an­de­ren Gang der Din­ge als den de fac­to zu be­ob­ach­ten­den. Das spricht da­für, dass ei­ne Po­pu­la­ti­on die Bör­sen der eu­ro­päi­schen Pe­ri­phe­rie, die von Chi­na, den Eu­ro und Mi­nen­ak­ti­en an­treibt, die man als «Smart Mo­ney» be­zeich­nen kann: Fi­gu­ren, die ihr ei­ge­nes Ur­teil bil­den und die das ma­te­ri­el­le, in­tel­lek­tu­el­le und psy­cho­lo­gi­sche Rück­grat ha­ben, es um­zu­set­zen, auch wenn sie quer in der Land­schaft lie­gen. Sie sind die Prot­ago­nis­ten auf der Büh­ne des Welt­thea­ters Bör­se. Ih­re Ak­ti­vi­tät er­scheint erst nach der Tat mit ei­ni­ger Ver­spä­tung in den meis­ten Me­di­en. An den Bör­sen hin­ter­las­sen sie Spu­ren: Die re­la­ti­ven Prei­se der Be­rei­che, in de­nen sie mit meis­tens er­heb­li­chen Mit­teln als Käu­fer un­ter­wegs sind, ver­än­dern sich von ne­ga­tiv auf po­si­tiv.

Auf der Ge­gen­sei­te ste­hen die Kon­ser­va­ti­ven. Der Be­griff «kon­ser­va­tiv» wird in der au­to­ri­ta­ti­ven «Black­well En­cy­clo­pe­dia of Po­li­ti­cal Thought» als em­pi­ri­zis­tisch und skep­ti­zis­tisch de­fi­niert. Im Jar­gon der Be­ha­vioral Fi­nan­ce steht er für ei­ne ver­lang­sam­te Ak­zep­tanz neu­er Fak­ten – wie jetzt in kon­junk­tur­sen­si­ti­ven Be­rei­chen wie in Me­tall- und Mi­nen­ak­ti­en. Die Mei­nung des Au­tors muss nicht mit der der Re­dak­ti­on über­ein­stim­men.

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