In­ter­es­se kehrt zu­rück

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - MICHA­EL PEYER,

Bis auf die Agrar­gü­ter konn­ten al­le Roh­stoffseg­men­te zu­letzt zu­le­gen.

Das drit­te Quar­tal hat für die Roh­stoff­märk­te freund­lich an­ge­fan­gen. Es scheint fast so, als lä­gen Roh­stoff-Fu­tures wie­der ver­mehrt in der Gunst der gros­sen Fi­nanz­an­le­ger. Der In­dex von S&P und Gold­man Sachs (S&P GSCI) ver­zeich­ne­te in der ver­gan­ge­nen Wo­che ein Plus von 1,5%. Er bil­det die Wert­ent­wick­lung von 24 ver­schie­de­nen Roh­stof­fen ab.

Fast al­le Roh­stoff­sek­to­ren konn­ten zu­letzt zu­le­gen, nur die Agrar­märk­te muss­ten für ein­mal Kurs­ein­bus­sen hin­neh­men. Auf die­sem Teil­markt dreht sich der­zeit al­les um die Wet­ter­pro­gno­sen. Die Wet­ter­ka­prio­len in wei­ten Tei­len der Welt schrän­ken die Ver­füg­bar­keit von Qua­li­täts­wei­zen deut­lich ein. Auch die Wachs­tums­be­din­gun­gen für Mais und So­ja könn­ten dar­un­ter lei­den. Die Re­kord­hit­ze in Tei­len Eu­ro­pas und die an­hal­ten­de Dür­re in den nörd­li­chen An­bau­ge­bie­ten der USA und Ka­na­da hat­ten zu mas­si­ven Kurs­stei­ge­run­gen an den Fu­turesMärk­ten in Chi­ca­go und Pa­ris ge­führt. Vor ei­ner Wo­che zwan­gen güns­ti­ge­re Wet­ter­pro­gno­sen die Ge­trei­de­märk­te in die Knie. Als ob sich da­durch die Ern­te­pro­gno­sen für Wei­zen und Mais plötz­lich nor­ma­li­siert hät­ten, ver­lor der Wei­zen-Kon­trakt in Chi­ca­go fast 10% auf 5.1275 $/Schef­fel (1 Schef­fel = 27,215 kg). Ei­ne gu­te Wo­che zu­vor no­tier­te der Kon­trakt noch auf ei­nem Jah­res­hoch von 5.745 $ Eben­falls stark un­ter Druck ge­riet Mais. Die Fu­tures in Chi­ca­go ver­lo­ren in nur zwei Han­dels­ta­gen fast 8% an Wert. Ge­mäss dem wö­chent­li­chen Be­richt der US-Ter­min­bör­sen­auf­sicht ha­ben die gros­sen Fi­nanz­spe­ku­lan­ten ih­re Po­si­tio­nie­rung ge­dreht: Sie set­zen jetzt nicht mehr auf fal­len­de Kur­se, son­dern sind mit net­to 100 964 Kon­trak­ten long po­si­tio­niert.

Die Wet­ter­pro­gno­sen be­stim­men das Kurs­ge­ba­ren wei­ter­hin. Die Aus­sich­ten sind wei­ter­hin un­ge­wiss, und die Händ­ler fo­kus­sie­ren sich voll und ganz auf die Mor­gen- und Nach­mit­tags­wet­ter-Up­dates. Zum Wo­chen­auf­takt ten­dier­ten die Agrar-Fu­tures zu­erst noch­mals leicht tie­fer, dreh­ten dann aber am Di­ens­tag­mit­tag be­reits wie­der ins Plus. Der wö­chent­li­che Be­richt des US-Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums USDA über den Zu­stand der Fel­der be­stä­tig­te die Er­war­tun­gen der Händ­ler, wo­nach sich die Mais-, Wei­zen- und So­ja-Kul­tu­ren wei­ter ver­schlech­ter­ten.

Po­si­ti­ve­re Wirt­schafts­nach­rich­ten aus Chi­na und ei­ne schwa­che US-Va­lu­ta ver­hal­fen dem Kup­fer­preis zu ei­nem neu­en Mehr­mo­nats­hoch (vgl. Sei­te 15).

An den Ed­öl­märk­ten ha­ben die Spe­ku­lan­ten ih­re Net­to-Long-Po­si­tio­nen wei­ter aus­ge­baut. An den US-Bör­sen be­lau­fen sich ih­re Long-Po­si­tio­nen auf WTI-Roh­öl nun per sal­do auf 202 404 Kon­trak­te. Die wö­chent­li­chen La­ger­be­stän­de in den USA nah­men erst­mals im grös­se­ren Aus­mass ab. Ge­mäss dem Öl­dienst­leis­ter Ba­ker Hug­hes nahm die An­zahl der ak­ti­ven Bohr­tür­me in den USA wie­der um zwei zu. Die US-Öl­pro­duk­ti­on im Ju­li dürf­te bei et­wa 9,4 Mio. Fass/Tag lie­gen – et­wa 10% über den Vor­jah­res­ni­veau.

Die Ein­hal­tungs­dis­zi­plin un­ter den Opec-Pro­du­zen­ten geht in­des wei­ter­hin zu­rück. Am Mon­tag liess Ecua­dor ver­lau­ten, auf­grund des Haus­halts­de­fi­zits die ver­ein­bar­ten Quo­te nicht mehr ein­zu­hal­ten. Im Ju­ni pro­du­zier­te Ecua­dor 530 000 Fass/Tag. Das ist we­nig und hat kaum Ein­fluss auf den Preis. Wenn nun aber auch grös­se­re OpecPro­du­zen­ten wie Irak oder Iran aus ähn­li­chen Grün­den die Pro­duk­ti­on er­höh­ten, wä­re das das En­de des Opec-De­als. Noch ist es nicht so weit: WTI-Erd­öl no­tier­te am Di­ens­tag mit na­he­zu 47 $/Fass 12% über dem Jah­res­tief von Mit­te Ju­ni.

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