Drei Wor­te, die die

Finanz und Wirtschaft - - MÄRKTE - PE­TER ROHNER

Kein Kri­sen­gip­fel und kein Hilfs­pa­ket durch­bra­chen den Teu­felsk

Nichts deu­te­te an je­nem aus­ser­ge­wöhn­lich heis­sen Ju­li­tag in Lon­don dar­auf hin, dass sich für Eu­ro­pa His­to­ri­sches er­eig­nen wür­de. Be­herr­schen­des The­ma wa­ren die tags dar­auf be­gin­nen­den olym­pi­schen Som­mer­spie­le in der Them­se­stadt. Von der Kon­fe­renz des Aus­sen­han­dels­mi­nis­te­ri­ums im Lan­cas­ter Hou­se nahm kaum je­mand No­tiz. Dort trat auch Ma­rio Draghi auf, der Chef der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB). In sei­ner kur­zen Re­de liess er ei­nen Satz fal­len, der ein­schlug: «Die EZB ist be­reit, al­les Nö­ti­ge zu tun, um den Eu­ro zu er­hal­ten.» Und um der Aus­sa­ge Nach­druck zu ver­lei­hen, füg­te er bei: «Und glau­ben Sie mir, es wird ge­nug sein.»

«Wha­te­ver it ta­kes» war der eng­li­sche Wort­laut sei­nes Ver­spre­chens. Bis heu­te gel­ten die drei Wor­te vom 26. Ju­li 2012 als Wen­de­punkt im Ver­lauf der eu­ro­päi­schen Schul­den­kri­se (vgl. Gra­fik oben). Kon­kret wird Draghi erst in der EZB-Sit­zung im Sep­tem­ber. Dort stellt er die Ou­t­right Mo­ne­ta­ry Tran­sac­tions (OMT) vor. Sie er­mög­li­chen der EZB, un­be­schränkt An­lei­hen von Eu­ro­staa­ten zu kau­fen, so­fern die Län­der ge­wis­se Kri­te­ri­en er­füll­ten. Iro­nie der Ge­schich­te: Die OMT wur­den nie be­an­sprucht. Al­lein schon de­ren An­kün­di­gung reich­te, um die Eu­ro­kri­se zu ent­schär­fen.

Jah­re­lan­ge Pflas­ter­po­li­tik

Als Draghi in Lon­don die his­to­ri­schen Wor­te spricht, dau­ert die Eu­ro­kri­se schon fast drei Jah­re. Sie be­ginnt im Ok­to­ber 2009, als der frisch ge­wähl­te Pre­mier­mi­nis­ter Gior­gi­os Pa­pand­reou ge­steht, dass Grie­chen­lands De­fi­zit viel hö­her ist als von der Vor­gän­ger­re­gie­rung ge­mel­det. Die Gläu­bi­ger re­agie­ren ner­vös, schliess­lich liegt Grie­chen­lands Schul­den­quo­te zu die­sem Zeit­punkt be­reits über 100% des BIP. Die Bond­kur­se fal­len, die Ren­di­ten schies­sen in die Hö­he (vgl. Gra­fik 1). Zum ers­ten Mal seit Be­ste­hen der Wäh­rungs­uni­on muss ein Land deut­lich hö­he­re Zin­sen als an­de­re Mit­glieds­län­der be­zah­len.

Dar­auf ist man in der Eu­ro­zo­ne nicht vor­be­rei­tet. Sie wur­de so kon­stru­iert, dass die Mit­glie­der sich nicht über­mäs­sig ver­schul­den und kei­ne In­sol­venz­ge­fahr auf­tre­ten kann. Pa­pand­reous an­ge- kün­dig­tes Spar­pro­gramm ver­mag die Märk­te nicht zu über­zeu­gen. Hin­ter den Ku­lis­sen lau­fen Ge­sprä­che zwi­schen At­hen und den EU-Part­nern über ein Hilfs­pa­ket. Auch der IWF drängt auf Teil­nah­me. Im Mai 2010 er­hält At­hen ei­nen Hilfs­kre­dit über 110 Mrd. € zu­ge­spro­chen, ob­wohl die Grün­dungs­ver­trä­ge der Wäh­rungs­uni­on aus­schlies­sen, dass ein Eu­ro­land für ein an­de­res haf­tet. Grie­chen­land ist da­mit aber nicht aus dem Schnei­der und bald nicht mehr das ein­zi­ge Eu­ro­land in Fi­nanz­not: Ir­land und Por­tu­gal müs­sen eben­falls un­ter den Ret­tungs­schirm. Trotz Kri­tik aus Deutsch­land kauft die EZB Staats­an­lei­hen der ma­ro­den Eu­ro­län­der.

Doch die Kri­se zieht wei­te­re Krei­se. Wer fällt als nächs­tes? Was wä­re, wenn Ita­li­en oder Spa­ni­en ge­ret­tet wer­den müs­sen? Auch dort zie­hen die Bür­ger ihr Geld von den Ban­ken ab (vgl. Gra­fik 2). Das Ka­pi­tal flieht Rich­tung Nor­den und in den Schwei­zer Fran­ken. Das zwingt

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