Die 1200-$-Mar­ke hält

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - LOMBARD ODIER IN­VEST­MENT MA­NA­GERS

Der Gold­preis er­holt sich. Die Aus­sich­ten ha­ben sich auf­ge­hellt.

Seit En­de der Bais­se 2015 ha­ben die Kur­se von Gold und Gold­ak­ti­en ei­nen Bo­den ge­bil­det. Ein star­ker Ka­ta­ly­sa­tor fehlt al­ler­dings. Im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf ha­ben die Dol­lar­schwä­che so­wie die zahl­rei­chen geo­po­li­ti­schen Un­si­cher­hei­ten Gold als Wäh­rungs­al­ter­na­ti­ve und Ab­si­che­rung ge­gen Ri­si­ken ge­stützt.

Nun herrscht am Gold­markt Som­mer­flau­te – ei­ne Zeit, in der die phy­si­sche Nach­fra­ge auf ei­nem Tief ist, die Han­dels­vo­lu­men schwin­den und die Bais­siers ins Spiel kom­men. Der Gold­preis tes­te­te An­fang Mo­nat be­reits zum drit­ten Mal in die­sem Jahr die Mar­ke von 1200 $/Un­ze. Soll­te sie durch­bro­chen wer­den, geht es wei­ter bis auf 1175 $ – die un­te­re Gren­ze des Auf­wärts­ka­nals. In den ver­gan­ge­nen Ta­gen je­doch hat sich Gold auf 1237 $/Un­ze er­holt. Ge­lingt es dem gel­ben Me­tall, sich über 1200 $ zu hal­ten, ist das tech­nisch wie auch psy­cho­lo­gisch ein wich­ti­ges Si­gnal für den Markt.

Mit Blick auf fun­da­men­ta­le Fak­to­ren ist der Markt auf dem ge­gen­wär­ti­gen Ni­veau gut ab­ge­stützt: Ers­tens er­starkt die phy­si­sche Nach­fra­ge aus In­di­en und Chi­na, auch wenn die Peop­le’s Bank of Chi­na die­ses Jahr noch nicht als Käu­fer auf­ge­tre­ten ist. An­ge­sichts der Wech­sel­kurs- und Ver­schul­dungs­pro­ble­ma­tik in Chi­na könn­te sie die­ses Jahr mit Käu­fen pau­sie­ren. Zwei­tens sor­gen die geo­po­li­ti­sche La­ge im Na­hen Os­ten und in Ko­rea so­wie die Un­si­cher­heit rund um das po­li­ti­sche Kli­ma und die künf­ti­ge Po­li­tik der USA welt­weit für Ner­vo­si­tät, was Gold zu­gu­te­kommt. Drit­tens be­fin­det sich der Dol­lar in ei­nem Ab­wärts­trend. Im Ju­ni konn­te Gold da­von zwar nicht pro­fi­tie­ren, auf lan­ge Sicht soll­te die ne­ga­ti­ve Kor­re­la­ti­on aber wie­der grei­fen. Zu­dem spricht auch die Po­si­tio­nie­rung der In­ves­to­ren an den Fu­tures-Märk­ten für wei­te­re Käu­fe.

Auf lan­ge Frist sind wir für den Gold­preis po­si­tiv ge­stimmt. «Schwar­zer-Schwan-Er­eig­nis­se», die Gold in die Hö­he trei­ben wür­den, kön­nen je­der­zeit pas­sie­ren. Ein wei­te­res Ar­gu­ment ist der Kon­junk­tur­zy­klus in den USA. Es häu­fen sich die Merk­ma­le ei­ner spä­ten Zy­klus­pha­se. Die Mar­ginDebt-Ent­wick­lung an der New Yor­ker Bör­se ist eben­falls seit Mo­na­ten be­un­ru­hi­gend. Es herrscht aus­ge­präg­te Sorg­lo­sig­keit, wie sie oft auf dem Hö­he­punkt ei­nes Mark­tes vor­zu­fin­den ist. Nach wie vor strömt Ka­pi­tal in ko­tier­te In­dex­fonds (ETF) und treibt Ak­ti­en­markt­in­di­zes auf neue Höchst, wäh­rend die Vo­la­ti­li­tät, ge­mes­sen am Vix-In­dex, his­to­risch tief ist. Zins­er­hö­hungs­zy­klen der US-No­ten­bank neh­men meist ein bö­ses En­de. Wird es dies­mal an­ders sein?

Gold dürf­te von ei­nem schwa­chen Dol­lar pro­fi­tie­ren, soll­te das Fed die Zin­sen die­ses Jahr nicht mehr an­he­ben kön­nen. Bei ei­nem Ab­schwung der Wirt­schaft und an den Märk­ten wä­ren auf län­ge­re Sicht die Ri­si­ken für das Fi­nanz­sys­tem er­heb­lich. Die Ge­schich­te zeigt, dass ein ho­her Ver­schul­dungs­grad ei­ne der wich­tigs­ten Ur­sa­chen von Tur­bu­len­zen ist. Stu­den­ten­dar­le­hen, Au­to­kre­di­te und Kre­dit­kar­ten­schul­den be­lau­fen sich mitt­ler­wei­le auf je über 1 Bio. $ – ganz zu schwei­gen von den Staats­schul­den, die nach der Fi­nanz­kri­se ex­plo­diert sind und seit­her ste­tig zu­neh­men. Ei­ne schrump­fen­de Wirt­schaft wür­de die Schul­den­pro­ble­ma­tik erst recht ver­schlim­mern.

An­ge­sichts von nach wie vor un­ge­wöhn­lich tie­fen Zin­sen könn­te sich das Fed ge­zwun­gen se­hen, er­neut zu ei­ner quan­ti­ta­ti­ven Lo­cke­rung, wenn nicht gar zu noch ex­tre­me­ren Mass­nah­men wie Mo­ne­ti­sie­rung von Schul­den zu grei­fen. Gold als so­li­de Al­ter­na­ti­ve dient als Ab­si­che­rung ge­gen sol­che Ri­si­ken.

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