Som­mer­flau­te am Obli­markt

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - OB­LI­GA­TIO­NEN SCHWEIZ MAN­FRED KRÖLLER

Der Fran­ken-Pri­mär­markt bleibt in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te ge­schäfts­los.

Der Pri­mär­markt bleibt in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te ge­schäfts­los. Am Se­kun­där­markt zie­hen die Kur­se da­ge­gen an, was mit den Aus­sa­gen des Chefs der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB), Ma­rio Draghi, er­klärt wird. Der hat­te die bis­he­ri­ge lo­cke­re Geld­po­li­tik be­stä­tigt und nicht, wie er­war­tet, ei­nen Rück­zug in Aus­sicht ge­stellt.

«Ein bal­di­ger Aus­stieg aus der un­kon­ven­tio­nel­len Geld­po­li­tik der EZB bleibt un­wahr­schein­lich», schreibt Bank Bär. Nicht zu­letzt weil die Spe­ku­la­tio­nen dar­auf für ei­nen stär­ke­ren Eu­ro und hö­he­re An­lei­hen­zin­sen sor­gen wür­den. Denn sie wer­den durch die geld­po­li­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen ver­schärft – auch oh­ne das Ein­grei­fen der EZB. Die Auf­wer­tung des Eu­ros ha­be im ers­ten Halb­jahr ei­nen Straf­fungs­ef­fekt be­wirkt, der ei­ner Zins­er­hö­hung von 75 Ba­sis­punk­ten ent­spricht.

Die Emis­sio­nen in­län­di­scher Fran­ken­an­lei­hen ha­ben im lau­fen­den Jahr ge­gen­über 2016 zu­ge­nom­men und wie­der zu den Vo­lu­men von 2013 bis 2015 auf­ge­schlos­sen, schreibt die im Kon­sor­ti­al­ge­schäft füh­ren­de Cre­dit Suis­se (CS) in ei­nem Markt­über­blick. Es sind neue Emit­ten­ten von Un­ter­neh­mens­an­lei­hen an den Markt ge­langt. Gleich­wohl gibt es am Se­kun­där­markt we­nig An­la­ge­ge­le­gen­hei­ten. Die nach wie vor schwa­che Emis­si­ons­tä­tig­keit aus­län­di­scher Schuld­ner könn­te sich da­ge­gen im zwei­ten Halb­jahr be­le­ben, meint CS.

Bis An­fang Ju­li ha­ben Schwei­zer Emit­ten­ten ge­mäss CS An­lei­hen über rund 23 Mrd. Fr. be­ge­ben (oh­ne die Plat­zie­run­gen der Bun­des). Pfand­brie­fe do­mi­nier­ten ge­mäss CS, vor Un­ter­neh­mens­an­lei­hen, «die ein be­son­ders leb­haf­tes ers­tes Halb­jahr ver­zeich­ne­ten», und neu­en An­lei­hen der Kan­to­nal- ban­ken. Vie­le in­län­di­sche Un­ter­neh­men nah­men im ers­ten Halb­jahr den Fran­ken­ka­pi­tal­markt erst­mals in An­spruch. Der Trend zur erst­ma­li­gen Be­ge­bung dürf­te laut CS an­hal­ten, weil die Un­ter­neh­men da­mit die Fi­nanz­struk­tur di­ver­si­fi­zie­ren und Fi­nan­zie­rungs­kos­ten ein­spa­ren kön­nen.

Dar­über hin­aus stellt CS fest, dass vie­le Emit­ten­ten sehr lang­fris­ti­ge An­lei­hen be­ge­ben. Die Spreads der meis­ten Un­ter­neh­mens­an­lei­hen sei­en nach ih­rer Plat­zie­rung ge­sun­ken, die Neu­emis­si­ons­prä­mi­en blie­ben auf ab­so­lu­ter Ba­sis tief, heisst es wei­ter. Ihr Ren­di­te­vor­teil zu An­lei­hen glei­cher Bo­ni­tät oder aus dem­sel­ben Sek­tor recht­fer­ti­ge nicht vie­le Kauf­emp­feh­lun­gen, mit Aus­nah­me des Im­mo­bi­li­en­sek­tors, wo CS «Re­la­ti­ve-Va­lue-Ge­le­gen­hei­ten» er­kennt.

Der rück­läu­fi­ge Trend bei den Aus­lan­de­mis­sio­nen hielt bis An­fang Ju­li an. Das Vo­lu­men von nicht ein­mal 9 Mrd. Fr. liegt deut­lich un­ter dem der letz­ten Jah­re. Ein Fak­tor, der zu mehr Emis­sio­nen im Aus­land­seg­ment bei­tra­gen könn­te, ist ge­mäss CS «der Rück­gang der Dol­lar-Fran­ken-Cros­sCur­ren­cy-Ba­sis-Swaps».

Da nicht klar ist, wie und ob die USA Sank­tio­nen ge­gen Russ­land durch­set­zen, könn­ten rus­si­sche Un­ter­neh­men ih­re Emis­si­ons­tä­tig­keit be­schleu­ni­gen, be­vor ih­nen die­se Mög­lich­keit ver­baut wird. Das wür­de dem Neu­ge­schäft Auf­trieb ge­ben. Mit­te Ju­li kam die Gaz­prom-Toch­ter Gaz Ca­pi­tal mit 500 Mio. Fr. an den Markt.

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