Zins­po­li­tik neu über­dacht

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN - EDI AUMILLER,

Die Ver­käu­fe von Staats­an­lei­hen, die in den ver­gan­ge­nen Wo­chen zu ei­nem welt­wei­ten Ren­di­te­an­stieg ge­führt ha­ben, wur­den vom Markt grund­le­gend in­fra­ge ge­stellt. So war es dann auch US-No­ten­bank­che­fin Ja­net Yel­len per­sön­lich, die öf­fent­lich Zwei­fel be­kun­de­te, ob die jüngs­ten An­zei­chen für ei­ne tie­fe­re In­fla­ti­on in den USA wirk­lich nur vor­über­ge­hen­der Na­tur sind, wie die Zen­tral­bank zu­vor an­ge­ge­ben hat­te.

Und dann drück­te dar­über hin­aus die vier­te tie­fe In­fla­ti­ons­zahl in Fol­ge in den USA die Ren­di­ten von US-Staats­an­lei­hen, brach­te den Dol­ler er­heb­lich un­ter Druck und führ­te zu ei­ner Ral­ly der Ti­tel von Schwel­len­län­dern: Schwel­len­län­der­wäh­run­gen und vor al­lem der bra­si­lia­ni­sche Re­al so­wie der me­xi­ka­ni­sche Pe­so leg­ten ge­gen­über dem Dol­lar im Wo­chen­ver­lauf 3,2 be­zie­hungs­wei­se 2,1% zu.

Im sel­ben Zei­t­raum schnell­te auch der rus­si­sche Ru­bel auf­grund ei­nes 5%-An­stiegs des Öl­prei­ses um 1,8% nach oben. Auch im Kre­dit­sek­tor führ­te der Ri­si­ko­kurs zu ei­nem An­stieg: Die bei­den In­di­zes US In­vest- ment Gra­de und US High Yield leg­ten 0,4 be­zie­hungs­wei­se 0,5% zu. Schwel­len­län­der­an­lei­hen pro­fi­tie­ren so­wohl von ex­ter­nem als auch in­ter­nem Rü­cken­wind: Ex­tern be­ein­flus­sen ein nied­ri­ge­rer Dol­lar­kurs so­wie ein er­war­te­ter leich­ter und all­mäh­li­cher An­stieg des US-Zins­ni­veaus Wäh­run­gen po­si­tiv, wäh­rend in­tern ver­bes­ser­te Fun­da­men­tal­da­ten wie et­wa nied­ri­ge­re In­fla­ti­ons­wer­te die An­le­ger hof­fen las­sen, dass für die Zin­sen in ei­ni­gen Schwel­len­län­dern noch Raum nach un­ten ist, so­mit al­so noch Kur­s­po­ten­zi­al be­steht.

Die Ren­di­ten tra­di­tio­nel­ler si­che­rer Schwei­zer An­lei­hen be­we­gen sich bei fort­ge­setz­tem Ri­si­ko­kurs all­mäh­lich nach oben, mit Ren­di­ten bei zehn­jäh­ri­gen «Eid­ge­nos­sen» von –0,045%, ge­gen­über –0,7% vor et­wa ei­nem Jahr. Das Vo­lu­men der glo­ba­len Staats­ver­schul­dung mit ne­ga­ti­ver Ren­di­te ist auf 8,7 Bio. $ ge­sun­ken, von 12 Bio. $ im ver­gan­ge­nen Jahr. An­le­ger se­hen of­fen­bar die Ten­denz ei­ner glo­ba­len Re­fla­tio­nie­rung. An­de­re vor­sich­ti­ge­re Ein­schät­zun­gen las­sen ver­lau­ten, dass das Wachs­tum zwar zu­nimmt, je­doch un­spek­ta­ku­lär aus­fällt.

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