Aus­stiegs­stra­te­gie ge­sucht

Finanz und Wirtschaft - - MONITOR - ALES­SAN­DRO FEZZI,

Die EZB ver­tagt über­ra­schend die Dis­kus­si­on um ei­ne Zins­wen­de.

Für vie­le über­ra­schend hat EZB-Chef Ma­rio Draghi For­de­run­gen nach ei­ner un­mit­tel­ba­ren Ab­kehr von der ul­tra-ex­pan­si­ven Geld­po­li­tik ei­ne Ab­sa­ge er­teilt. Die EZB be­liess das Ni­veau der re­kord­tie­fen Leit­zin­sen, ih­re For­ward Gui­dance als auch das Vo­lu­men und die Dau­er der An­lei­hen­käu­fe un­ver­än­dert. Da­mit hat sich die Er­war­tung vie­ler Markt­be­ob­ach­ter nicht be­stä­tigt, die sich zu­min­dest ein Si­gnal in Rich­tung ei­ner Zins­wen­de er­hofft hat­ten.

Den­noch be­kräf­tig­te Draghi sei­ne op­ti­mis­ti­sche­re Ein­schät­zung zur Kon­junk­tur im Eu­ro­raum, die letzt­lich zu ei­ner hö­he­ren In­fla­ti­on füh­ren soll­te. An der EZB-Spit­ze scheint man sich be­reits Ge­dan­ken über den rich­ti­gen Zeit­punkt zu ma­chen, um die Fi­nanz­märk­te auf die Zins­wen­de vor­zu­be­rei­ten. Die ent­spre­chen­de Kom­mu­ni­ka­ti­on ist her­aus­for­dernd und ver­langt sehr viel Fin­ger­spit­zen­ge­fühl – was be­reits bei der Zins­wen­de der US-No­ten­bank (Fed) zu be­ob­ach­ten war.

Vor­erst ver­trös­te­te Draghi die Märk­te auf den Herbst. Dann wer­de die EZB wei­te­re In­for­ma­tio­nen zum Kon­junk­tur- und In­fla­ti­ons­ver­lauf ha­ben und der Zeit­punkt ge­kom­men sein, um über die An­ge­mes­sen­heit der Geld­po­li­tik zu dis­ku­tie­ren.

Eu­ro an­ti­zi­piert Wen­de

Vor al­lem aus Deutsch­land meh­ren sich die For­de­run­gen nach ei­ner Aus­stiegs­stra­te­gie. So mein­te Ifo-Prä­si­dent Cle­mens Fu­est, dass die EZB ei­ne Stra­te­gie für den Aus­stieg aus der ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik prä­sen­tie­ren müs­se, denn oh­ne ei­ne kla­re Kom­mu­ni­ka­ti­on zum Aus­stiegs­sze­na­rio, könn­te die No­ten­bank im­mer mehr un­ter Druck ge­ra­ten, die Li­qui­di­täts­schwem­me auf­recht­zu­er­hal­ten. Auch der Wirt­schafts­pro­fes­sor und Mit­glied des deut­schen Sach­ver­stän- di­gen­ra­tes zur Be­gut­ach­tung der ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung, Pe­ter Bo­fin­ger, for­dert die EZB zu ei­ner grund­le­gen­den Än­de­rung ih­rer geld­po­li­ti­schen Stra­te­gie auf.

Die No­ten­bank müs­se die ab­seh­ba­re Ab­kehr von ih­rer ul­tra­lo­cke­ren Geld­po­li­tik nicht durch ei­ne fest­ge­leg­te Re­du­zie­rung der An­lei­hen­käu­fe an­stre­ben, son­dern durch die Ein­füh­rung ei­nes Ren­di­te­ziels für lang­fris­ti­ge An­lei­hen, wie das die ja­pa­ni­sche No­ten­bank ge­tan ha­be. Dies wür­de laut Bo­fin­ger in­di­rekt zu sin­ken­den An­lei­hen­käu­fen füh­ren, hät­te aber den Vor­teil, dass Tur­bu­len­zen an den Fi­nanz­märk­ten ver­mie­den wer­den könn­ten.

Mit Auf­merk­sam­keit (und ei­ner Pri­se Ge­las­sen­heit) scheint die EZB der­zeit die Auf­wer­tung des Eu­ros zu ver­fol­gen. Der Eu­ro hat­te am ver­gan­ge­nen Frei­tag sei­nen Hö­hen­flug vom Vor­tag fort­ge­setzt und er­reich­te ge­gen­über dem Dol­lar den höchs­ten Stand seit Au­gust 2015. Die­se, vor al­lem auf die an­ti­zi­pier­te Zins­wen­de der EZB zu­rück­zu­füh­ren­de Stär­ke des Eu­ros dürf­te vie­len ex­port­ori­en­tier­ten Un­ter­neh­men Sor­gen be­rei­ten. Gleich­zei­tig pro­fi­tiert die Ge­mein­schafts­wäh­rung von ei­nem schwä­che­ren Dol­lar, schwä­che­ren US-Kon­junk­tur­da­ten und ei­ner ent­täu­schen­den Sechs­mo­nats­bi­lanz der Re­gie­rung Trump.

BoJ ver­schiebt er­neut

Die am nächs­ten Mitt­woch an­ste­hen­de Sit­zung des Fed-Of­fen­markt­aus­schus­ses dürf­te dem Dol­lar kei­ne Ent­las­tung brin­gen, da vor­erst nicht mit ei­ner wei­te­ren Er­hö­hung der Leit­zin­sen ge­rech­net wird. Die Stär­ke des Eu­ros zeigt sich auch zum Br­ex­it-ge­schwäch­ten Pfund, das durch jüngs­te mo­de­ra­te­re In­fla­ti­ons­da­ten zu­sätz­lich be­las­tet wur­de.

Auch die Bank von Ja­pan (BoJ) hielt an ih­rer ex­trem lo­cke­ren Geld­po­li­tik fest, sah sich aber gleich­zei­tig ge­zwun­gen, ihr In­fla­ti­ons­ziel von 2% er­neut zu ver­schie­ben. Die­ses wer­de wohl erst im Fis­kal­jahr 2019 er­reicht wer­den, ge­stand die BoJ ein. Im April hat­te sie noch er­klärt, das wer­de 2018 der Fall sein. Zu­min­dest schei­nen sich die Kon­junk­tur­aus­sich­ten zu ver­bes­sern, wie die jüngs­ten Aus­sen­han­dels­zah­len zei­gen. Im Ju­ni stie­gen die ja­pa­ni­schen Ex­por­te dank ei­nes schwä­che­ren Yens und ei­ner so­li­den Nach­fra­ge nach Au­tos, Com­pu­ter­chips und Stahl zum sieb­ten Mal in Fol­ge. Auch die Im­por­te stie­gen mar­kant (über 15% im Ju­ni).

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